Migros entfernt «Mexikaner» von Glace: Das denkt die 20-Minuten-Community

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Migros entfernt «Mexikaner-Bild» von Glace«Wir machen unsere Kultur durch unsere Überkorrektheit kaputt»

Die Migros hat ein Bild eines «Mexikaners» von einer Wasserglace-Verpackung gestrichen. Viele Mitglieder der 20-Minuten-Community stören sich an diesem Schritt. 

von
Gabriela Graber
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So sah die Verpackung des Cowboy-Glaces früher aus …

So sah die Verpackung des Cowboy-Glaces früher aus …

20 Minuten/News-Scout
… und so sieht sie neu aus, ohne Mann mit Sombrero, Schnauzer und Gewehr. Waffen trägt jetzt nur noch der Sheriff und auch der Drink ist weg.

… und so sieht sie neu aus, ohne Mann mit Sombrero, Schnauzer und Gewehr. Waffen trägt jetzt nur noch der Sheriff und auch der Drink ist weg.

20 Minuten/News-Scout
Ein 20-Minuten-Leser findet die Entwicklung bedenklich und fragt, ob bald auch der Begriff «Wienerli» unangebracht sei.

Ein 20-Minuten-Leser findet die Entwicklung bedenklich und fragt, ob bald auch der Begriff «Wienerli» unangebracht sei.

imago images/Shotshop

Darum gehts

  • Die Migros strich eine stereotypisierende Abbildung eines «Mexikaners» von der Glace-Verpackung.

  • Ein Leser findet diese Massnahme fragwürdig.

  • Auch die Mehrheit der 20-Minuten-Community kann den Entscheid der Genossenschaft nicht verstehen.

«Das ist völliger Irrsinn. Ich glaube nicht, dass sich Mexikaner durch die Abbildung gekränkt fühlen», sagt Enrico Bernasconi. Der News-Scout ärgert sich darüber, dass die Migros eine stereotypisierende Abbildung eines «Mexikaners» mit Sombrero, Schnauzer und Gewehr von der Verpackung des Cowboy-Wasserglaces entfernte und durch einen Cowboy ersetzt hat.

Nach den Debatten um Winnetou oder über die Benennung von Schokokuss oder Paprikaschnitzel, habe ihm das Migros-Glace den Rest gegeben, sagt er zu 20 Minuten. Soziologie-Professor Elisio Macamo von der Uni Basel versteht Bernasconis Frust, aber warnt vor zu viel Aktionismus, bei dem die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird. Auch sagt er, dass die Gesellschaft gegenüber Stereotypen, die als rassistisch wahrgenommen werden könnten, empfindlicher geworden sei. Beim Verein Viva México Bern glaubt man nicht, dass das Stereotyp bei Menschen aus Mexiko zu einer Kränkung führe – weder seine Verwendung noch seine Entfernung von der Glace-Verpackung: 

«Was verlieren die Personen, die sich daran stören, wenn stereotypische Bilder verschwinden?»

Wie der News-Scout, hält auch die Mehrheit der 20-Minuten-Community den Schritt des Detailhandelsunternehmens für übertrieben: «Habt ihr keine anderen Probleme? Jetzt im Ernst, das kann doch nicht sein?», kommentiert User kinaaaa25. «Das ist einfach nur noch traurig. Ich werfe meine Winnetou-Bücher trotzdem nicht weg.», so Asterixis. 

User zürcher1 findet überdies: «Wir machen unsere Kultur durch unsere Überkorrektheit kaputt. Andere dürfen sich meines Erachtens alles erlauben – und wir entschuldigen uns, dass wir in unserem Land nach unseren Vorstellungen leben wollen.» - «Jetzt müsst ihr euch entscheiden: Diversität oder kulturelle Aneignung? Beides geht nicht!», schreibt allesschonvergeben.

«Nun hats halt einen Cowboy statt eines ‹Bandidos› auf der Verpackung. So what!», kommentiert dagegen User Hoihoi222. Es sei normal, dass sich Designs ändern, doch die Glace schmecke gleich wie vorher, findet er. 20-Minuten-Nutzer Trajax teilt diese Auffassung: «Ist doch egal, was auf der Verpackung steht, solange der Inhalt stimmt. Was verlieren die Personen, die sich daran stören, wenn stereotypische Bilder verschwinden? Schränkt das euch irgendwie am Glace- oder Schokoküsse-Essen ein?»

«Packt alles in weisses Papier»

Viele Leser*innen zeigen sich verwirrt darüber, was denn nun unter die Kategorien ‹kulturelle Aneignung› oder ‹rassistische Stereotypen› fallen könnte und was nicht. «Muss der Hot Dog jetzt auch umbenannt werden? Tierfreunde könnten doch sagen, dass die armen Hunde darunter leiden könnten», findet Büsi57. Leserin Rita.C fragt: «Wie ist das, wenn ich zum Beispiel Wienerli, Hamburger, Berliner oder Pariserbrot kaufe?»

WingdingBacon wirft ein: «Und was ist mit den Cowboys auf der Verpackung? Sind das keine Stereotype?» User Ramses1407 hingegen ist der Meinung, eine Lösung für die Problematik zu wissen: «Packt alles in weisses Papier und schreibt nur den Inhalt drauf. Und sofort ist das Problem behoben und unsere Welt wird einheitlich farb- und freudlos.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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