Verbreitung dank Regensommer - «Wir rechnen mit mehr Tigermücken»

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Verbreitung dank Regensommer«Wir rechnen mit mehr Tigermücken»

Die Asiatische Tigermücke ist in der Schweiz auf dem Vormarsch. In Basel-Stadt wurden bereits Exemplare gemeldet. Andere Kantone bitten um Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung. Dank des verregneten Sommers könnte sich die Mücke weiter vermehren und verbreiten.

von
Seline Bietenhard
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Die Asiatische Tigermücke ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.

Die Asiatische Tigermücke ist in der Schweiz auf dem Vormarsch.

James Gathany
In mehreren Kantonen wurden bereits Exemplare gemeldet und dank des verregneten Sommers könnte sich die Mücke weiter vermehren und verbreiten.

In mehreren Kantonen wurden bereits Exemplare gemeldet und dank des verregneten Sommers könnte sich die Mücke weiter vermehren und verbreiten.

Swiss TPH
Da die Tigermücke ihre Eier gerne in stehenden Wasseransammlungen legt, wird empfohlen, den eigenen Garten oder Balkon regelmässig zu überprüfen und das Wasser zu ersetzen.

Da die Tigermücke ihre Eier gerne in stehenden Wasseransammlungen legt, wird empfohlen, den eigenen Garten oder Balkon regelmässig zu überprüfen und das Wasser zu ersetzen.

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Darum gehts

  • Seit Wochen regnet es in der Schweiz, aber es ist zusätzlich auch warm und schwül.

  • Dies sind ideale Bedingungen für die Vermehrung der Asiatischen Tigermücke.

  • Da die Tigermücke ihre Eier gerne in stehenden Wasseransammlungen legt, wird empfohlen, den eigenen Garten oder Balkon regelmässig zu überprüfen und das Wasser zu ersetzen.

Seit Wochen regnet es in der Schweiz, aber es ist zusätzlich auch warm und schwül. Die Giesskannen und Regentonnen in den Gärten sind gut gefüllt, was für die Asiatische Tigermücke ideale Bedingungen sind, um sich zu vermehren.

Die Tigermücke, ursprünglich in Südostasien zuhause, wurde in der Schweiz 2003 zum ersten Mal im Kanton Tessin nachgewiesen. Die erste stabile und sich lokal vermehrende Population wurde 2007 im Raum Chiasso entdeckt. Seither hat sich die aggressive Stechmücke innerhalb des Kantons weit verbreitet.

Auch in der Deutschschweiz verbreitet

Die Mücken wurden in Basel erstmals 2015 nachgewiesen und haben sich seither dort angesiedelt, da Basel als wichtiger Verkehrsknotenpunkt gilt und sich das warme Klima gut zum Überleben eignet. Auch im Baselbiet wurden 2020 die ersten Tigermücken gemeldet. Bereits im Mai warnte der Kanton Basel-Stadt vor der Ausbreitung der potenziell gefährlichen Mücke. Besonders in Schrebergärten legen die Tiere gerne ihre Eier. «Es ist ein Problem, dass die Leute bei den Freizeitgärten nicht immer vor Ort sind. So können Brutstätten schnell übersehen werden», so Biosicherheitsinspektorin Ann-Christin Honnen vom Kantonalen Laboratorium. «Das eigenwillige Wetter dieses Jahr hat auch die Tigermücken beeinflusst», so Honnen. Bisher hätten sie keine aussergewöhnlich hohen Fundzahlen zu vermelden. «Allerdings beginnt jetzt erst die Hauptsaison und mit den warmen Temperaturen der kommenden Tage rechnen wir damit, dass die Fundzahlen ansteigen könnten»

In der Stadt Zürich seien laut Gabi Müller, Leiterin Schädlingsprävention Stadt Zürich, die ersten Tigermücken nur dank expliziter Suche nachgewiesen worden. «Wir haben beim Car-Parkplatz neben dem Hauptbahnhof 2015 erste Fallen aufgestellt», so Müller zu 20 Minuten. Die ersten Eier von Tigermücken seien ein Jahr später im September 2016 gefunden worden. 2018 wurden in Wollishofen überraschend sechs Tigermücken von einem dortigen Quartiersbewohner gemeldet. «Nachdem die Anwohner und Anwohnerinnen sensibilisiert und die Mückenlarven in den Dolen bekämpft wurden, konnten die Tigermücken im Quartier getilgt werden», so Müller.

