Aktualisiert 17.02.2011 19:30

Interview

«Wir sind Cablecom dicht auf den Fersen»

Swisscom-Chef Carsten Schloter will dieses Jahr Marktführer beim digitalen Fernsehen werden.

von
Alex Hämmerli

Herr Schloter, Sie sind schon seit 2006 Chef der Swisscom. Wie lange bleiben Sie noch?

Carsten Schloter: Ich habe überhaupt keine Absichten, die Swisscom zu verlassen. Es ist eine Ehre, für dieses Unternehmen arbeiten zu dürfen.

2010 wollten Sie Marktführer beim Digital‑TV werden. Sie sind es aber immer noch nicht ...

Wir sind ganz dicht auf den Fersen der Cablecom. Manchmal muss man sich etwas mehr gedulden, als es einem lieb ist. Es ist aber nur eine Frage der Zeit.

Und wann ist es nun so weit?

Lassen wir uns überraschen. Ich bin sicher, im Laufe dieses Jahres werden wir die Cablecom überholen.

Viele reden immer noch von Bluewin statt Swisscom TV. ­Haben Sie ein Kommunikationsproblem?

Nein, das zeigt einfach, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Bei mir hat es auch ein Jahr gedauert, bis ich durchgängig Swisscom TV gesagt habe.

Die Preise im Mobilfunk sind immer noch zu hoch. Wann ändert sich das endlich?

Tatsache ist, dass die Mobilfunkpreise in den vergangenen Jahren um 7 Prozent zurückgegangen sind. Zeigen Sie mir einen anderen Bereich, wo das der Fall ist.

Wann können wir endlich mobil HD-Filme schauen und Spiele spielen? Die Auktion des Bundes für die dazu nötigen LTE-Frequenzen wurde ja verschoben.

Mit den heutigen Bandbreiten kann man solche Dienste schon jetzt nutzen. Um sie aber noch bequemer nutzen zu können, braucht es tatsächlich LTE. Wir werden spätestens 2012 anfangen, unser Netz mit der Technologie auszurüsten. LTE-fähige USB-Sticks gibt es bereits heute.

Swisscom hat letztes Jahr 70 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Werden auch 2011 neue dazukommen?

Ich gehe davon aus, dass wir sogar noch mehr neue Mitarbeiter einstellen werden als 2010.

Swisscom mit weniger Gewinn

Für die Swisscom war 2010 ein durchzogenes Jahr. Der Umsatz stagnierte, der Gewinn sank deutlich. Während das Schweizer Geschäft gut lief, lahmte ausgerechnet die italienische Tochter Fastweb, die die Swisscom gekauft hatte, um die Erosion im hiesigen Kerngeschäft zu kompensieren. Insgesamt sank der Umsatz der Swisscom leicht um 0,1 Prozent auf 11,988 Milliarden Franken. Der Reingewinn tauchte um 7,1 Prozent auf 1,786 Milliarden Franken.

Swisscom TV wächst stark

Die Kabelnetzbetreiber bekommen die Konkurrenz der Swisscom zu spüren. Die Zahl der Kabel-TV-Anschlüsse ging im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent oder 37 000 auf 2,843 Millionen zurück. Derweil konnte die Swisscom die Zahl ihrer TV-Kunden um 189 000 auf 421 000 beinahe verdoppeln. Bei den Kabelnetzbetreibern wechselten viele Kunden vom analogen auf das umfangreichere digitale TV-Angebot.

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