RAV-Berater: «Wir servieren Jobs nicht auf dem Silbertablett»
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RAV-Berater«Wir servieren Jobs nicht auf dem Silbertablett»

Wirkungslose Kurse, zu wenig Unterstützung: Die RAV kommen bei einigen 20-Minuten-Lesern schlecht weg. Jetzt kontert ein RAV-Berater.

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pam
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Ein Viertel der Stellensuchenden findet die Angebote der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) wenig hilfreich. Auch Dutzende 20-Minuten-Leser berichteten von ihren Erfahrungen (siehe Bildstrecke). Jetzt bezieht ein RAV-Berater Stellung.

Herr G.*, die Unzufriedenheit der Stellensuchenden mit Ihrem Arbeitgeber scheint gross. Wie erleben Sie das bei Ihrer täglichen Arbeit?

Die Berater, die ich kenne, haben alle das Ziel, die Stellensuchenden möglichst rasch wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Unser Auftrag ist die schnelle Wiedereingliederung des Versicherten. Darauf arbeiten wir mit unseren Kunden hin. Die allermeisten sind auch motiviert, unsere Hilfe anzunehmen, und finden wieder eine Stelle. Natürlich bin ich als Berater aber darauf angewiesen, dass auch der Stellensuchende Einsatz zeigt. Der Frust, der offenbar bei einigen vorhanden ist, liegt meiner Meinung nach an falschen Erwartungen und an einer zu negativen Einstellung gegenüber den RAV.

Wie meinen Sie das?

Für das Arbeitslosengeld, das man als Stellensuchender erhält, erwarten wir auch eine Gegenleistung: Der Besuch von Weiterbildungskursen oder das Verfassen von 10–12 Bewerbungen pro Monat. Jetzt kann ich als Stellensuchender sagen: Das nervt, das ist zu viel. Oder ich sage: Ich nehme das als Chance an, mich weiterzubilden und einen Job zu finden. Eine positive Haltung wirkt sich in den meisten Fällen positiv auf die Stellensuche aus. Als Berater merke ich beim ersten Gespräch schnell, ob jemand unser Angebot für sich nutzen will.

Was ist das Problem mit den Erwartungen?

Wir sind nicht ausschliesslich dazu da, Jobs auf dem Silbertablett zu servieren. Das verstehen einige der Stellensuchenden nicht. Sie glauben, wenn sie schon in die Versicherung eingezahlt haben, sollen wir ihnen gefälligst jetzt eine Stelle verschaffen, während sie sich zurücklehnen können. Den Stellensuchenden sollte aber genügend Zeit zur Verfügung stehen, um ihr Projekt «Stellensuche» zu bewältigen. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.

Konkret wurde kritisiert, dem RAV gehe es oft nur darum, dass man wieder arbeite – egal was. Ein Leser, der Informatiker ist, schrieb uns etwa, dass er dazu aufgefordert wurde, sich bei Burger King zu bewerben. Was sagen Sie dazu?

Ich würde am Anfang niemandem sagen, er müsse sich auf Stellen bewerben, die wenig mit seinen Qualifikationen zu tun haben. Gerade im Fall des Informatikers macht das auch keinen Sinn, er wäre völlig falsch qualifiziert. Findet aber jemand nach längerer Zeit keine Stelle, würde ich dazu raten, auch branchenfremde Stellen oder Temporärjobs in Betracht zu ziehen. So sehen andere zukünftige Arbeitgeber, dass man sich engagiert.

Moniert wurde auch, dass die RAV sogenannte fiktive Praxisfirmen betreiben. Eine Leserin fand, sie könne in einer solchen «Fake-Firma» nichts Neues lernen. Machen solche Programme Sinn?

So viel ich weiss, kennen wir im Kanton Zürich das Modell mit den Praxisfirmen nicht, wir arbeiten mit «echten» Firmen zusammen, die Praktikumsplätze anbieten. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Arbeit in einer fiktiven Firma für einige Stellensuchende Sinn macht. Es ist eine Arbeitsumgebung ohne Druck, in der man Zeit hat, Neues auszuprobieren. Auch hier zählt wieder die Einstellung: Geht man mit einer positiven Grundhaltung in ein solches Programm, kann man profitieren.

Was möchten Sie jenen Stellensuchenden sagen, die mit dem RAV schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Nutzt die Zeit beim RAV als Chance. Natürlich läuft nicht immer alles perfekt, ich betreue mindestens 130 Stellensuchende, führe acht Gespräche pro Tag, analysiere Bewerbungsunterlagen und Zeugnisse, mache Administration – und trotzdem versuchen wir allen Versicherten eine möglichst optimale Beratung zu bieten. Wer eine positive Grundhaltung gegenüber dem RAV-Angebot

und der Beratung entgegenbringt, wird sehen, dass eine Zusammenarbeit grosse Chancen bietet.

* P.G. (Name der Redaktion bekannt) ist RAV-Berater im Kanton Zürich.

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