Projekt «Helvetics»: «Wir nehmen dieses Projekt ernst»
Aktualisiert

Projekt «Helvetics»«Wir nehmen dieses Projekt ernst»

Die Schweizer Eishockey-Generäle sind durch das Projekt eines Schweizer Teams in der KHL überrascht worden. Leistungsport-Direktor Ueli Schwarz sagt: «Wir nehmen dieses Projekt ernst.»

von
Klaus Zaugg
Das Logo des möglichen Schweizer KHL-Teams. (Bild: www.helveticshockey.ch)

Das Logo des möglichen Schweizer KHL-Teams. (Bild: www.helveticshockey.ch)

Ueli Schwarz ist als «Direktor Leistungssport» der höchste bezahlte Hockeyfunktionär im Land. Er führt sowohl die Abteilung Nationalmannschaften, Schiedsrichter und die Liga. Da das Projekt «Helvetics» nicht von einem bereits bestehenden Hockeyklub vorangetrieben wird und die Verhandlungen direkt mit der KHL gelaufen sind, ist Schwarz von dieser Sache überrascht worden. «Ich habe zwar Gerüchte gehört. Aber solche Gerüchte gibt es immer wieder und das konkrete Projekt haben wir bisher nicht gekannt.»

Schwarz äussert gegenüber 20 Minuten Online grundsätzliche Bedenken. «Es solches Projekt tangiert im Grunde drei Märke: Den Spielermarkt, den Zuschauermarkt und den Werbemarkt. Unsere Nationalliga-Unternehmen haben jetzt schon teilweise Mühe, sich finanzieren zu können. Kommt nun ein KHL-Unternehmen in unseren begrenzten Markt, dann ist die Stabilität in allen Bereichen gefährdet. Zudem ist eine ganz wichtige Frage: Wie nachhaltig ist ein solches Projekt? Sind es einfach Investoren, die mal ein paar Millionen aufwerfen und dann, wenn sie die Lust verlieren, einfach einen Trümmerhaufen hinterlassen? Bei uns können sich Klubs aus schwierigen wirtschaftlichen Situationen befreien, weil sie stark verwurzelt sind. Das ist bei einem Klub nicht gegeben, der sozusagen auf der grünen Wiese entsteht.»

IIHF sieht die Sache kritisch

Schwarz geht davon aus, dass die Klubs gegen dieses Projekt sind. «Wir nehmen dieses Projekt ernst. Damit wir ganz genau wissen, was hier auf uns zukommt müssen wir uns aber im Detail mit der Sache vertraut machen. Erst dann können wir entscheiden, wie wir vorgehen wollen. So oder so braucht es in dieser Sache die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Eishockeyverband.»

Die «Helvetics» können nicht ohne den Segen des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) in die KHL eintreten und Spieler transferieren. Dr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes hat gegenüber 20 Minuten Online bereits erklärt, dass seine IIHF diesem Projekt kritisch gegenübersteht.

Theoretisch kann die IIHF jeden Transfer zu den «Helvetics» verweigern. Dann aber rockt und rollt es: Die IIHF hat ihren Sitz in Zürich und die Verweigerung eines Transfers ist faktisch ein Verstoss gegen die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Die Juristen freuen sich.

«Schau'n mer mal!»

Kein anderes Schweizer Hockeyunternehmen hat sich in den letzten Jahren so intensiv mit den Möglichkeiten einer internationalen Liga auseinandergesetzt wie der SC Bern. SCB-General Marc Lüthi ist durch das Projekt «Helvetics» völlig überrascht worden. So sehr, dass er die Problematik der ganzen Sache sehr wohl sieht, jedoch offiziell noch nicht Stellung nehmen will und darum bittet: «Zitieren Sie mich einfach in dieser Sache nur so: ‹Schau'n mer mal!›»

Mit diesem Spruch ist schon Fussball-Kaiser Frank Beckenbauer gut gefahren und hat so alle heiklen Situationen gemeistert.

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