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Hitzfeld zur Lage der Nati«Wir sind erst bei Kilometer 8»

Zwei Spiele, zwei Siege: Der Start in die WM-Qualifikation ist der Schweizer Fussball-Nati optimal geglückt. Dennoch mahnt Trainer Ottmar Hitzfeld, dass noch viel zu tun sei.

von
Eva Tedesco
Reto Fehr

Der Schweiz ist ein Traumstart in die WM-Qualifikation 2014 geglückt. Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld zieht in Luzern Bilanz. (Video: 20 Minuten Online)

Die Fehlstarts unter Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld in die WM-Kampagne 2010 mit dem Remis in Israel und der Blamage gegen Luxemburg sowie in die EM-Kampagne 2012 mit den Pleiten gegen England und in Montenegro waren vor wenigen Tagen noch sehr präsent. Auch Slowenien und Albanien boten Stolperpotenzial. Doch im dritten Anlauf klappte es: Zwei Spiele, zwei Siege und damit die alleinige Führung in der Gruppe E. Norwegen, Zypern, Albanien und Island haben alle schon drei Zähler Rückstand.

Hitzfeld sagt bei der Pressekonferenz in der Luzerner Swissporarena entspannt: «In Slowenien wäre ich schon mit einem Punkt zufrieden gewesen. Jetzt sind wir mit zwei Punkten im Plus.» Der Nati-Coach kann sehr zufrieden sein. Den ersten Test gegen Slowenien bestanden die Schweizer dank ihrer Effizienz, der guten Organisation und mit einer konzentrierten Leistung. Die Pflichtaufgabe gegen Albanien – wegen der Ausgangslage wohl die fast noch grössere Herausforderung – löste die Schweiz ebenso pragmatisch.

Nati auf Kilometer 8

Die neue Ära der Nati, welche mit dem 2:2 in England im Sommer 2011 begonnen hat, nimmt langsam Form an. Auf einer Marathon-Distanz (42 Kilometer) befinde sich sein Team derzeit bei «Kilometer 8», sagt der Lörracher. Und die restlichen 34 Kilometer? «Die müssen wir weiter konzentriert aufnehmen. Es bringt nichts, zu weit nach vorne zu schauen.» Die ersten Schritte – um im Bild zu bleiben – hätten der Mannschaft Sicherheit und Selbstbewusstsein gegeben.

Es stimmt in der Truppe, das Team tritt solidarisch auf – und hat Spass. Gelson Fernandes erklärt den neuen Spirit ganz einfach: «Jeder fühlt sich plötzlich gut und der Nati verbunden. Und das wirkt sich halt auch auf die Stimmung aus. Jetzt ist unsere Zeit gekommen.»

Norwegen verhindert zweiten Rückschlag

In den letzten zehn Tagen hat bei der Schweiz einfach alles gepasst. Valentin Stocker bewies, dass er Tranquillo Barnetta ersetzen kann, Johan Djourou gewann fast von Minute zu Minute Selbstvertrauen und wirkte trotz wenig Spielpraxis solid und harmoniert immer besser mit Steve von Bergen. Mit Josip Drmic steht Hitzfeld nun eine weitere Option in der Spitze zur Verfügung.

«Der gute Start motiviert uns – auch mich», so Hitzfeld weiter. «Wir müssen aber hellwach bleiben, dürfen nicht locker lassen und müssen an den Details arbeiten, sowohl im zwischenmenschlichen als auch im taktischen Bereich. Wir müssen uns weiter verbessern, denn man darf nicht vergessen, das wir immer noch in der Entwicklung stehen.»

«Es wird generell eng»

Auch ein Blick auf die Konkurrenz erfreut: Norwegen gab in Island unerwartet Punkte ab, gegen Slowenien erzielten die Skandinavier erst in der letzten Sekunde den Siegtreffer. Wer etwas Negatives sucht, findet es beim 2:1-Sieg: Ein Remis zwischen Norwegen und Slowenien wäre das Wunschresultat gewesen. Denn auch Hitzfeld weiss: «Norwegen wird der stärkste Konkurrent sein.» Dieser gastiert in der dritten Runde am 12. Oktober in Bern.

So weit schaut der 63-Jährige aber nicht nach vorne. Er wird die dreieinhalb Wochen bis zum nächsten WM-Qualifikationsspiel nützen, um den Gegner genau zu analysieren und um seine Spieler in ihren Ligen zu beobachten. Trotz sechs Punkten aus zwei Partien und einem kleinen Vorsprung auf die Gruppengegner bleibt Hitzfeld zurückhaltend, wenn es um die Favoritenrolle der Schweizer in der Gruppe E geht. «Es kann zwar nicht jeder jeden schlagen in dieser Gruppe, aber alle Mannschaften sind im taktischen und konditionellen Bereich ähnlich und gut ausgebildet. Es braucht viel Einsatz, um die Spiele für sich zu entscheiden. Es wird generell eng.»

Noch ist es zu früh für Rechenspiele. Aber nach dem Traumstart ist klar: Ein weiterer Sieg, und ein bedeutender Schritt zum Traum von der WM 2014 in Brasilien ist geschafft.

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