Aktualisiert 30.03.2014 13:13

Uli Forte«Wir müssen die Abwärtsspirale stoppen»

Selbst Uli Forte verwendet mittlerweile das Wort Krise. «Wir müssen unbedingt diese Abwärtsspirale stoppen», sagt der YB-Trainer nach fünf sieglosen Spielen.

von
Eva Tedesco

YB hat seit nunmehr fünf Runden keinen Vollerfolg mehr verzeichnen können. Trainer Uli Forte auf der Suche nach Erklärungen. (Video: 20 Minuten)

Dass beim FC Aarau die zuständige Person vergessen hatte nach dem Spiel die Türe zur Dusche in der Gästekabine aufzuschliessen, passt irgendwie zur aktuellen Situation der Berner und das unerfreuliche Ende eines unerfreulichen Abends im Brügglifeld. Statt den Frust über die zehnte Saisonniederlage direkt in den Abfluss spülen zu können, mussten die YB-Profis erst auf einen Schlüssel warten. Aber was sind schon ein paar Minuten? Der FC Aarau musste immerhin fast neun Jahre warten, bis er den Gast aus der Hauptstadt besiegen konnte. Seit dem 16. Oktober 2005 hatte keine YB-Elf mehr gegen Aarau verloren. Bis Samstag.

Die Truppe von Trainer Uli Forte hat das Kunststück im seither 21. Direktduell wieder einmal geschafft. Ein Doppelschlag von Sven Lüscher (50./69.) – Nuzzolo (52.) war zwischenzeitlich für den Ausgleich besorgt – besiegelte die zehnte Saisonniederlage der Berner. Ausgerechnet Lüscher, der in der Saison 2008/09 noch das gelb-schwarze Trikot der Hauptstädter trug und nach lediglich acht Einsätzen im Januar 2009 aber seinen Vertrag auflöste und zu Winterthur wechselte.

Kein Schlachtenglück

Mit dem 1:2 in Aarau hat YB nunmehr aus den letzten fünf Partien lediglich einen mickrigen Punkt geholt. Dabei ist es kaum einen Monat her, da waren die Berner noch der hartnäckigste Widersacher von Leader Basel. Nach einem 0:3 in Sitten, 1:3 gegen den FCZ, einem 1:1 in St. Gallen und der 0:4-Schlappe vor einer Woche gegen GC verlor YB aber sukzessive an Boden und liegt neun Runden vor Schluss elf Verlustpunkte hinter dem FCB und Rang 1.

«Für unsere Verhältnisse und Ansprüche ist ein Punkt aus fünf Spielen zu wenig und deshalb kann man eindeutig das Wort Mini-Krise in den Mund nehmen. Die Mannschaft probiert alles, das hat man auch in Aarau gesehen, wo sie am Ende sogar die Brechstange noch ausgepackt hat. Aber zurzeit fehlt uns auch das nötige Schlachtenglück», sagt Uli Forte. «Wir kommen nur mit besseren Leistungen und mit einem starken Kollektiv aus dem Loch. Es gilt, so schnell wie möglich die Handbremse zu ziehen.»

Viel zu viele Gegentore in der Rückrunde

Laut werden will Forte nicht. «Das bringt jetzt nichts, auf die Pauke zu hauen. Wir müssen die Dinge, die falsch laufen, analysieren und konkret ansprechen. Das heisst, wir müssen in der Offensive konkreter werden. Bis zum und um den Strafraum herum haben wir gute Kombinationen gesehen, aber danach waren wir zu wenig konkret, zu wenig zwingend. Zudem kassieren wir zu viele Gegentore», so Forte weiter.

Tatsächlich gehörten die Berner in der Vorrunde (18 Spiele/18 Gegentore) zu den besten vier Teams, die am wenigsten Gegentreffer zugelassen haben. Nur Basel, GC und St. Gallen haben mit 17 Toren eines weniger kassiert als YB. Seit der Winterpause klingelte es am Laufmeter im Tor hinter Goalie Yvon Mvogo: 21 Gegentore sind es in genau halb so vielen Partien (9) wie im Herbst – und das trotz der rund 4 Millionen teuren Neuverpflichtung von Milan Vilotic (von GC) in der zentralen Abwehr.

Keine Flugangst bei Forte

«Das geht nicht allein auf die Kappe der Abwehr. Die ganze Mannschaft muss nach hinten mitarbeiten. Aber die Situation ist schon auffällig», so Forte. «Wir werden schon am Sonntag gegen Luzern alles versuchen, um diese Abwärtsspirale zu stoppen. Wir brauchen unbedingt ein Erfolgserlebnis.» Auch Forte?

YB ist nicht gerade für viel Geduld mit erfolglosen Trainern bekannt. Muss sich Forte Gedanken um seinen Job machen? Forte: «Es geht nicht um mich, sondern nur um den Verein. Und dass wir diese Mannschaft wieder auf Vordermann bringen. Das ist das Einzige, was zählt. Alles andere spielt keine Rolle.»

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