Dragovic schlägt Maurer: «Wir sehen noch, ob er sich entschuldigt»
Aktualisiert

Dragovic schlägt Maurer«Wir sehen noch, ob er sich entschuldigt»

Fehlende Kinderstube oder ein Fall für die Disziplinarkommission? Nach Aleksandar Dragovic' Schlägen auf Bundesrat Ueli Maurers Hinterkopf sind sich der FCB und der Verband uneins.

von
Eva Tedesco

Rückblende: Bei der Pokalübergabe nach dem Basler Cupsieg über den FCL schlägt Dragovic Bundesrat Ueli Maurer auf den Hinterkopf. Nicht einmal, sondern dreimal. Das Pech oder die Gedankenlosigkeit des Österreichers in den Reihen des FCB – etliche Fotografen und TV-Kameras, die die Aktion mehrfach einfangen. Der «Blick» hängt den Vorfall hoch. Der FCB entschuldigt sich bei Maurer und spielt den Vorfall gegenüber dem Boulevardblatt herunter. «Dragovic hatte keine Ahnung, wer Ueli Maurer ist. Er hat in seiner Euphorie eine Unbedarftheit gemacht», so Medienchef Josef Zindel im «Blick».

Bagatelle oder Respektlosigkeit? Von den älteren FCB-Spielern um Captain Marco Streller gab es für Dragovic bereits eins auf den Deckel. Reagiert auch der Verband? Die Möglichkeit hätte er dazu, denn die Rechtspflegeordnung des SFV (RPO) in Artikel 13 sieht eine Strafe vor, wenn «die körperliche Integrität einer Person verletzt» wird oder wie im Fall Dragovic/Maurer «elementare Anstandsregeln» verletzt werden. Ehe der Verband sich dazu äusserte, wollte man die Berichte vom Cupfinal einsehen, die wegen des Feiertags verzögert im Haus des Fussballs in Muri eingetroffen waren.

SFV äussert sich zum Fall Dragovic/Maurer

Jetzt gab SFV-Generalsekretär Alex Miescher im Rahmen einer Pressekonferenz im Stade de Suisse zum Thema Nationalmannschaft auch über den Fall Dragovic Auskunft. «Wir stehen in intensivem Kontakt mit dem FC Basel und versuchen eine Lösung zu finden, die zwischen hysterischer Staatsaffäre und einfach nur ‹Ist-schon-gut› liegt. Ich persönlich bin hin und her gerissen. Eigentlich ist es aber Verachtung.» Man wolle das Thema nicht künstlich hochstilisieren, zumal selbst Bundesrat Maurer, zu dem der Verband den Kontakt pflegt, nicht will, dass das Video auf Youtube rauf und runter gespielt wird.

Die Aussage des FCB nach der Veröffentlichung der Bilder findet Miescher als die «blödeste Antwort, die man geben hätte können». Grundsätzlich gab Miescher zu verstehen, dass der Verband ein gutes Einvernehmen mit den Verantwortlichen des FCB hätte und die gute und professionelle Arbeit, die in Basel geleistet wird, respektiere. Der FCB bemüht sich sympathisch aufzutreten. Aber man könne nicht den Fairplay-Gedanken leben, die Junioren anhalten dem Schiedsrichter die Hand zu geben und ständig von Respekt reden und dann einfach hinstehen und sagen «ist schon gut». Das sei ein Signal an die Jungen.

Warten auf die Fantasie von «Lausbub» Dragovic

Die Kontroll- und Disziplinar-Kommission unter der Präsidentschaft von Urs Reinhard wird wohl kein Verfahren gegen Dragovic eröffnen. Es sei aber auch nicht Sache des Verbandes jedem ein Kindermädchen zur Seite zu stellen und dauernd zu erklären, was er zu tun hat. Miescher weiter: «Aber vielleicht kommt ja Dragovic selber etwas in den Sinn ...» Ähnlich sieht es auch SFV-Präsident Peter Gilliéron: «Das sind Lausbubensachen und der Spieler ist noch jung. Aber wir sehen noch, ob er sich entschuldigt oder sich etwas machen lässt. So lange lassen wir das offen.»

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