Einkaufstourismus - «Wir rechnen mit einem Schweizer Ansturm auf unsere Päckli-Station»
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Einkaufstourismus«Wir rechnen mit einem Schweizer Ansturm auf unsere Päckli-Station»

Die Geschäfte in Süddeutschland jubeln: Ab sofort können wieder alle Schweizerinnen und Schweizer ennet der Grenze shoppen. Auch deutsche Lieferadressen rüsten sich für die Kunden-Massen aus der Schweiz.

von
Dominic Benz
Pascal Michel

In Baden-Württemberg freut man sich auf die künftigen Shopping-Touren der Schweizer.

20 Minuten

Darum gehts

  • In Baden-Württemberg können Schweizerinnen und Schweizer 24 Stunden lang wieder quarantäne- und testfrei einkaufen.

  • Auf die Kunden-Massen aus der Schweiz freuen sich die Shopping-Center und Päckli-Stationen.

  • Kritik am Einkaufstourismus übt Christa Markwalder, Nationalrätin und Präsidentin der Swiss Retail Federation.

Günstige Gesichtscrème, Windeln oder Haargel in Deutschland einkaufen – das ist ab sofort für Schweizer Einkaufstouristen wieder möglich. Die deutsche Bundesregierung hat die Einreiseverordnung angepasst. Wer sich für nur 24 Stunden in Baden-Württemberg aufhält, kann ohne Quarantäne und Corona-Tests shoppen oder seine Pakete abholen. 20 Minuten berichtet am Freitag im Live-Ticker aus Deutschland.

Die neuen Einreiseregeln sind für die Geschäfte ennet der Grenze ein Befreiungsschlag. «Das freut uns sehr», sagt Anna Wehking, Sprecherin des Lago Shopping-Centers in Konstanz, auf Anfrage. Es sei schön, dass die Schweizer Besucherinnen und Besucher wieder ungehindert einreisen könnten. «Es kehrt wieder Leben ein in Konstanz und im Lago.»

«Wir sind sehr glücklich darüber»

Das Center rechnet ab Freitag mit steigenden Besucherzahlen. Man sei sicher, dass man mit diesen gut zurechtkommen werde. «Es greifen bei uns ja immer noch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Regelungen», so Wehking (siehe Box).

Sie hofft nun wieder auf bessere Zeiten. Zwar könne man die Einbussen durch fehlenden Umsatz im Herbst, Winter und Frühling nicht wettmachen. Doch nun stünde Pfingsten vor der Tür, Hotels und Pensionen sowie die Gastronomie dürfen endlich wieder öffnen. «Es scheint, als kehre jetzt doch schnell wieder so etwas wie Normalität ein. Wir sind sehr glücklich darüber.»

11’329 Päckli für 20’435 Schweizer

Voller Freude über die neuen Einreiseregeln sind auch die Päckli-Stationen. «Es war eine überwältigende Nachricht», sagt Simon Kühn, Inhaber von MyPaketshop in Bad Säckingen. Weil die Grenze nun über sechs Monate für Schweizerinnen und Schweizer faktisch geschlossen gewesen sei, habe er in dieser Zeit um bis zu 90 Prozent weniger Umsatz gemacht.

Die Päckli haben sich bei der deutschen Lieferadresse über die Monate aufgetürmt. «Aktuell verwahren wir 11’329 Pakete für unsere 20’435 Kundinnen und Kunden aus der Schweiz. Am Freitag rechnen wir ab 9 Uhr mit einem entsprechenden Ansturm auf unsere Filiale in Bad Säckingen», sagt Kühn.

Auf Ansturm vorbereitet

Er rechnet mit einem ähnlichen Szenario wie nach der Grenzöffnung im vergangenen Jahr. «Damals gingen innerhalb der ersten Stunde über 1000 Pakete raus. Die Warteschlange war teils bis zu 40 Meter lang.» Seine Branche zeige wie kaum eine andere, wie stark die Grenzregion mit der Schweiz verknüpft sei.

Kühn hat sich auf den Ansturm vorbereitet. Er habe alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reaktiviert und aus der Kurzarbeit geholt. «Ab Freitag arbeiten wir wieder normal.» Damit beim Kundenansturm alles in geregelten Bahnen abläuft, hat Kühn einen Sicherheitsmitarbeiter engagiert. Dieser sorgt zudem dafür, dass die Hygienemassnahmen eingehalten werden.

Kritik am Einkaufstourismus

Keine Freude am wieder aufkommenden Shopping-Fieber in Deutschland hat Christa Markwalder, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der Swiss Retail Federation. «Vom Einkaufstourismus ins Ausland halte ich als Vertreterin des Schweizer Detailhandels logischerweise nichts, zumal es nicht nur Leute mit kleinen Einkommen sind, die ennet der Grenze einkaufen.»

Gerade in der jetzigen Krise brauchen das lokale Gewerbe und die Schweizer Arbeitgeber im Detailhandel Kundschaft. «Jede und jeder kann dazu seinen eigenen Beitrag leisten», so Markwalder. Wichtig sei, dass man jetzt die Rahmenbedingungen für die Schweizer Geschäfte verbessere.

Zwar habe der Bundesrat die Quadratmeter-Beschränkung für Non-Food-Läden angepasst. Doch diese Zutrittsbeschränkungen brauche es nicht, da Läden dank funktionierenden Schutzkonzepten keine Ansteckungsorte sind. «Den Detailhandel muss man nun von allem unnötigen regulatorischen Ballast befreien.»

Regeln

So kann man in Deutschland shoppen

Beim Shoppen in Süddeutschland muss man neben der 24-Stunden-Regel noch Sicherheitsvorkehrungen und andere Regelungen beachten. So dürfen Einzelhändler nur Kundinnen und Kunden bedienen, die vorher einen Termin zum Shoppen vereinbart haben, wie Anna Wehking vom Lago Shopping-Center in Konstanz gegenüber 20 Minuten erklärt. «Das geht bei der aktuellen Inzidenz erfreulicherweise ohne vorherigen Schnelltest.» Der Zutritt in die Geschäfte ist zudem beschränkt. Bei Lebensmitteln und Drogerie sind die Regeln nicht ganz so streng. Es gelten zwar auch hier gewisse Zugangsbeschränkungen. «Der Einkauf ist ansonsten ohne vorherige Anmeldung möglich», so Wehking.

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