Abschied eines Rassisten: «Wir sind hier, um den Krieg zu erklären»
Aktualisiert

Abschied eines Rassisten«Wir sind hier, um den Krieg zu erklären»

Im Glauben, dass ihr rassistischer Führer einem politisch motivierten Attentat zum Opfer gefallen war, erwiesen Tausende Anhänger Eugene Terre'Blanche die letzte Ehre. Viele schworen Rache.

Anhänger der Rassistenbewegung «Afrikaner Widerstandsbewegung» (AWB) erweisen ihrem Führer die letzte Ehre.

Anhänger der Rassistenbewegung «Afrikaner Widerstandsbewegung» (AWB) erweisen ihrem Führer die letzte Ehre.

Tausende Anhänger haben dem vor einer Woche ermordeten südafrikanischen Rechtsextremisten Eugene Terre'Blanche am Freitag die letzte Ehre erwiesen. Die Trauerfeier fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Der 69-jährige Chef der politisch marginalisierten «Afrikaner Widerstandsbewegung» (AWB) war am Ostersamstag von zwei schwarzen Farmarbeitern getötet worden - nach Angaben der Polizei in einem Streit über ihren Lohn.

«Er war ein guter Mensch, aber die Welt war gegen ihn», sagte Priester Ferdie Devenier während der Trauerfeier, die über Lautsprecher auch auf den Platz vor der überfüllten Kirche übertragen wurde. An der Zeremonie nahmen auch die südafrikanische Landwirtschaftsministerin Dipuo Peters und der nationale Polizeichef Bekhi Cele teil.

Angst vor neuen Konflikten

Der Mord an Terre'Blanche hat zwei Monate vor Beginn der Fussball- Weltmeisterschaft am Kap der Guten Hoffnung die Sorge vor neuen Spannungen zwischen Schwarzen und Weissen geschürt. Präsident Jacob Zuma hat die Südafrikaner zur Ruhe ermahnt, auch die AWB hat offiziell erklärt, sie werde auf den Tod ihres Anführer nicht mit Gewalt reagieren.

Ein Sprecher der AWB, Pieter Steyn, sagte, die Beerdigung solle auf Wunsch der Angehörigen keine «politische» Veranstaltung sein. Unterdessen organisierten Gewerkschaften eine Versammlung schwarzer Landarbeiter in Ventersdorp, um ein «diszipliniertes» Verhalten der Gruppe zu gewährleisten.

Krieg erklärt

Doch die Stimmung unter den Trauergästen war eine andere: «Wir sind hier, um den Krieg zu erklären und den Tod unseres Führers zu rächen», sagte ein Geschäftsmann. Die meisten weissen Männer im Alter von 35 bis 55 Jahren seien Soldaten gewesen und beherrschten deren Handwerk.

Die Trauergäste sangen die Hymne des vor 16 Jahren abgeschafften Apartheid-Regimes. Auch die frühere südafrikanische Fahne und die mit einem Hakenkreuz-ähnlichen Symbol bestickte AWB-Flagge wurden gezeigt.

Die Polizei war mit starken Kräften in Terre'Blanches Wohnort Ventersdorp 100 Kilometer westlich von Johannesburg im Einsatz. Hubschrauber kreisten am Himmel. Fahnen, öffentliche Reden und Aufmärsche waren verboten.

Forderung nach Staat für Weisse

Die AWB hatte den Mord zum Anlass genommen, ihre Forderungen nach einem eigenen Staat für die weisse Bevölkerung Südafrikas zu erneuern.

Ausserdem machte die AWB das Lied «Tötet den Buren» für die Tat mitverantwortlich, das der Anführer der Jugendorganisation des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Julius Malema, zu seiner Hymne auserkoren hatte. Viele Schwarze sehen das Lied als Erinnerung an ihren Freiheitskampf gegen das Apartheid-Regime.

(sda)

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