Verträge sollen sofort aufgelöst werden – «Wir müssen Putin-treuen Künstlern zeigen, dass sie nicht willkommen sind»

Aktualisiert

Verträge sollen sofort aufgelöst werden«Wir müssen Putin-treuen Künstlern zeigen, dass sie nicht willkommen sind»

Engagements von Putin-treuen Kunstschaffenden müssen sofort aufgelöst werden, fordert die Luzerner SP. Auch international ist der Druck gross: Der russische Stardirigent Valery Gergiev hat bereits Aufträge verloren.

von
Daniela Gigor
1 / 6
Wladimir Putin, Valery Gergiev und Anna Netrebko gemeinsam an einem Anlass im Jahr 2013 in St. Petersburg. 

Wladimir Putin, Valery Gergiev und Anna Netrebko gemeinsam an einem Anlass im Jahr 2013 in St. Petersburg. 

Getty Images
Gergiev wird nachgesagt, dass er Putin sehr nahe steht. 

Gergiev wird nachgesagt, dass er Putin sehr nahe steht. 

imago images/Russian Look
Dies treibt den Dirigenten nun in die Enge. So fordert etwa der Oberbürgermeister von München den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker gar auf, sich bis am Montag von der russischen Invasion der Ukraine zu distanzieren. Andernfalls werde das Arbeitsverhältnis beendet. 

Dies treibt den Dirigenten nun in die Enge. So fordert etwa der Oberbürgermeister von München den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker gar auf, sich bis am Montag von der russischen Invasion der Ukraine zu distanzieren. Andernfalls werde das Arbeitsverhältnis beendet. 

Artyom Geodakyan/TASS

Darum gehts

Im August soll Valery Gergiev im Konzertsaal des KKL Luzern im Rahmen des Lucerne Festival auf der Bühne stehen und jeweils das Mariinsky Orchestra 1 und 2 dirigieren. Nun ist der Künstler in Ungnade gefallen. Grund: Er gilt als Putin-treu. Darum hat die Luzerner Kantonsrätin Ylfete Fanaj (SP) ein dringliches Postulat eingereicht. Darin wird verlangt, dass Verträge mit Kunstschaffenden aufzulösen sind, wenn sie sich nicht «innert kurzer Frist von den völkerrechtswidrigen Angriffen gegen die Ukraine distanzieren.» Laut Fanaj haben das Lucerne Festival und das Luzerner Sinfonieorchester eine Ausstrahlung über die Kantonsgrenzen hinaus. 

«Diese Kulturbetriebe, welche auch öffentliche Gelder beziehen, sollen Haltung zeigen und wir fordern von ihnen den klaren Entscheid, dass diese Künstlerinnen und Künstler nicht willkommen sind in Luzern», sagt Fanaj. Als Zögerer werden im Vorstoss namentlich das Lucerne Festival und das Luzerner Sinfonieorchester genannt. «Dies ist nicht mehr verständlich. Deshalb soll der Regierungsrat umgehend seinen Einfluss geltend machen.» Nebenbei sei erwähnt, dass Dirigent Valery Gergiev den Titel «Unesco Artist for Peace» trägt. Am Montag teilte das Lucerne Festival mit, dass beschlossen wurde, die geplanten Konzerte des Mariinsky Orchestra und Valery Gergiev abzusagen. «Angesichts der völkerrechtswidrigen Kriegshandlungen Russlands setzen wir ein klares Zeichen der Solidarität für die Menschen in der Ukraine. Wir sind zutiefst betroffen und verurteilen den Angriff auf die Ukraine und auf Unschuldige aufs Schärfste», lässt sich Intendant Michael Haefliger zitieren. 

Vertrag mit Münchner Philharmonikern steht vor einer Entscheidung 

Der Oberbürgermeister von München hat Gergiev gar aufgefordert, sich von der Invasion zu distanzieren. Im Schreiben steht: «Gemeinsam mit den Orchestervertretern der Münchner Philharmoniker erwarte ich von Ihnen als Chefdirigent des Orchesters jetzt ein deutliches Zeichen der Distanzierung von den völkerrechtswidrigen Angriffen gegen die Ukraine, und damit ein klares Signal an die Stadtspitze, die Öffentlichkeit, die Musikerinnen und Musiker der Münchner Philharmoniker und ihr Publikum bis Montag, 28. Februar. Anderenfalls werden wir das Vertragsverhältnis als Chefdirigent beenden müssen.» Nach Angaben der Stadt München hat Gergiev bis Mitternacht in der Nacht auf Dienstag Zeit, sich zu äussern. Bis am  Montagmittag hatte er dies laut Angaben einer Sprecherin noch nicht getan.

Dies hat seine Münchner Künstleragentur am Montag bereits getan: «Vor dem Hintergrund des verbrecherischen Krieges, den das russische Regime gegen die demokratische und unabhängige Nation der Ukraine und gegen die gesamte offene Europäische Gesellschaft führt, ist es uns unmöglich und unlieb geworden, die Interessen von Maestro Gergiev zu vertreten», teilte Agenturchef Marcus Felsner mit. Auch in New York hat Gergiev bereits ein bedeutendes Mandat in der Carnegie Hall verloren. Und eine klare Position verlangt etwa auch die Mailänder Scala. Weniger klar positionierten sich bisher die Wiener Philharmoniker.

Auch die russische Starsopranistin Anna Netrebko steht Putin nahe. Sie soll laut Programm des KKL Luzern am 5. Juni in Luzern konzertieren. Eine Absage gibt es bisher nicht. KKL-Sprecherin Corinne Schneebeli sagt auf Anfrage: «Das KKL ist Veranstaltungsort und Partner des Organisators und wir sind mit ihm, wie mit allen Partnern laufend in Gesprächen.» Eine Reihe von Vorstellungen mit Netrebko am Opernhaus in Zürich ist schon ab dem 9. März geplant. «Das Opernhaus hat einen bindenden Arbeitsvertrag mit Frau Netrebko. Für uns als Arbeitgeber existiert keine rechtliche Grundlage, Mitarbeitende nach ihrer politischen, religiösen oder sexuellen Orientierung zu befragen», teilt die Oper der «NZZ» mit.

Netrebko: «Wie viele meiner Kollegen bin ich kein politischer Mensch.»

In der Zwischenzeit hat sich Netrebko auf Instagram geäussert: «Ich bin gegen diesen Krieg. Ich bin Russin und ich liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine und der Schmerz und das Leiden brechen mir das Herz. Ich möchte, dass dies ein Ende hat und die Menschen in Frieden leben können. Darauf hoffe und bete ich.»

Dann aber antwortet Netrebko auf Stimmen, welche sie wegen ihrer Nähe zu Putin kritisierten: «Es ist nicht richtig, Künstler oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu zwingen, ihre politische Meinung öffentlich zu äussern und ihr Heimatland zu verleugnen.» Dies solle eine freie Wahl sein. «Wie viele meiner Kollegen bin ich kein politischer Mensch. Ich bin kein Experte für Politik. Ich bin Künstler und mein Ziel ist es, Menschen über politische Gräben hinweg zu vereinen.»

 

Deine Meinung

96 Kommentare