Japanische Delfinjäger : «Wir schämen uns nicht»
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Japanische Delfinjäger «Wir schämen uns nicht»

In Taiji in Japan werden jedes Jahr rund 2000 Delfine und Kleinwale getötet. Jetzt reden erstmals die Jäger. «Was in aller Welt sollen wir sonst tun?», fragen sie.

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nk

Die blutige Bucht von Taiji. (Video: nk)

Das Blut färbt das Meerwasser rot, tote Delfine liegen gestapelt auf einem Kleinboot: Diese schockierenden Bilder aus Japan gingen um die Welt und machten auf das traditionelle Schlachten in Taiji aufmerksam. In dieser Bucht im Süden des Landes gehört die jährliche Jagd auf Delfine und Kleinwale zur Tradition, rund 2000 Tiere fallen ihr jeweils zum Opfer (siehe Box).

Internationale Bekanntheit erlangte das 3200-Seelen-Dorf 2009 durch die Dokumentation «The Cove», die einen Oscar gewann. Seither haben Aktivisten von Sea Shepherd und The Dolphin Project immer wieder aufs Neue auf die Problematik aufmerksam gemacht.

«Wir wollen, dass die Leute aus dem Westen das verstehen»

Nun sprechen die Bewohner Taijis erstmals im britischen «Guardian». «Über unsere Sicht der Dinge wurde bisher nicht berichtet», sagt Yoshifumi Kai, ein Funktionär der Fischereigenossenschaft von Taiji.

Die Fischer führten eine Tradition fort, die bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückgehe, so Bürgermeister Kazutaka Sangen: «Hier wuchs weder Reis noch Gemüse. Unsere Vorfahren mussten Meeressäuger jagen, um zu überleben, und Hunderte sind dabei gestorben.» Die Bewohner Taijis seien dankbar für die Tiere – «und wir wollen, dass die Leute aus dem Westen das verstehen.»

«Was in aller Welt sollten wir sonst tun?»

Für die Umweltschützer hat man in Taiji wenig Verständnis: «Sie hören uns nicht zu, sondern wollen nur provozieren», sagt etwa Mitsunori Kobata, Präsident der Delfinjagd-Gesellschaft. Die Aktivisten wollten nur die Geschäfte kaputt machen. «Also sehen wir keinen Grund, mit ihnen zu verhandeln. Denn sie werden ihre Meinung nie ändern, egal, was wir sagen», so Kobata.

Yoshifumi Kai sagt weiter: «Die Aktivisten werfen uns vor, wir würden die Tiere im Verborgenen töten, weil wir wüssten, dass unsere Taten unmoralisch sind. Das ist Unsinn.» Rinder würden schliesslich auch nicht öffentlich geschlachtet.

«Wir schämen uns nicht für die Delfinjagd und werden nie damit aufhören», sagt Kai. «Schauen Sie sich doch um: Wenn wir nicht vom Meer leben würden, hätten wir gar nichts mehr.» Viele sagten, sie sollten doch einfach einen anderen Weg finden, um zu überleben, so der Funktionär. «Doch was in aller Welt sollten wir sonst tun?»

«Einseitigkeit» und «unüberbrückbare Differenzen»

Regisseurin Megumi Sasaki hat eine Dokumentation gedreht, um «der einseitigen Berichterstattung über ein komplexes Problem zu begegnen», wie sie sagt. Die Debatte über Taiji zeige unüberbrückbare kulturelle Differenzen zwischen der westlichen Tierschutzbewegung und lokalen Traditionen, die auf Religion und Verehrung der Vorfahren beruhten. «Der Walfang hält Taiji zusammen. Er ist untrennbar mit der lokalen Identität verbunden», sagt sie.

Delfine werden auch an Zoos verkauft

Die Fischer treiben die Delfinschulen übers offene Meer und schlagen dabei mit Metallstangen auf ihre Boote. So verwirren sie den sensiblen Orientierungssinn der Tiere. Sie werden dann in eine schmale Bucht gedrängt, wo sie entweder getötet oder eingefangen und an Zoos und Wasserparks verkauft werden. Letzteres ist lukrativer: Für ein lebendes Exemplar kann man laut «Guardian» einen Preis von rund 8000 US-Dollar erzielen.

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