Unbewilligte Frauendemo angekündigt – «Wir nehmen uns die Strasse – unbequem, wütend und kämpferisch»

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Unbewilligte Frauendemo angekündigt «Wir nehmen uns die Strasse – unbequem, wütend und kämpferisch»

Das Bündnis «8. März Unite» plant eine unbewilligte Frauendemo in Zürich. Die Polizei hat Kenntnis davon und bereitet sich entsprechend vor.  

von
Lynn Sachs
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Am Samstag wollen Demonstrierende zum internationalen Frauentag in Zürich auf die Strasse. Bewilligt ist die Veranstaltung nicht.

Am Samstag wollen Demonstrierende zum internationalen Frauentag in Zürich auf die Strasse. Bewilligt ist die Veranstaltung nicht.

20min/Michelle Muff
Camille Lothe von der jungen SVP Zürich hat kein Verständnis dafür, dass die Veranstalterinnen keine Bewilligung für die Demonstration beantragen wollen.

Camille Lothe von der jungen SVP Zürich hat kein Verständnis dafür, dass die Veranstalterinnen keine Bewilligung für die Demonstration beantragen wollen.

20min/Michael Scherrer
Wanda Siegfried, Co-Präsidentin der städtischen Juso, findet hingegen, dass bewilligungspflichtige Demonstrationen abgeschafft werden sollen.  

Wanda Siegfried, Co-Präsidentin der städtischen Juso, findet hingegen, dass bewilligungspflichtige Demonstrationen abgeschafft werden sollen.  

Gian Lusti

Darum gehts

Am Dienstag ist internationaler Frauentag. Im Vorfeld wird zur unbewilligten Demo am Samstag aufgerufen. Auf Instagram schreibt das Bündnis «8. März United»: «Wir wollen unsere Wut über Ausbeutung, Dis­kriminierung und Unterdrückung bündeln und ­gemeinsam für eine emanzipatorische Gesellschaft einstehen. Wir nehmen uns die Strasse – unbequem, wütend und kämpferisch.» Dass keine Bewilligung eingeholt wurde, sei dabei ein bewusster Entscheid. Dazu heisst es: «Die Forderung nach einer Bewilligung ist ein repressives Instrument des Staates.» Dem wolle man sich nicht beugen.

Bei der Stadtpolizei Zürich hat man Kenntnis von der Demo und bereitet sich entsprechend vor. «Wir machen ein laufendes Lagemonitoring», sagt Sprecher Marc Surber. Zum ­geplanten Polizeieinsatz und Polzeiaufgebot macht die Polizei keine Angaben. Letztes Jahr kam es in Zürich zu unbewilligten Frauendemos. Dabei gerieten Demonstrierende und die Polizei aneinander.

«Durch illegale Demos entstehen Kosten, die der Steuerzahler trägt»

Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP des Kantons Zürich, findet Frauendemos wichtig. Kein Verständnis hat sie für unbewilligte Demos: «Es ist lächerlich, dass die Feministinnen wegen einer einfachen Bewilligung ‹täubeln›.» Es bringe nichts, wenn vorsätzlich Gesetze gebrochen werden: «Durch illegale Demos entstehen Kosten, die der Steuerzahler trägt.» Der öffentliche Boden gehöre zudem allen: «Das Recht der Demonstrierenden steht nicht bedingungslos über den Bedürfnissen der Bevölkerung.»

Wanda Siegfried, Co-Präsidentin bei der städtischen Juso, sieht das anders: «Der Sinn der Demo ist, unsere Rechte einzufordern. Diese Forderung soll frei verbreitet werden können, auch auf der Strasse.» Sie fügt an: «Es ist ein Kampf gegen ein System, das uns ausbeutet. Und ein Kampf gegen das System kann nicht nach dessen Regeln spielen.»

2021 ist es bei der Demonstration zum 8. März in Zürich zu Ausschreitungen gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie eine Demonstrantin zu Boden geht.

20min/News-Scout

«Ablenkungsschläge» gegen Kopf von Demonstrantin

Letztes Jahr kam es bei den unbewilligten Frauendemos zu  heftigen Ausschreitungen. Die Polizei ging gegen die Protestierenden vor und setzte Reizstoffe ein. Auch Wasserwerfer standen für den Einsatz bereit. In einem Video war zu sehen, wie ein Polizist offenbar mit der Faust auf eine Demonstrantin schlug, die am Boden lag.

Gemäss einer Antwort des Zürcher Stadtrats auf eine dringliche Anfrage bezüglich des Polizeieinsatzes sagte dieser, dass während der Festnahme die am Boden liegende Frau den Polizisten in drei Finger gebissen hatte. «Dieser wendete in der Folge nach eigener Aussage zwei Ablenkungsschläge gegen den Kopf der Frau an», heisst es im Protokoll.

Für den beteiligten Polizisten der Stadtpolizei Zürich hatte der Vorfall ein rechtliches Nachspiel. Es wurde ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Auch gegen die Demonstrantin läuft ein Verfahren wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Laut der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft sind die beiden Verfahren derzeit formell noch nicht abgeschlossen. 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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