Lance Armstrong: «Wir machen dir das Leben zur Hölle!»
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Lance Armstrong«Wir machen dir das Leben zur Hölle!»

Lance Armstrong war das Zentrum einer riesigen Doping-Verschwörung. Er konsumierte, handelte und bedrohte auch mal Teammitglieder. Selbst Cancellara spricht von einer «grossen Explosion».

von
rey

Fabian Cancellara am 11. Oktober 2012 zum Fall Armstrong.

«Das US Postal Cycling Team führte das höchstentwickelte, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat.» Das Fazit der US-Anti-Doping-Agentur USADA zu ihrem 1000-seitigen Bericht lässt keine Zweifel an der Schuld Lance Armstrongs übrig.

Der siebenmalige Tour-de-France-Sieger soll jahrelang gedopt, mit illegalen Substanzen gehandelt und Teamkollegen eingeschüchtert haben. Einige dieser Teamkollegen haben ausgepackt, und für Armstrong, der Dopingvorwürfe stets bestritt, ist das Spiel inzwischen aus.

Zu den 26 Kronzeugen der Usada gehören 15 Radprofis, unter ihnen Levi Leipheimer, Floyd Landis und nun auch David Zabrisikie. Zusammen mit 11 weiteren Teammitgliedern haben die 15 Radprofis ein detailliertes und erschreckendes Bild des Systems Armstrong gezeichnet.

Drohungen, Nötigungen, Zurechtweisungen

Die USADA wirft Armstrong sowie fünf weiteren Teambetreuern und Ärzten systematisches Doping von 1998 bis 2010 vor, so die Deutsche Presse-Agentur. Armstrong habe selbst unter anderem EPO-, Kortison-, Testosteron- und Blutdoping betrieben sowie viele Mannschaftskollegen dazu aufgefordert. Seine Teams seien vom Anfang bis zum Ende «mit Doping verseucht» gewesen.

Laut Zeugenaussagen hat Armstrong Doping in seinem Team nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. David Zabriskie etwa berichtete, durch den Leistungssport den Drogen aus dem Weg gehen zu wollen, die er für den frühen Tod seines abhängigen Vaters verantwortlich macht. 2003 aber sei er dann doch von Teamchef Bruyneel überredet worden, EPO zu nehmen.

Armstrong sorgte in seinem Team und im Peloton nicht nur für Respekt, sondern auch für Angst: Als der Italiener Filippo Simeoni aus einer gegnerischen Mannschaft 2004 gegen den Armstrong-Arzt Ferrari aussagte, wurde er vom Amerikaner während einer Tour-Etappe vor laufenden Kameras zurechtgewiesen. Den Ex-Teamkollegen Tyler Hamilton habe Armstrong in einem Restaurant körperlich bedroht («Wir machen dein Leben zur verdammten Hölle»), Levi Leipheimers Frau habe er einschüchternde SMS geschrieben. Zudem habe er mehrfach versucht, andere Fahrer zu falschen eidesstattlichen Versicherungen zu nötigen.

Bei Teamkollegen vor Doping-Kontrolleuren versteckt

Schon 1998, in der ersten Saison nach seiner überstandenen Krebserkrankung, habe Armstrong im Team US Postal Doping mit EPO, Kortison, Testosteron und dem Wachstumshormon HGH betrieben. Ein Jahr später sei bei der Tour de France erstmals ein Motorradfahrer engagiert worden, um das Team unbehelligt mit Drogen zu versorgen. Danach sei die «Dopingverschwörung» immer professioneller geworden.

Um keine positiven Tests abzugeben, seien Armstrong und seine Kollegen zu gewissen Vorsichtsmassnahmen aufgefordert worden. In den ersten Jahren habe es zum Teil schon genügt, den Kontrolleuren einfach die Wohnungstür nicht zu öffnen. Später hätten die Teamchefs um Johan Bruyneel stets im Voraus erfahren, wann ein Test anstand. Weil die Dopingkontrollen von Jahr zu Jahr intensiver wurden, habe sich Armstrong mitunter in Wohnungen von Teamkollegen versteckt. Zudem hätten die Team-Mediziner penibel genaue Zeitfenster für die Doping-Einnahme errechnet, um später nicht aufzufallen. Einen positiven Kortison-Test Armstrongs habe Teamarzt Luis Garcia del Moral durch ein gefälschtes nachträgliches Rezept verschleiert.

Der USADA-Report ging an den Radsport-Weltverband UCI, der die Sanktionen gegen Armstrong bestätigen und über eine Aberkennung seiner Titel entscheiden musste. Das hat die UCI getan: Am 22. Oktober 2012 entzog sie Armstrong alle sieben Tour-de-France-Siege und sperrte ihn lebenslänglich.

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