Ab in den Müll: Wir schmeissen täglich eine Mahlzeit weg
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Ab in den MüllWir schmeissen täglich eine Mahlzeit weg

Zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen jährlich im Abfall. Hauptverantwortlich dafür sind nicht die Händler, sondern er, Sie und wir – die privaten Haushalte.

von
dwi
In der Schweiz werden jährlich zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel weggeworfen - besonders das Entsorgen von Fleisch belastet die Umwelt. Für den Hauptteil sind die privaten Haushalte verantwortlich.

In der Schweiz werden jährlich zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel weggeworfen - besonders das Entsorgen von Fleisch belastet die Umwelt. Für den Hauptteil sind die privaten Haushalte verantwortlich.

WWF

In der Schweiz landen pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel im Abfalleimer – etwa ein Drittel der produzierten Menge. Dies zeigt ein Bericht des WWF und des Vereins foodwaste.ch auf. Der grösste Teil der Verschwendung geschieht bei den Endkonsumenten.

Jede Person kaufe im Durchschnitt pro Tag 1,5 kg Lebensmittel ein - ohne nicht essbare Teile wie Schalen und Knochen - und werfe etwa ein Fünftel davon weg, schreibt der Umweltverband WWF in einer Mitteilung zum Bericht. Das entspricht 320 Gramm pro Person, also fast einer ganzen Mahlzeit pro Tag.

Zu gross, zu klein oder zu unförmig

Die Haushalte verursachen fast die Hälfte, nämlich 45 Prozent aller Verluste. Ein weiteres Drittel geht bei der Verarbeitungsindustrie verloren, vor allem durch das Aussortieren minderwertiger Ware - Früchte und Gemüse, die auf dem Feld liegen bleiben, weil sie zu gross, zu klein oder zu unförmig für den Handel sind.

Indes würden die hoch gefüllten Mülltonnen der Detailhändler trügen, schreibt der WWF: «Der Detailhandel wird oft als Hauptverschwender dargestellt.» Dabei machen diese Abfälle nur fünf Prozent der Gesamtmenge aus.

Der Bericht basiert auf zwei Masterarbeiten, eine von Claudio Beretta von der ETH Zürich und eine von João Almeida von der Universität Basel. Beide haben unabhängig voneinander die Lebensmittelverluste in der Schweiz mit Lieferketten- und Stoffflussanalysen, Literaturdaten und Befragungen, etwa des Schweizerischen Bauernverbands, erhoben.

Gemüse und Brot am meisten verschwendet

Am meisten werden dem Bericht zufolge Obst, Gemüse sowie Backwaren verschwendet. Von der gesamten Getreideproduktion gehen 68 Prozent verloren, ergab Berettas Studie - der grösste Teil, weil Getreide mit schlechten Backeigenschaften an Tiere verfüttert wird. Die Haushalte sind für ein Drittel der vermeidbaren Verluste verantwortlich. Weiter lehnt der Handel Äpfel mit Flecken oder zu kleine, unförmige Kartoffeln ab.

Nicht jeder Lebensmittelverlust ist mit dem gleichen Verbrauch an Land, Energie oder Wasser verbunden. «Ob man einen Salat aus dem Garten oder eine mit hohem Energieaufwand hergestellte Fertigpizza wegwirft, ist ein Unterschied», schreibt der WWF. Bei Fleisch sei dieser Verschleiss am höchsten: 7 bis 15 Kilogramm Futtermittel steckten in einem Kilo Fleisch.

Ein Drittel könnte vermieden werden – problemlos

Der WWF schätzt, dass ein Drittel der Verluste ohne viel Aufwand vermieden werden könnte. Konsumenten könnten durch bessere Planung, Resteverwertung, luftdichte Lagerung von Lebensmitteln und dem Verzehr von Lebensmitteln mit abgelaufenem Verfallsdatum, die noch geniessbar sind, dazu beitragen.

Weggeworfene und aussortierte Lebensmittel würden ökologisch am sinnvollsten durch Verfütterung und Vergärung wiederverwertet, heisst es im Bericht. Damit könnte auch das Klima geschützt werden: Die Einsparung von zwei Millionen Tonnen CO2 entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von rund 500 000 Personenwagen. (dwi/sda)

WWF rät dem Konsumenten:

- Vor dem Einkauf einen Blick in den Kühlschrank werfen

- Menu planen und Einkaufsliste erstellen

- Speisereste als Resten-Rezepte verwerten

- Lebensmittel luftdicht verschlossen oder kühl aufbewahren, damit sie länger halten

- Frischprodukte lieber häufiger, dafür gezielter einkaufen statt grosse Wocheneinkäufe tätigen, die dann nicht verwertet werden können

- Zuerst testen, ob abgelaufene Produkte wirklich nicht mehr geniessbar sind

- Grüngut wenn möglich in Biogasanlagen oder Kompostierung der Gemeinde bringen

- Essensabfälle im Sack und nicht im Abwasser entsorgen. Das Herausholen in der Kläranlage braucht zusätzliche Energie

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