Vladimir Petkovic: «Wir nehmen keine Pampers mit»
Aktualisiert

Vladimir Petkovic«Wir nehmen keine Pampers mit»

Der Startschuss ist gefallen. Vladimir Petkovic hat eine klare Vorstellung seiner WM-Fahrer: Die Schweiz braucht Männer, keine Memmen.

von
E. Tedesco
Feusisberg
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Die ersten Nationalspieler treffen am Dienstag in Feusisberg ein. Granit Xhaka von Arsenal London gehört zu den Ersten. Der Porsche-Schlüssel in seiner Hand verrät, dass er nicht mit Team-Car gekommen ist.

Die ersten Nationalspieler treffen am Dienstag in Feusisberg ein. Granit Xhaka von Arsenal London gehört zu den Ersten. Der Porsche-Schlüssel in seiner Hand verrät, dass er nicht mit Team-Car gekommen ist.

Keystone/Walter Bieri
Auch Bundesliga-Legionär Steven Zuber ist ab dem ersten Tag der WM-Vorbereitung dabei. Mit Hoffenheim hat er sich diese Saison für die Champions League qualifiziert.

Auch Bundesliga-Legionär Steven Zuber ist ab dem ersten Tag der WM-Vorbereitung dabei. Mit Hoffenheim hat er sich diese Saison für die Champions League qualifiziert.

Keystone/Walter Bieri
Mit Josip Drmic kommt ein weiterer Nationalspieler aus der Bundesliga nach Feusisberg. An den letzten beiden Spieltagen konnte er sich mit je einem Tor für Mönchengladbach für einen Kaderplatz in Russland empfehlen.

Mit Josip Drmic kommt ein weiterer Nationalspieler aus der Bundesliga nach Feusisberg. An den letzten beiden Spieltagen konnte er sich mit je einem Tor für Mönchengladbach für einen Kaderplatz in Russland empfehlen.

Keystone/Walter Bieri

Am Dienstagmittag nahmen die ersten Nationalspieler die WM-Vorbereitung in Angriff. Jene Spieler, deren Ligen seit einer Woche ruhen, besammelten sich zu einem dreitägigen Mini-Camp. In Feusisberg wird die Zeit überbrückt, bis alle WM-Kandidaten zur Verfügung stehen.

15 Spieler rückten ein, darunter vornehmlich die Söldner aus England und Deutschland. Admir Mehmedi stiess als Letzter am späten Nachmittag dazu. Der Angreifer weist nach seiner Fuss-OP noch einen Trainingsrückstand auf und wird erst im Kreis der Nationalmannschaft ins Mannschaftstraining einsteigen.

Sukzessive Reduktion auf 23 WM-Fahrer

Am Freitag gibt der Coach bekannt, welche 27 oder 28 Akteure er in der nächsten Woche ins zweiwöchige Trainingslager nach Lugano mitnimmt. Aus dieser Gruppe muss Petkovic dann am 4. Juni sein 23-Mann-Kader bestimmen, das nach Russland reisen wird. Namen nannte der Selektionär noch keine, aber der Tessiner hat eine klare Vorstellung davon, welche Spieler er dabei haben will.

Nati kommt zur WM-Vorereitung zusammen

Video: Tamedia/SDA

«Wir sind sehr entspannt»: Keine Spur von WM-Nervosität bei Yann Sommer. (Video: Tamedia/SDA)

«Es sind Spieler, die füreinander leben und einander unterstützen. Jeder muss den absoluten Willen mitbringen, sich verbessern und etwas erreichen zu wollen, und den Konkurrenzkampf annehmen. Wir nehmen keine Pampers mit.» Will heissen: Petkovic will Männer, keine Memmen. Er will Spieler, die Verantwortung übernehmen, positiv denken und nicht klagen.

Aber auch wenn der Trainer keine Namen nennen will, wird es unter den Spielern, die in Russland ab dem 17. Juni für die Schweiz kämpfen werden, keine grossen Überraschungen geben. Das Kader wird gegenüber jenen 23, die 2016 an der EM in Frankreich im Achtelfinal gescheitert waren, nicht wesentlich anders aussehen. «Bis auf ein oder zwei Positionen», so Petkovic, «habe ich mein Kader im Kopf».

Erwartungen sind grösser geworden

Die Zeit seit dem letzten Länderspiel im März gegen Panama hat Petkovic vor allem mit der Planung und der Beobachtung seiner Nationalspieler verbracht. In Kontakt stand er mit ihnen jeweils nur kurz via SMS oder wenn er spezifische Fragen hatte. «Die Zeit im April und Mai ist die wichtigste Phase der Saison für die Clubs. Da muss man nicht zusätzlich Benzin ins Feuer giessen.» Er habe die Nationalspieler weitgehend in Ruhe gelassen.

Mit dieser Ruhe ist es ab sofort vorbei. Nach dem Mini-Camp in Feusisberg gilt es, sämtliche Spieler auf ein «hohes Niveau» zu bringen, um in Russland erfolgreich zu sein. Denn Team und Trainer sind sich bewusst, dass die Erwartungshaltung gross ist.

«Natürlich spüre ich die Anerkennung, aber auch die gesteigerte Erwartungshaltung», so der Tessiner, «wir müssen realistisch bleiben und deshalb machen wir es wie bisher: Wir fokussieren uns auf heute und morgen.» Bisher sei man mit dieser Taktik, nicht zu weit vorauszublicken, gut gefahren.

An Selbstbewusstsein zugelegt

Die Mannschaft habe in den vier Jahren, seit er das Zepter übernommen hat, an Selbstbewusstsein zugelegt. In der Mannschaft spüre er viel positive Energie und Hunger. Sie hat gelernt, Ruhe zu bewahren, und kann agieren wie auch reagieren, sich auf verschiedene Situationen einstellen. Dabei sei das Team aber immer auf dem Boden geblieben.

Wo aber muss sie sich verbessern, um in ihrer Entwicklung einen weiteren Schritt vorwärts zu machen? Petkovic: «In allen Belangen. Wir müssen alle zulegen und uns weiterentwickeln – ich auch.»

Der WM-Fahrplan

27. Mai bis 8 Juni: WM-Vorbereitung in Lugano. Im Mittelpunkt der 1. Phase stehen Konditionstrainer Oliver Riedwyl und Leistungsdiagnostiker Markus Tschopp. Sie müssen die Spieler auf das gleiche Leistungsniveau bringen. In einer 2. Phase wird mit technisch-taktischen Einheiten ergänzt.

3. Juni: Testspiel in Spanien (in Villareal).

4. Juni: Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders.

8. Juni: Testspiel gegen Japan (in Lugano)

11. Juni: Abreise nach Russland.

Das weitere Programm bis zur WM:

27. Mai bis 8 Juni: Vorbereitungscamp in Lugano

3. Juni: Testspiel gegen Spanien in Villarreal

4. Juni: Bekanntgabe des endgültigen 23-Mann-Kaders

8. Juni: Testspiel gegen Japan in Lugano

11. Juni: Abreise ins russische WM-Quartier nach Togliatti

17. Juni: Erstes Gruppenspiel gegen Brasilien in Rostow (ete)

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