Vater in Roggwil BE – «Wir sahen keinen anderen Ausweg, als die Gemeinde zu verlassen»
Aktualisiert

Vater in Roggwil BE«Wir sahen keinen anderen Ausweg, als die Gemeinde zu verlassen»

Verharmlosung der Pandemie, mundtote Lehrpersonen, selbstgemachte Stoffmasken: Ein Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schulleiter aus Roggwil BE.

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Insbesondere an der Maskentragepflicht störte sich der Roggwiler Schulleiter. 

Insbesondere an der Maskentragepflicht störte sich der Roggwiler Schulleiter.

20min/Marco Zangger
Nun wurde das Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der Gemeinde aufgelöst.

Nun wurde das Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der Gemeinde aufgelöst.

AFP
In einem Brief an die Eltern hatte er sich kritisch über die Corona-Massnahmen geäussert.

In einem Brief an die Eltern hatte er sich kritisch über die Corona-Massnahmen geäussert.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Nach seiner Kritik an den Corona-Massnahmen ist der Schulleiter von Roggwil seinen Job los.

  • Ein Familienvater findet, die Gemeinde habe dem Treiben viel zu lange tatenlos zugesehen.

  • Die Gemeinde weist diesen Vorwurf zurück, will sich aber nicht weiter zur Angelegenheit äussern.

Der Schulleiter von Roggwil muss nächsten Sommer seinen Posten räumen: Anfang Dezember hatte er in einem Brief an die Eltern die Corona-Massnahmen, insbesondere die Maskentragepflicht, kritisiert und angekündigt, diese nur noch bis zu den Sportferien umzusetzen. Das ging der Gemeinde zu weit: Vor einigen Tagen teilte sie auf ihrer Homepage mit, dass das Arbeitsverhältnis mit dem Schulleiter per Ende Juli 2022 aufgelöst werde.

Laut einem Familienvater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hätte die Gemeinde dem Ganzen aber schon viel früher ein Ende bereiten müssen. Von Beginn weg habe der Schulleiter die Pandemie konsequent verharmlost. «Bei Elterngesprächen behauptete er, Covid sei weniger schlimm als eine gewöhnliche Sommergrippe», sagt er. «Eine solche Einstellung ist schlicht nicht vertretbar, wenn man eine so grosse Verantwortung Kindern gegenüber trägt.»

Selbstgemachte Stoffmaske gegen das Virus

Vor allem das Tragen von Schutzmasken habe der Schulleiter nicht ernst genommen. Zum einen hätten die Lehrpersonen die Masken nicht konsequent getragen. «Richtig den Nuggi rausgehauen hat es mir aber, als mein Sohn eines Tages nach Hause kam und stolz erzählte, sie hätten in der Handarbeit eine Maske mit drei Stoffschichten genäht, die gegen das Virus schütze», so der Vater. «Da wurde den Kindern eine völlig falsche Sicherheit vermittelt.» Jedes Mal, wenn man den Schulleiter auf das Nicht-Einhalten von Schutzmassnahmen angesprochen habe, habe dieser abgewiegelt und gemeint, Covid gehe schon wieder vorbei und man brauche sich keine Sorgen zu machen.

Fake News zu Corona

Das Coronavirus ist nicht weniger schlimm als eine Sommergrippe. Das Tragen von zertifizierten Schutzmasken hilft gegen die Weiterverbreitung des Virus, andere Schutzmassnahmen ebenso. 20 Minuten berichtet in diesem Ticker über Falschinformationen zu Covid-19.

Lehrpersonen, die Widerstand geleistet hätten, seien vom Schulleiter mundtot gemacht worden, berichtet der Vater weiter. «Eine Lehrerin erzählte uns bei einem Elterngespräch, ihr sei nicht wohl, unter den gegebenen Umständen zu unterrichten. Doch das dürfe sie dem Schulleiter nicht sagen – sie habe Angst, dass sie sonst den Job verliere.»

Als man die Kinder im Herbst 2020 für ein paar Tage zuhause behielt, habe der Schulleiter mit Massnahmen gedroht. Da wurde es dem Vater zu bunt: «Wir sahen schliesslich keinen Ausweg, als die Gemeinde zu verlassen.» Mittlerweile lebt die Familie in einem anderen Kanton.

Gemeinde weist Vorwurf zurück

Dass sich die Gemeinde vom Schulleiter trenne, sei folgerichtig, komme aber viel zu spät, findet der Vater: «Die Bildungskommission wusste schon lange über seine Haltung Bescheid. Nach dem Elternbrief Anfang Dezember ist der Druck dann wohl einfach zu gross geworden.»

Der Schulleiter von Roggwil will die Vorwürfe des Vaters nicht kommentieren. Er fügt aber an: «Wenn jemand mit der Arbeit der Schulleitung nicht einverstanden ist, kann er sich an die Behörde wenden. Das hat der betreffende Herr auch mehrmals getan und entsprechend Antwort erhalten. Weiteres habe ich dazu nicht zu sagen.» Die Gemeinde Roggwil will sich auf Anfrage ebenfalls nicht weiter zur Angelegenheit äussern. Den Vorwurf, man habe zu spät gehandelt, weise man aber vehement zurück, so Gemeindepräsidentin Marianne Burkhard.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(ore)

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