Wetterextreme - «Wir müssen uns bewusst werden, dass es noch schlimmer wird»
Publiziert

Wetterextreme«Wir müssen uns bewusst werden, dass es noch schlimmer wird»

Heftige Unwetter halten die Schweiz in Atem. Solche Wetterextreme werden sich künftig häufen, sagt ETH-Klimawissenschaftlerin Sonia Seneviratne.

von
Céline Krapf
1 / 9
«Das Unwetter war aussergewöhnlich – aber nicht besonders erstaunlich»: Klimawissenschaftlerin und ETH-Professorin Sonia Seneviratne.

«Das Unwetter war aussergewöhnlich – aber nicht besonders erstaunlich»: Klimawissenschaftlerin und ETH-Professorin Sonia Seneviratne.

Privat
Das heftige Gewitter vom Dienstagmorgen knickte Bäume um und zerstörte Autos.

Das heftige Gewitter vom Dienstagmorgen knickte Bäume um und zerstörte Autos.

Tamedia/Urs Jaudas
Auch viele Gebäude wurden beschädigt. 

Auch viele Gebäude wurden beschädigt.

Tamedia/Urs Jaudas

Darum gehts

  • Der Gewittersturm vom Montagmorgen hinterlässt ein Bild der Zerstörung.

  • Ein Ende der Unwetter ist derzeit nicht in Sicht: In den nächsten Tagen gehen die Niederschläge weiter.

  • Mit solchen Szenarien müsse man in Zukunft häufiger rechnen, sagt Klimawissenschaftlerin Sonia Seneviratne im Interview. «Der Klimawandel findet jetzt statt

Die Einsatzkräfte sind rund um die Uhr im Einsatz, Flüsse überlaufen, Autos werden von Baumstämmen erdrückt. Andernorts brechen ganze Gebäude ein: «Apokalyptisch» sei letzte Nacht gewesen, schreiben einige auf Twitter, eine «entfesselte Naturkraft». Die Klimawissenschaftlerin und ETH-Professorin Sonia Seneviratne beantwortet die wichtigsten Fragen zu den derzeitigen Wetterextremen.

Wie aussergewöhnlich war die vergangene Sturmnacht?

Es sind sehr hohe Werte erreicht worden. Insbesondere gab es enorm viel Regen in kurzer Zeit. Das Unwetter war somit aussergewöhnlich – aber nicht besonders erstaunlich: Wir wissen, dass Starkniederschläge aufgrund der globalen Erwärmung zunehmen. Der Klimawandel findet jetzt statt: Niederschläge werden immer häufiger und intensiver. Dies beeinflusst auch entsprechende Gefahren, wie Hochwasser und Murgänge. Dies geht aus den Daten aus der Schweiz hervor, aber auch global.

Kritische Stimmen sagen, solche Unwetter habe man schon vor Jahrzehnten erlebt – ist das so?

Klar kam es auch in der Vergangenheit zu solchen Wetterlagen, aber die Niederschlagsmengen, die damit verbunden sind, nehmen zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass Extremniederschläge vorkommen, steigt weltweit als Folge der globalen Klimaerwärmung kontinuierlich an.

Gleichzeitig ist es in Kanada und Nordeuropa so heiss wie noch nie, im Süden herrschen Dürren. Inwiefern haben diese Wetterextreme einen Zusammenhang?

Mit der zunehmenden Erwärmung ist mehr Feuchtigkeit in der Luft enthalten. Gleichzeitig braucht es eine grössere Menge an Feuchtigkeit und damit länger bis eine Sättigung erreicht wird - deshalb wird die Regenwassermenge bei einem Unwetter grösser. Zudem gibt es dadurch Orte, die trockener werden, weil es mehr Luftfeuchte braucht bevor es regnet.

Was können wir dagegen unternehmen?

Wir müssen uns bewusst werden, dass es noch schlimmer wird. Die derzeitigen Zustände zeigen: So kann es nicht weitergehen. Die Auswirkungen sind bereits jetzt sehr schlimm und die bisherige globale Erwärmung ist irreversibel - wir müssen deshalb sofort eine Lösung finden, um die Klimaerwärmung zu stabilisieren. Und die einzige Lösung ist es, unseren CO2-Ausstoss zu reduzieren und auf null zu bringen – nur so kann man sicherstellen, dass sich solch katastrophale Niederschlagsereignisse, wie letzte Nacht, nicht zu sehr häufen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

29 Kommentare