11.07.2019 18:27

Arbeitsmarkt

«Wir müssen Männer in Frauenberufen fördern»

Laut UBS werden in den nächsten zehn Jahren bis zu 500'000 Arbeitskräfte fehlen. Was das für Berufstätige heisst, erklärt UBS-Ökonomin Veronica Weisser.

von
Dominic Benz
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Die Nachfrage nach Fachkräften werde in klassischen Frauenberufen künftig deutlich ansteigen, sagt UBS-Ökonomin Veronica Weisser zu 20 Minuten. «In Zukunft wird man wohl vermehrt Männer in Frauenberufen fördern müssen.»

Die Nachfrage nach Fachkräften werde in klassischen Frauenberufen künftig deutlich ansteigen, sagt UBS-Ökonomin Veronica Weisser zu 20 Minuten. «In Zukunft wird man wohl vermehrt Männer in Frauenberufen fördern müssen.»

UBS
Vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich wird es bald viele offene Stellen geben.

Vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich wird es bald viele offene Stellen geben.

Keystone/Gaetan Bally
Grundsätzlich werden in den nächsten Jahren mehr als 300'000 Arbeitskräfte fehlen. Das schreibt die UBS in ihrer Studie «Outlook Schweiz».

Grundsätzlich werden in den nächsten Jahren mehr als 300'000 Arbeitskräfte fehlen. Das schreibt die UBS in ihrer Studie «Outlook Schweiz».

Keystone/Melanie Duchene

Frau Weisser, es wird viele freie Jobs geben. Das ist doch positiv.

Für Arbeitskräfte ist das eine super Situation. Sie können davon profitieren, dass sie und ihre Fähigkeiten auf dem Markt nachgefragt werden. Für schnell wachsende Firmen ist das aber ein Problem. Ihnen fehlen die Arbeitskräfte.

Welche Branchen betrifft das?

Jene, die stark expandieren, ganz vorne ist der Sozial- und Gesundheitssektor. Dieser ist bereits stark gewachsen und wird weiter boomen. Weniger freie Jobs wird es typischerweise in der Industrie, im Finanzsektor, im Handel oder in der Hotellerie geben. Diese Bereiche schrumpfen wegen des schwierigen Marktumfelds.

Die UBS schreibt in ihrer Studie, dass Männer in Zukunft vermehrt in Frauenberufen Fuss fassen müssten. Wie soll das gehen?

Die Nachfrage nach Fachkräften wird in klassischen Frauenberufen deutlich ansteigen. In Zukunft wird man wohl vermehrt Männer in Frauenberufen fördern müssen. Es braucht grundsätzlich einen Wandel im gesellschaftlichen Denken. Das Bild vom Mann als Pfleger und Erzieher sollte noch positiver besetzt werden – schliesslich profitieren diese Berufe in Zukunft von hoher Jobsicherheit.

Warum wächst der Sozial- und Gesundheitssektor so stark?

Wegen der Alterung der Gesellschaft. Bis 2060 wird es in der Schweiz doppelt so viele Menschen über 65 geben. Allein 2035 wird es rund zwei Drittel mehr Rentner geben. Die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen wird somit steigen.

Wie begegnet man dem Mangel an Arbeitskräften?

Wir werden in Zukunft flexibler sein müssen und in unseren Berufskarrieren mehrere Berufe erlernen. Auch Unternehmen werden sich gezwungen sehen, offen zu sein für Arbeitskräfte, die sie bisher wenig berücksichtigt haben. Eine flexiblere Gesellschaft ist immer auch eine wohlhabende Gesellschaft, weil dadurch mehr Personen am Arbeitsmarkt teilnehmen, die Steuern und Sozialabgaben zahlen.

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