Aktualisiert 23.02.2020 12:25

Coronavirus«Wir müssen die Tessiner Grenze schliessen»

Der Coronavirus sorgte in Norditalien bereits für zwei Todesfälle. Und ein 17-Jähriger wurde im Veltlin angesteckt. Schweizer Politiker fordern Massnahmen.

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pro/pam

Bereits 89 Coronavirus-Fälle zählt die Lombardei. In Norditalien herrscht Ausnahmezustand: Alle heutigen Sportveranstaltungen wurden abgesagt und ganze Städte abgeriegelt. Das neue Virus ist damit so nahe an der Schweizer Grenze wie noch nie. Der neuste bekannte Fall, ein 17-Jähriger Student, wurde im nur 25 Kilometer von der Schweiz entfernten Veltlin positiv auf das Coronavirus getestet.

«Schliesst die Grenzen», fordert deshalb der Tessiner Lega-Nationalrat Lorenzo Quadri in einem Blogpost am Sonntag. Das Tessin würde täglich von 70'000 Grenzarbeitern besucht. Dabei sei unklar, ob sie aus den infizierten Gebieten kämen.

Grenzgänger im Visier

Konkret fordert Quadri, dass allen italienischen Grenzgängern, die im Dienstleistungssektor arbeiten, der Zugang verweigert werde. So würde «das Risiko einer Pandemie im Tessin deutlich reduziert». Wer den Schritt ablehne, gefährde die «öffentliche Sicherheit», so Quadri.

Auch der Tessiner SVP-Grossrat Tiziano Galeazzi ist besorgt. «Das Virus ist nicht weit vom Tessin entfernt.» Er hat deshalb eine Anfrage an den Tessiner Staatsrat eingereicht, wie tio.ch berichtet. Darin fragt er, inwiefern es möglich sei, dass Grenzgänger an den Zöllen mit Temperatur-Scannern geprüft werden können. Falls dies nicht der Fall sei, will er auch wissen, welche Art der Kontrollen denn ergriffen werden könnten. Zudem fordert er den Staatsrat dazu auf, chinesische Bürger im Tessin, die jüngst in China waren, zu kontaktieren, um allfällige Ansteckungen zu eruieren.

Kritik am Verhalten des BAG

«Im Tessin herrscht Unmut», sagt auch der CVP-Nationalrat Marco Romano. Er hält es für «gut möglich», dass sich das Coronavirus über die Grenzgänger auch in der Schweiz verbreitet.

Romano kritisiert die Untätigkeit des Bundesamts für Gesundheit (BAG): «Gestern relativierte das BAG, der Ausbruch beschränke sich auf Italien. Dabei ist das Tessin mitten im betroffenen Gebiet.» Dass das Tessin und die Coronavirus-Fälle in Norditalien nur wenige Kilometer trennten, «realisieren die Bundesangestellten in Bern offenbar nicht».

Er schlägt vor: «Sie sollten mal hierher kommen und sich anschauen, wie nahe die Fälle am Tessin sind.» Und Romano fordert, dass das BAG offener kommuniziere und endlich über die «hoffentlich ergriffenen» Massnahmen informiere.

«Man kann das Tessin nicht lahmlegen.»

Von einem «grossen Risiko», dass das Coronavirus von Italien in die Schweiz eingeschleppt wird, spricht die Präsidentin der Gesundheitskommission, CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. «Viren machen an der Grenze nicht halt», sagt Humbel. Und habe das Coronavirus einmal das Tessin erreicht, sei es bald auch in der restlichen Schweiz.

Sie verstehe zwar das Unbehagen der Tessiner, in Panik zu verfallen sei aber falsch: «Die Grenze abzuriegeln nützt nichts, der Virus kann die Schweiz auch auf anderem Weg erreichen.» Man könne das Tessin nicht mit einer so einschneidenden Massnahme lahmlegen: «Es geht nicht nur um die Wirtschaft, sondern auch die Einkommen von vielen Familien.»

Kontrollmasssnahmen an der Grenze wie Fiebermessungen hält sie im Moment ebenfalls für verfrüht. Humbel: «Ich habe vollstes Vertrauen ins BAG.»

Bund sieht noch keinen Handlungsbedarf

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betont im aktuellsten Eintrag auf seiner Homepage, es sei weiterhin kein bestätigter Fall in der Schweiz nachgewiesen worden. «Für die Einreise in die Schweiz gibt es aufgrund der aktuellen Lagebeurteilung keine Einschränkungen», heisst es weiter. Auch aufgrund der Entwicklung in Italien ergreift das BAG keine Massnahmen.

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