Schwingfest 2013: «Wir müssen uns für den Erfolg nicht entschuldigen»

Aktualisiert

Schwingfest 2013«Wir müssen uns für den Erfolg nicht entschuldigen»

Schwinger-Obmann Mario John (56) sagt im Interview mit 20 Minuten, warum es mit 99-prozentiger Sicherheit am Sonntag einen König geben wird.

von
Klaus Zaugg

Könnte es sein, dass es am Sonntag keinen König gibt?

Mario John: Es gibt Horrorszenarien: Ein gestellter Schlussgang mit einem lachenden Dritten als Festsieger. Dieses Szenario hat es an einem «Eidgenössischen» aber noch nie gegeben. Wenn wir einen lachenden Dritten nach einem gestellten Schlussgang zum Schwingerkönig krönen, dann laufen die älteren unserer Ehrenmitglieder Amok. Der Zentralvorstand wird am Sonntag nach dem siebten Gang alle möglichen Szenarien durchgehen, damit sofort nach dem Schlussgang klar ist, was Sache ist – nicht wie vor zwölf Jahren in Nyon, als nach dem gestellten Schlussgang niemand wusste, wie es weitergeht. Damals war wenigstens Noldi Forrer und kein lachender Dritter Festsieger und er ist dann auch zum König erklärt worden. Wir können mit 99-prozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass es am Sonntag einen Schwingerkönig geben wird.

In der heutigen Zeit könnte es sich der Schwingerverband ja gar nicht mehr leisten, keinen König zu krönen wie 1950 nach einem gestellten Schlussgang.

Dieser Meinung bin ich auch. In der heutigen Zeit geht das nicht mehr.

Seit Sie Ihren Nordostschweizer Verbandskollegen Ernst Schläpfer als Obmann abgelöst haben, ist es im Verband ruhig geworden. Sogar Jörg Abderhalden hat seine Werbeabgaben abgerechnet und seinen Anteil einbezahlt.

Ja, wir sind mit Jörg Abderhalden zusammengesessen, er hat seine Werbeverträge offengelegt und die fünf Prozent, die er nach dem Rücktritt noch entrichten musste, einbezahlt. Jörg Abderhalden ist ein sehr intelligenter Mensch. Ihm ist klar geworden, dass es nicht gut für ihn sein kann, wenn er sich mit dem Verband im Dauer-Clinch befindet. Seine Sponsoren haben ihm auch signalisiert, dass er doch einlenken soll.

Das «Eidgenössische» hat eine unglaubliche Dimension angenommen. Ist grösser überhaupt noch möglich? Oder geht es in Zukunft wieder in die andere Richtung?

Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Denn die Burgdorfer Organisatoren nahmen mir übel und waren fast beleidigt, weil ich in einem Interview gesagt hatte, der höchste Level sei erreicht. Ich staune, wie populär Schwingen geworden ist. Und es ist doch auch komisch, dass man sich permanent dafür rechtfertigen und entschuldigen muss, wenn ein Produkt so gut und gross geworden ist wie jetzt das «Eidgenössische». Wir müssen uns für den Erfolg nicht entschuldigen. Es ist letztlich den Leuten selber überlassen, ob sie nach Burgdorf kommen wollen oder nicht. Wir haben bei der Hochschule Luzern eine Studie in Auftrag gegeben, die viel Geld kostet und die mit allen Beteiligten zusammen herausfinden soll, ob ein Fest in diesem grossen Rahmen überhaupt noch sinnvoll ist oder nicht.

Gibt es Gedankenspiele, die Arena nicht mehr auf der grünen Wiese aufzubauen und das Fest wieder, wie zuletzt 1998 im Wankdorf, in einem bestehenden Stadion durchzuführen?

Es ist denkbar, dass der Nordwestschweizer Verband das Eidgenössische 2022 im St. Jakob-Park durchführen wird.

Das Schweizer Fernsehen bezahlt für die Übertragungsrechte aller Schwingfeste im Jahr bloss 90'000 Franken. Wollen Sie vom Schweizer Fernsehen beim nächsten Vertrag mehr Geld?

Das ist eine heikle Frage. Das Fernsehen macht für uns mit seinen Übertragungen unbezahlbare Werbung. Eine Woche nach Frauenfeld beispielsweise, am Eidgenössischen Schwing-Schnuppertag, meldeten sich in den Schwingklubs 1800 neue Jungschwinger. Natürlich sind nicht alle beim Schwingen geblieben. Seither verfügen wir aber über rund 30 Prozent mehr Jungschwinger, als wir ursprünglich angestrebt hatten.

Sponsoren hat nur der jeweilige Organisator des Eidgenössischen, nicht aber der Schwingerverband. Wird sich das ändern?

Wir haben tatsächlich Offerten für das Sponsoring des Verbandes. Bis auf ein Engagement der Migros für die Jungschwinger haben wir als Verband jedoch keine Sponsoren. Ich denke, dass das so bleiben wird. Weil wir so unsere Unabhängigkeit wahren. Wir erzielen genug Einnahmen mit den 16 Prozent, die wir von den Einnahmen der Zuschauer des Eidgenössischen bekommen.

Eine Besonderheit des Schwingerverbandes ist es, dass die Ehrenmitglieder bei der Abgeordnetenversammlung das Stimmrecht haben und sozusagen als Sittenwächter viele Neuerungen blockieren. Gibt es Gedankenspiele, den Ehrenmitgliedern das Stimmrecht zu entziehen um den Verband dynamischer managen zu können?

Auf gar keinen Fall. Es ist gut fürs Schwingen, wenn die mahnenden Stimmen der Älteren zur Vernunft und zum Nachdenken mahnen. Dass wir im Schwingen diese Mischung zwischen den Jungen und den Alten haben ist eine unserer grossen Stärken.

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