Auch in den Kantonen Luzern und Bern wurden bereits Tigermücken nachgewiesen. Im Berner Obstbergquartier wurden etwa im September 2020 an mehreren Stellen die Moskitos samt Larven nachgewiesen.

So haben die Mücken keine Chance im Garten

Die Tigermücke legt ihre Eier gerne in stehenden Wasseransammlungen, wie in Giesskannen, Regentonnen, Blumenvasen oder Tiertränken. Auch in verstopften Abflüssen oder Regenrinnen können sich Brutstätten bilden. Das Basler Tropen- und Public-Health-Institut Swiss TPH empfiehlt, den eigenen Garten oder Balkon regelmässig zu überprüfen und Wasseransammlungen zu vermeiden. So soll stehendes Wasser mindestens einmal die Woche ersetzt werden.

Unbenutzte Behälter sollten umgedreht oder unter einem Dach gelagert werden, damit sich kein Regenwasser sammeln kann. Regentonnen können mit einem Netz verschlossen und Kinderplanschbecken sollten wöchentlich geleert werden, empfiehlt Swiss TPH.

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Potenzieller Krankheitsüberträger

Die Weibchen der Tigermücke können verschiedene Viren übertragen. Die bekanntesten Krankheiten sind das Dengue- und das Chikungunyafieber, sowie das Zikavirus. Damit sich diese Krankheiten verbreiten können, muss eine infizierte Person von einer Tigermücke gestochen werden, die dann eine andere Person sticht und so die Erreger verbreitet.

In der Schweiz seien laut Tobias Suter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Basler Tropen- und Public-Health-Institut Swiss TPH solche Krankheitsübertragungen eher unwahrscheinlich, allerdings könnten sie nicht völlig ausgeschlossen werden. «Dies wäre bei uns nur in den Sommermonaten möglich und wenn Tigermücken in einer grossen Dichte vorkommen», so Suter.

Die Behörden hätten verschiedene Massnahmen getroffen, um die weitere Verbreitung der Tigermücke zu bekämpfen. «Dazu gehören präventive Massnahmen wie die Sensibilisierung der Bevölkerung, aber auch gezielte Bekämpfungsmassnahmen, bei denen potentielle Brutstätten mit einem biologischen Insektizid behandelt werden», sagt Suter.

So erkennst du die Asiatische Tigermücke

Die Tigermücke ist kleiner als ein Fünf-Rappen-Stück.

Die Tigermücke ist kleiner als ein Fünf-Rappen-Stück.

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Im Vergleich zu einheimischen Mückenarten ist die Tigermücke recht klein. Sie wird nur zwischen 0.5 – 1 cm gross. Man erkennt sie durch ihre schwarz-weiss gestreifte Färbung an den Beinen und dem Hinterteil. Von den Augen bis zum Rücken verläuft eine weisse Linie.

Wird eine Mücke aufgefunden und besteht ein Verdacht darauf, dass es sich um eine Tigermücke handelt, sollten folgende Schritte unternommen werden:

  • Mücke einfangen, ohne sie zu zerquetschen, z.B. mit einem übergestülpten Glas und einem Papier

  • Die Mücke über Nacht im Tiefkühler einfrieren

  • Mücke aufgrund der Bestimmungsmerkmale überprüfen

  • Foto machen

  • Tigermückenfund melden auf www.muecken-schweiz.ch

  • Mücke für allfällige Rückfragen aufbewahren

Die Asiatische Tigermücke ist im Gegensatz zu den meisten einheimischen Mücken am Tag aktiv und wird als sehr aggressiv wahrgenommen. Es wird das Tragen von heller, langer, nicht enganliegender Kleidung empfohlen. Zusätzlich können Mückenschutzmittel helfen, die Plagegeister fernzuhalten.

Quelle: Swiss TPH

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