Demos in Madrid: «Wir schulden euch nichts, wir zahlen nicht»

Aktualisiert

Demos in Madrid«Wir schulden euch nichts, wir zahlen nicht»

Erneut gingen in der spanischen Hauptstadt Tausende gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Strasse. Präsident Rajoy warnt derweil vor einer Abspaltung Kataloniens.

Einige der Demonstrantinnen und Demonstranten zeigten Haut für ihre Anliegen.

Einige der Demonstrantinnen und Demonstranten zeigten Haut für ihre Anliegen.

In der spanischen Hauptstadt Madrid haben am Samstagabend mehrere tausend Menschen gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert. Die Teilnehmer der Demonstration schlugen Töpfe und Pfannen gegeneinander und setzten auch Trillerpfeifen ein. Auf ihren Plakaten stand «Wir schulden euch nichts, wir zahlen nicht».

«Niemand hat die Banken gedrängt, gierigen Immobilienspekulanten grosse Geldsummen zu leihen», sagte die 34-jährige Beamtin Maria Costa, die mit ihren beiden Kindern gekommen war. «Und doch sollen wir für die Fehler der anderen zahlen.»

Auch Demos in Portugal

Die spanische Regierung hat Sparmassnahmen sowie Reformen des Finanz- und Arbeitsmarktes eingeleitet, um das ausufernde Defizit unter Kontrolle zu bekommen. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 25 Prozent. Die Wirtschaft wird nach Schätzungen in diesem Jahr wohl um 1,5 Prozent schrumpfen.

In der portugiesischen Stadt Braga protestierten unterdessen mehrere hundert Menschen gegen Kürzungen im Kultur-Etat. Sie trugen ein Banner mit der Aufschrift «Ohne Kultur werden Menschen zu Hunden».

Kein Platz in Europa für ein unabhängiges Katalonien

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat derweil vor einer Abspaltung der autonomen Regionen Baskenland und Katalonien gewarnt. «Ausserhalb Spaniens und der EU ist man im Nirgendwo», sagte der Regierungschef am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in der baskischen Stadt Bilbao.

Im Baskenland und in Katalonien sind für den 21. Oktober und den 25. November Neuwahlen angesetzt. Nach allen Umfragen werden die nationalistischen Parteien als Sieger hervorgehen.

«Der grösste Fehler, den man heutzutage machen kann, besteht darin, dass man die Wirtschaftskrise mit einer politischen und institutionellen Krise erweitert», warnte der konservative Regierungschef.

Rajoy: Basken und Katalonen wollen «Spanien kaputtmachen»

Rajoy beschuldigt die nach Unabhängigkeit strebenden Nationalisten im Baskenland und in Katalonien, sie wollten unbedingt «Spanien kaputtmachen» und die politische Stabilität zerbrechen.

Vor allem in Katalonien hat sich die Unabhängigkeitsbewegung in letzter Zeit stark profiliert. Auf Betreiben des regionalen Regierungschefs Artur Mas soll in der Region im Nordosten Spaniens eine Unabhängigkeits-Abstimmung abgehalten werden.

Einer von der Regionalregierung in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge befürworten derzeit 74 Prozent der Katalanen die Gründung eines eigenen Staates.

(sda)

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