Aktualisiert 17.03.2011 13:35

PensionskassenWir machen uns das Rentenloch selbst

Nicht Staatskrisen oder Überalterung gefährden unsere Pensionsgelder am meisten, sondern unsere eigene Fahrlässigkeit. Diese Tipps helfen.

von
Elisabeth Rizzi
Im Alter wirds eng: Das Rentenloch muss aber nicht zwangsläufig sein.

Im Alter wirds eng: Das Rentenloch muss aber nicht zwangsläufig sein.

Angestellte können aufatmen: Griechenlands Kreditwürdigkeit ist unter den Ramschstatus gesunken. Damit werden die Pensionskassen kaum mehr in Papiere des hoch verschuldeten Staates investieren. Es drohen also zumindest diesbezüglich bei den Vorsorgeeinrichtungen keine finanzielle Schieflage und Rentenkürzungen mehr.

Aber ohnehin werden Anlageverluste der Pensionskassenverantowortlichen oder auch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung im Hinblick auf unsere Altersvorsorge massiv überschätzt. Die am meisten vernachlässigte Gefahr ist dagegen jene der selbst verschuldeten Vorsorgelücken. Vorsorgelücken führen direkt und unwiederbringlich zu Leistungskürzungen im Alter. Und: Sie entstehen oft unbemerkt.

1. Auslandsaufenthalt

Ein Klassiker sind Auslandaufenthalte. Die zweite Säule bleibt nur bei Auslandaufenthalten von bis zu einem Monat bestehen. Wer länger von seinem Arbeitsplatz fern bleibt, muss sich aktiv darum kümmern, dass weiter Gelder in seine beruflichen Vorsorge (BVG) fliessen. Nur wenn man nach dem Urlaub die Arbeit wieder beim alten Arbeitgeber aufnimmt, kann man die Versicherung weiter führen. In diesem Fall muss man als Arbeitnehmer aber während der Abwesenheit den Arbeitgeberanteil für die BVG mitbezahlen. Unternehmen Langurlauber nichts, wird ihr Altersguthaben nach sechs Monaten automatisch auf eine Freizügigkeitspolice übertragen. Das heisst: Das Geld bleibt hier bis zu einem erneuten Eintritt ins Erwerbsleben geparkt. Ausser etwas Zins kommt so zum Alterskapital nichts mehr hinzu.

Auch bei der ersten Säule, der AHV, drohen Lücken. Wer ausserhalb von EU- und Efta-Staaten einen Wohnsitz nimmt, muss sich freiwillig versichern, um solche Lücken zu verhindern.

2. Mutterschaft

Der gesetzliche Mutterschutz dauert 14 Wochen. Mütter, die länger von der Arbeit fern bleiben wollen, droht ebenfalls eine Vorsorgelücke. Auch sie müssen sich - wie bei einem Auslandsaufenthalt - darum bemühen, die BVG bei ihrem Arbeitgeber weiter zu führen.

Bei der AHV müssen sich Mütter ebenfalls aktiv melden, um Beiträge als Nichterwerbstätige einzuzahlen.

3. Krankheit / Unfall

Wer wegen Krankheit oder Unfall erwerbsunfähig wird, erhält zwar in der Regel Taggelder. Doch nach drei Monaten fliessen keine Gelder mehr an die Pensionskasse. Das heisst: Auch hier entsteht eine Vorsorgelücke.

Tückisch ist auch die erste Säule: Kranken- und Unfalltaggelder gelten als nicht AHV-pflichtig. Kranke und Verunfallte müssen sich deshalb darum kümmern, dass sie hier Beiträge als Nichterwerbstätige einzahlen können.

4. Arbeitslosigkeit

Wer arbeitslos wird, hat meist andere Sorgen. Dennoch sollten Stellenlose nicht vergessen, sich auch um ihre berufliche Vorsorge zu kümmern. Denn Arbeitslose sind zwar weiter durch die BVG gegen die Risiken Tod und Invalidität abgesichert. Doch es werden keine weiteren Gelder für das Alter mehr angespart. Ausgesteuerte fallen ganz aus der zweiten Säule.

Besser sieht es bei der AHV aus. Hier werden auf den Taggeldern Beiträge abgezogen. Und selbst Ausgesteuerte sind verpflichtet -Beiträge als Nichterwerbstätige einzahlen. Das garantiert ihnen immerhin eine minimale Rentenleistungen im Alter.

5. Stellenwechsel

Ein Stellenwechsel kann bei der zweiten Säule zu Lücken führen. Bei einem neuen Job darf nicht vergessen werden, die Freizügigkeitsleistungen beim neuen Arbeitgeber einzuzahlen. Im Normalfall sollte das automatisch passieren. Ansonsten muss der Arbeitnehmer selbst vom neuen Arbeitgeber einen Einzahlungsschein einfordern.

Immerhin ist nicht alles verloren, sollte hier eine Panne passieren: Spätestens zwei Jahre nach dem Austritt eines Versicherten ist die Pensionskasse seines früheren Arbeitgebers verpflichtet, vergessene Freizügigkeitsguthaben an die Auffangeinrichtung der BVG zu überweisen. Verloren gegangene BVG-Gelder werden bei der Zentralsstelle 2. Säule registriert.

Löcher finden

Löcher bei der Altersvorsorge entstehen gerade in extremen Lebenssituationen schnell und unbemerkt. Immerhin kann man leicht feststellen, ob Lücken bei der eigenen Vorsorge existieren. So kann jeder bei der AHV-Ausgleichskasse einen Kontoauszug anfordern. Für die zweite Säule gibt die aktuelle Pensionskasse Auskunft.

Wer nicht regelmässig die Situation seiner Altersvorsorge überprüft, kann allerdings ziemlich viel verlieren und muss eine drastische Rentenkürzung akzeptieren. So ist es bei der AHV nur innert fünf Jahren möglich, verpasste Beiträge nachzuzahlen. Die allermeisten Pensionskassen lassen dagegen auch später noch Nachzahlungen zu.

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