Gibraltars Captain: «Wir sind besser als die Brasilianer»
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Gibraltars Captain«Wir sind besser als die Brasilianer»

Roy Chipolina ist Zollbeamter und Captain von Gibraltar. Er weiss wie Verlieren geht. Trotzdem hat er seinen Humor behalten.

von
pmb.

Der Captain Roy Chipolina erklärt die Eigenheiten seines Landes. Video: Fabian Sangines

Ach, das Alter, wen kümmert das schon! Roy Chipolina ist 36, manchmal spürt er die Knochen, aber noch nie hat er einen Gedanken daran verschwendet, den Aufwand für sein Hobby zu reduzieren. Also steht er regelmässig um 6.30 Uhr auf, um während 40 Minuten seinen Körper mit Übungen in Schwung zu bringen. Ab 8 Uhr sitzt er im Büro der Zollverwaltung, gegen Abend fährt er hinüber auf spanischen Boden, um im Grenzort La Linea de la Concepcion mit den Kollegen des Lincoln Red Imps FC zu trainieren. Um 21 Uhr ist Feierabend. Chipolina sagt: «Für mich ist nichts zu viel, wenn es um Fussball geht. Ich lebe meinen Traum.»

«Ich werde nie weggehen»

Chipolina ist im Weltfussball keine Berühmtheit, aber im Kleinen ein Held. Er ist Captain der Gibraltarer, die erst seit 2013 zur Uefa, seit drei Jahren zur Fifa gehören und morgen gegen die Schweiz spielen. In der EM-Qualifikation 2016 und der WM-Ausscheidung 2018 gab es in 20 Spielen 20 Niederlagen bei 5:103 Toren. In der laufenden EM-Ausscheidung kommen 4 Niederlagen mit 0:12 Toren dazu.

Sein Humor leidet deswegen nicht. «2014 verlor Brasilien gegen Deutschland 1:7, wir nur 0:4», sagt er, «das heisst...?» Er zieht die Augenbrauen hoch: «Wir sind besser als die Brasilianer.» Schallendes Gelächter. Gibraltar ist die Weltnummer 198, hinter Samoa und vor den Amerikanischen Jungferninseln.

Der 36-Jährige kommt von der Arbeit, er hat das Hemd gegen ein Shirt mit Gibraltars Wappen auf der Brust getauscht. Er sitzt in einem Konferenzraum des Verbandes, der in Irish Town daheim ist, einer Fussgängerzone Gibraltars. In London kam er zur Welt, Arsenal ist der Club seines Herzens, aber Gibraltar ist seine Heimat, die er so sehr liebt, dass er sagt: «Ich werde von hier nie mehr weggehen.»

Lesen Sie in der SonntagsZeitung, wie sich der Fussball in Gibraltar entwickelt und weshalb die Handynummer von Gibraltars Nationalspielern im Telefonbuch stehen (zum Artikel).

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