17.07.2014 08:56

Abfallsünderin Schweiz

«Wir müssen mehr Materialien recyceln»

Jeder Schweizer verursacht pro Tag rund 1,9 Kilogramm Abfall. Damit sind wir Europameister. Neue Recycling-Systeme könnten uns helfen, den Titel wieder loszuwerden.

von
J. Büchi
Neben PET, Alu und Batterien könnten bald auch im grossen Stil Kunststoffbehälter und Tetrapacks recycelt werden.

Neben PET, Alu und Batterien könnten bald auch im grossen Stil Kunststoffbehälter und Tetrapacks recycelt werden.

Herr Hügi*, weshalb verursachen wir Schweizer mehr Abfall als alle anderen Europäer?

Die Abfallmengen in der Schweiz haben in den letzten Jahrzehnten parallel zum Bruttoinlandprodukt zugenommen. Mit dem Geld stieg der Konsum und mit dem Konsum der Abfall.

Dabei heisst es immer, die Schweizer seien so umweltbewusst.

Das sind wir auch. In der Verwertung von Abfällen ist die Schweiz weltweit Spitze. Die Hälfte aller Abfälle wird gesammelt und recycelt, die andere umweltgerecht verbrannt und Energie daraus gewonnen. Allerdings verbrauchen wir insgesamt noch zu viele wertvolle Rohstoffe.

Wie können wir das ändern?

Der sogenannte Foodwaste ist ein grosses Problem. Wir werfen zu viele noch geniessbare Lebensmittel weg. Die Konsumenten müssen lernen, nur noch einzukaufen, was sie wirklich brauchen. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe des Bundes an einer Strategie zur Bekämpfung von Foodwaste. Bei der Reduktion des Rohstoffverbrauchs ist allerdings auch die Industrie gefordert.

Inwiefern?

Beispielsweise hat die Industrie begonnen, Verpackungen selber zu optimieren, beispielsweise sind Getränkeverpackungen leichter als früher.

In Berlin gibt es seit Kurzem einen Supermarkt, bei dem der Kunde alle Lebensmittel in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen muss. Wäre das eine Lösung?

Für das Bundesamt für Umwelt steht das Recycling weiterer Verpackungen im Fokus. Leere Kunststoffbehälter, etwa von Shampoos, sollen künftig ebenfalls zurückgebracht werden. Teilweise gibt es schon entsprechende Angebote von Händlern. Das Bafu begrüsst solche Initiativen der Privatwirtschaft.

Die Konsumenten recyceln bereits PET, Alu, Glas, Karton, Altpapier, Batterien, Kompost und vieles mehr. Haben Sie keine Angst, dass die Schweizer irgendwann recyclingmüde werden?

Ich habe den Eindruck, dass Recycling-Systeme von der Bevölkerung sehr gut akzeptiert werden, solange sie Sinn machen. Dazu ist eine gute Kommunikation und eine Sensibilisierung der Akteure in der Abfallwirtschaft notwendig.

*Michael Hügi ist stellvertretender Sektionschef der Sektion Abfallbewirtschaftung des Bundesamtes für Umwelt.

Auch Recycling von Folien und Tetrapacks gefordert

Für eine Verstärkung der Recycling-Anstrengungen spricht sich auch die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz aus. Laut Projektleiter Christian Müller müssten neben Kunststoffbehältern beispielsweise auch Tetrapacks und Kunststofffolien konsequent vom restlichen Abfall getrennt werden. «Entsprechende Anstrengungen müssen von der Privatwirtschaft und allen anderen Beteiligten unternommen werden.» (jbu)

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