Aktualisiert 10.03.2019 17:47

Kein Eintritt ohne Frauen«Wir Männer leiden im Ausgang unter Sexismus»

Sie werden ohne weibliche Begleitung kaum in Clubs gelassen und müssen manchmal mehr Eintritt zahlen: Männer fühlen sich im Nachtleben diskriminiert. Dort findet man dies lächerlich.

von
Maja Sommerhalder
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Im Sihlpostclub haben Frauen bei den Latinpartys Gratiseintritt bis 24 Uhr.

Im Sihlpostclub haben Frauen bei den Latinpartys Gratiseintritt bis 24 Uhr.

Laut Mitinhaber Himzo Hajdarevic hat dies jedoch nichts mit Sexismus zu tun: «Das Geschlechterverhältnis ist so schon relativ früh am Abend ausgeglichen.

Laut Mitinhaber Himzo Hajdarevic hat dies jedoch nichts mit Sexismus zu tun: «Das Geschlechterverhältnis ist so schon relativ früh am Abend ausgeglichen.

Maurice Keiser
Keine unterschiedlichen Preise gibt es im Hive, dafür aber verschiedene Altersgrenzen.

Keine unterschiedlichen Preise gibt es im Hive, dafür aber verschiedene Altersgrenzen.

Hive

«Wir Männer leiden im Zürcher Nachtleben unter Sexismus», schreiben in letzter Zeit gleich mehrere männliche Leser an 20 Minuten. Sie kämen ohne Frauenbegleitung kaum in Clubs rein, und dann gebe es auch Lokale, die deutlich günstigere oder gar keine Eintrittspreise für Frauen verlangen würden. Das sei zwar schon immer so gewesen, aber mit der heutigen Sexismus-Debatte sei das doch nicht mehr zeitgemäss: «Da sollte man doch beachten, dass Männer, die unter sich einfach nur Spass haben möchten, nicht in Nachtclubs gehen können. Nur weil sie Männer sind.»

Und ein anderer Leser sagt zum Thema Frauenbegleitung: «Ist der Ausgang nicht auch dafür da, um neue Leute kennenzulernen? Und was ist, wenn man Homosexuell ist und mit seinem Freund in die Clubs möchte?»

Bei schlecht gekleideten Frauen ist man etwas kulanter

Gratiseintritt für Frauen bis Mitternacht gibt es etwa an den Latinpartys, die jeweils am Freitag und einmal monatlich am Samstag im Club Sihlpost stattfindet. Laut Mitinhaber Himzo Hajdarevic hat das jedoch nichts mit Sexismus zu tun: «Das Geschlechterverhältnis ist so schon relativ früh am Abend ausgeglichen.» Ein guter Indikator für einen Club, wie Hajdarevic sagt. «Ist ein Geschlecht zu dominant vertreten, wird es schnell langweilig.» Schliesslich gehe es im Nachtleben auch ums Flirten.

Im Club Sihlpost werde aber keiner abgewiesen, weil er ein Mann sei: «Wenn jemand gut angezogen, anständig und über 23 Jahre alt ist, gewähren wir ihm Einlass.» Es sei möglich, dass die Türsteher etwa bei schlecht gekleideten Frauen etwas kulanter seien: «Vielleicht aus dem traditionellen Gentleman-Gedanken.» Viel zur Selektion der Gäste trage auch bei, dass die Frauen oft gut gelaunt in die Clubs kämen.

«Im Nachtleben sind Männer in der Überzahl»

Zudem hätten Frauen in Gruppen bessere Chancen. «Natürlich ist man da auch voreingenommener, da das Gefahrenpotenzial bei Männergruppen höher eingestuft wird.» Denn auch wenn viele friedlich sind, kann es laut Hajdarevic zu Unruhen kommen: «Männer haben es sich also auch ein bisschen selbst zuzuschreiben, dass sie strenger behandelt werden.»

Nachtleben-Experte Alex Flach empfiehlt Männern, sich eher allein oder mit Kolleginnen in die Schlange zu stellen: «Sich wildfremden Frauen anzuschliessen, damit man reinkommt, kann nach hinten losgehen, denn Türsteher haben darauf ein Auge.»

Er ist Sprecher diverser Clubs, verschiedene Preise gebe es dort nicht: «Wir haben aber unterschiedliche Altersgrenzen. So kommen im Hive Frauen ab 21 und Männer ab 23 Jahren rein.» Der Grund: «Im Nachtleben sind Männer in der Überzahl.» So versuche man dies auszugleichen – ein Gewinn für alle.

«Frauen werden schon genug benachteiligt»

Dass sich Männer im Nachtleben diskriminiert fühlen, findet er lächerlich: «Frauen werden im Leben viel häufiger benachteiligt – etwa durch tiefere Löhne. Den Clubs hier Sexismus zu vorzuwerfen, ist Verhältnisblödsinn.»

Auch würden sie weit häufiger sexuell belästigt: «Zum Glück kennen Clubs hier mittlerweile eine Nulltolerenz.» So können Besucherinnen und Besucher etwa mit dem Codewort Luisa beim Personal diskret um Hilfe bitten. «Ich glaube, Frauen lassen sich heute weniger gefallen, haben mehr Selbstvertrauen. Vielleicht macht das gewissen Männern einfach Angst.»

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