«Wir nutzen erst 30 Prozent der Möglichkeiten»
Aktualisiert

«Wir nutzen erst 30 Prozent der Möglichkeiten»

BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld ist vor dem GP von Malaysia am Sonntag in Sepang bei Kuala Lumpur überzeugt, dass sein Team schon bald auf Augenhöhe mit McLaren-Mercedes und Ferrari sein wird.

von
Peter Haab

Nick Heidfeld ist der letzte, der im BMW-Sauber-Team Gefahr läuft, nach dem zweiten Platz beim Saisonauftakt in Melbourne die Bodenhaftung zu verlieren. «Rückblickend gesehen hatten wir bei zwei, drei Dingen, die wir nicht direkt beeinflussen konnten, auch etwas Glück. Doch so ist nun mal der Motorsport. Nach dem nächsten Grand Prix können wir bereits wieder zu jenen gehören, die sich nach dem Rennen ärgern.»

Der 30-jährige Deutsche spricht die drei Safety-Car-Phasen an, die für ihn beim ersten Grand Prix der neuen Saison am letzten Sonntag in Melbourne jedesmal zu einem günstigen Zeitpunkt kamen. Heidfeld gab sich nach dem überraschenden zweiten Platz in Australien und der danach um sich greifenden Euphorie grosse Mühe, den Ball flach zu halten. «Der GP von Malaysia am Sonntag in Sepang wird zu einer ganz anderen Geschichte. Die Strecke lässt sich überhaupt nicht mit der Piste in Melbourne vergleichen. Zudem vermute ich, dass wir immer noch ein paar Zehntel von McLaren-Mercedes und Ferrari weg sind.»

Auch Willy Rampf, der Technische Direktor von BMW-Sauber, bleibt vorsichtig: «Das Rennen in Australien hat einen ersten Anhaltspunkt geliefert, wo die einzelnen Teams stehen. Mehr aber noch nicht. Denn die Strecke im Albert Park ist aufgrund ihrer speziellen Charakteristik nicht sehr repräsentativ. Deshalb denke ich, dass wir erst am Sonntagabend in Sepang ein verlässliches Bild über die wahren Kräfteverhältnisse haben werden.»

Nick Heidfeld bleibt trotz einer gesunden Portion Skepsis weiterhin optimistisch. Nach Platz zwei in Melbourne weiss er, dass der Rückstand auf die beiden Besten der Branche nicht so gross wie vermutet und deshalb aufzuholen ist. «Mit dem neuen Auto nutzen wir bis jetzt erst 30 Prozent unserer Möglichkeiten. Aber wir lernen mit jedem Trainingstag etwas dazu und machen als Team grosse Fortschritte.»

«Heim-Grand Prix» in Malaysia

Wegen Hauptsponsor Petronas, dessen Hauptquartier in Kuala Lumpur steht, wird der GP von Malaysia für Nick Heidfeld und Robert Kubica quasi zu einem «Heim-Grand-Prix» und so auch neben der Rennstrecke zur anstrengenden Angelegenheit. Der erste PR-Termin stand bereits am Dienstagnachmittag auf den 452 Meter hohen Twin Towers auf dem Programm. «Der Grosse Preis von Malaysia ist für mich schon seit Jahren ein besonderes Rennen. Petronas war ja schon Partner des Privatteams von Peter Sauber, als ich dort von 2001 bis 2003 fuhr. Wir haben bereits damals Promotion-Tours durch das ganze Land gemacht», erzählt Heidfeld. «Häufig bekommt man als Formel-1-Fahrer ja kaum mehr als die Flughäfen, die Hotels und die Rennstrecken zu sehen. Ganz einfach deshalb, weil neben unserem Job keine Zeit für Land und Leute ist. Aber in Malaysia konnte ich schon eine Menge entdecken und fühle ich mich immer sehr wohl.»

Gute Erinnerungen an Sepang

Mit dem Wohlfühlen hat Heidfeld nicht unbedingt die Zeit im Cockpit gemeint. Denn wegen der Kombination aus Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit müssen die Fahrer an ihrem Arbeitsplatz Temperaturen von über 60 Grad (!) aushalten. Und das während zirka eineinhalb Stunden. Dafür erinnert sich der in Stäfa am Zürichsee wohnhafte BMW-Sauber-Pilot immer gern an die Charakteristik der Piste: «Die Strecke ist schön und ziemlich anspruchsvoll. Im vergangenen Jahr hatte ich in Sepang ein super Rennen und bin am Schluss Vierter geworden. Ich konnte damals Felipe Massa im Ferrari überholen und ihn bis ins Ziel hinter mir halten.»

Auch BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen reist gerne nach Malaysia: «Dieser Grand Prix ist für uns eine Art Heimrennen. Wir erleben seit 2006, welche Strahlkraft unser Partner Petronas in diesem Land hat. Der euphorische Empfang unseres Teams ist immer wieder eine grossartige Erfahrung. Und die verschiedenen Veranstaltungen am Fusse der Petronas Twin Towers hatten schon immer Magnetwirkung.» Im Rahmen ihrer Asien-Strategie hat die BMW Group ihr Engagement in den vergangenen Jahren in Malaysia intensiviert. Der Personenwagen-Absatz soll kontinuierlich gesteigert werden, darum ist der Einsatz im Grossraum Kuala Lumpur für BMW und Petronas auch extrem wichtig.

Petronas: «Der wichtigste Partner»

Auch Peter Sauber, immer noch 20-Prozent-Teilhaber des Formel-1-Teams, ist am letzten Sonntag von Zürich aus nach Malaysia geflogen. Der frühere Teamchef hat 1994 den Petronas-Vorstand in langen Gesprächen für ein Formel-1-Engagement gewinnen können. Petronas ist ein staatliches Unternehmen und besitzt und kontrolliert sämtliche Erdöl-Ressourcen in Malaysia. Die multinationale Gas- und Erdölgesellschaft zählt zu den 500 grössten Unternehmen weltweit und hat heute Firmensitze in mehr als 30 Ländern.

«Rückblickend gesehen war Petronas in meinen 13 Formel-1-Jahren der wichtigste Partner», sagt Peter Sauber. «Ich fühle mich dem Petronas-Vorstand immer noch sehr verpflichtet. Deshalb reise ich immer gerne nach Kuala Lumpur.» Durch den Petronas-Deal wurde Peter Sauber in Malaysia zu einer wichtigen öffentlichen Person. Er lernte die verschiedensten Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft kennen. Und zusammen mit seiner Frau Christiane war der frühere Teambesitzer schon mehrmals Gast bei der malaysischen Königsfamilie.

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