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England«Wir sind doch nicht in Russland»

Schnee in Europa: Der heftigste Wintersturm seit fast zwei Jahrzehnten hat weite Teile Grossbritanniens unter einer dicken Schneedecke versinken lassen und vielerorts für ein beispielloses Verkehrschaos gesorgt. Aber auch Paris leidet unter dem Schneefall.

Am schlimmsten war die Situation in London: In der Millionenmetropole fuhren im morgendlichen Berufsverkehr am Montag keine Busse mehr, obendrein waren fast alle U-Bahn-Linien lahmgelegt. Am Flughafen Heathrow wurden beide Start- und Landebahnen geschlossen, bis zum Mittag fielen über 50 Flüge aus.

Auf dem kleineren City Airport wurde der Betrieb ebenfalls eingestellt, auf den Flughäfen Gatwick und Stansted kam es zu erheblichen Verspätungen. Am schwersten betroffen war nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes Südostengland. In den Grafschaften Kent, Surrey und Sussex fielen bis zu 25 Zentimeter Schnee. In hunderten Schulen fiel der Unterricht aus.

In London lag der Schnee zehn Zentimeter hoch und verwandelte die britische Hauptstadt in eine hübsch anzuschauende Winterlandschaft. Kinder fuhren Schlitten auf abschüssigen Strassen und in Parks, auch Erwachsene lieferten sich Schneeballschlachten und bauten Schneemänner.

Für Pendler war die Lage indessen nicht so lustig. Sie sassen lange an ihren U-Bahn-Stationen fest oder steckten im Stau. Es kam zu zahlreichen Unfällen, bei denen mehrere Menschen leicht verletzt wurden. Die Behörden rieten den Menschen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und vor allem Autofahrten zu meiden. Die Meteorologen warnten unterdessen vor einem weiteren Schneesturm, der von Frankreich in Richtung England zog.

Schneepflüge fehlen

Derartig heftige Wintereinbrüche sind in England mit seinem maritim geprägten Klima die Ausnahme. «Wir sind doch nicht in Russland», schimpfte denn auch Guy Pitt, Sprecher der Londoner Verkehrsbetriebe. «Wir haben keine Infrastruktur für ständigen Schneefall aufgebaut.»

Londons Bürgermeister Boris Johnson räumt ein, dass es der Hauptstadt an Schneepflügen fehle. «Man kann Geld in Schneepflüge investieren, und dann braucht man sie ein paar Jahrzehnte lang nicht.» Viele Busse durften gar nicht erst auf die Strasse, da sie «zu tödlichen Waffen werden, wenn sie ins Rutschen kommen», erklärte der Bürgermeister.

Mehr als 300 Kilometer Stau rund um Paris

Auch im Norden Frankreichs, insbesondere im Grossraum von Paris, sorgte der Wintereinbruch am Montag für einen Verkehrskollaps. Wegen der Schneedecke von fünf Zentimetern blieben die Busse auf den eisglatten Strassen der Hauptstadt stecken, tausende Kinder kamen nicht zur Schule. In Paris und auf den Zubringerautobahnen bildeten sich mehr als 300 Kilometer Stau. Auf der Stadtautobahn sassen Pendler teilweise drei Stunden lang fest.

Auch der Flugverkehr war erheblich beeinträchtigt. Air France stornierte 30 Kurz- und Mittelstreckenflüge am Flughafen Charles de Gaulle, in Orly im Süden der Hauptstadt starteten die Maschinen mit rund zwei Stunden Verspätung. Das erste Flugzeug konnte erst um 09.00 Uhr losfliegen. Erst am späten Vormittag entspannte sich die Situation langsam, nachdem der Schnee in Regen übergegangen war.

Der gesamte Norden von der Ardennen bis in die Bretagne war betroffen, teilweise fielen neun Zentimeter Schnee. Obwohl die Niederschläge am Sonntag angekündigt worden waren und der Wetterdienst Warnungen ausgegeben hatte, waren die meisten Strassen am Montag nicht gestreut.

(sda)

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