Omikron-Spitze – «Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir genau aufpassen müssen»
Aktualisiert

Omikron-Spitze «Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir genau aufpassen müssen»

Die Taskforce geht davon aus, dass die Omikron-Welle in zwei Wochen ihren Höhepunkt erreicht. Der Bundesrat lockert die Massnahmen. Kommen wir so durch die Pandemie?

von
Lisa Horrer
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SP-Nationalrätin Barbara Gysi bezeichnet eine Durchseuchung als gefährliche Strategie. 

SP-Nationalrätin Barbara Gysi bezeichnet eine Durchseuchung als gefährliche Strategie.

Parlamentsdienste
Tanja Stadler rechnet mit bis zu 2,5 Millionen Ansteckungen pro Woche bis in zwei Wochen. 

Tanja Stadler rechnet mit bis zu 2,5 Millionen Ansteckungen pro Woche bis in zwei Wochen.

20min/Simon Glauser
Die SVP um Nationalrat Thomas Aeschi begrüsst die Lockerungen des Bundesrates. 

Die SVP um Nationalrat Thomas Aeschi begrüsst die Lockerungen des Bundesrates.

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Darum gehts

  • Die Infektionszahlen steigen, die Taskforce rechnet mit bis zu 2,5 Millionen Ansteckungen in einer Woche Ende Januar.

  • Der Bundesrat will die Massnahmen vom 17. Dezember bis 31. März verlängern.

  • Während SP-Nationalrätin Barbara Gysi zu Vorsicht aufruft, fordert die SVP um Nationalrat Thomas Aeschi eine Abschaffung der Quarantäne.

Seit einem Monat sinken die Spitaleinweisungen – trotz steigender Infektionszahlen. Was wie ein unerwartetes Wunder aussieht, könnte sich in den nächsten Wochen umkehren. Die Taskforce rechnet jedenfalls mit diesem Szenario, wie Chefin Tanja Stadler am Dienstag vor den Medien sagte. Bis in zwei Wochen – also um den 26. Januar – werde die Omikron-Welle demnach ihren Höhepunkt erreichen. Dann könnten sich bis zu 2,5 Millionen Menschen infizieren – in einer Woche.

Dennoch hält der Bundesrat grösstenteils an den am 17. Dezember letzten Jahres beschlossenen Massnahmen fest. Er schlägt den Kantonen vor, sie bis Ende März zu verlängern, statt sie im Januar auslaufen zu lassen. Zusätzlich beschliesst er eine kürzere Gültigkeitsdauer der Zertifikate von 270 Tagen sowie eine verkürzte Isolation und Quarantäne auf jeweils fünf Tage.

«Durchseuchung ist gefährlich»

Laut SP-Nationalrätin Barbara Gysi habe sich der bisherige Massnahmenmix des Bundesrates bewährt. Dennoch warnt sie: «Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir genau aufpassen müssen.» Es sei schwierig, vorherzusagen, wie gut die Schweiz mit ihren Massnahmen durch die weitere Pandemie navigiere. Angesichts der hohen zu erwartenden Fallzahlen sei Vorsicht geboten. «Eine Durchseuchung ist eine gefährliche Strategie. Auch diejenigen mit weniger schweren Verläufen sind stark beeinträchtigt», so Gysi. Die Verkürzung der Quarantäne auf fünf Tage hält sie für vertretbar; besonders angesichts der Personalausfälle, auch im Gesundheitssystem.

Die SVP begrüsst die vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen und fordert gar eine gänzliche Abschaffung der Quarantäne, sagt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Die Omikron-Welle sei weniger gefährlich als befürchtet. Zwar stiegen die Fallzahlen und es gebe viele Infizierte, doch die Zahl der schweren Verläufe sei tief und man sei weit entfernt von einer Überlastung der Spitäler, so Aeschi.

Twitter-Community äussert Unmut

Auch in den sozialen Netzwerken diskutieren die Userinnen und User die Massnahmen des Bundesrates sehr kontrovers. Insbesondere unter den Hashtags #Superinfektionswoche und #DurchseuchungOhneUns lässt sich die Schweizer Twitter-Gemeinde über die Arbeit des Bundesrates und die neuesten Entscheide aus. Einer der Vorwürfe lautet, dass der Bundesrat nach wochenlanger Pause heute erstmals tagte, trotz der Pandemie. Auch die Tatsache, dass der Bundesrat eine Durchseuchung leichtfertig in Kauf nehme, erntet Kritik. Manche der Twitter-Userinnen und -User fordern zudem gezieltere Massnahmen.

So schreibt beispielsweise eine Userin: «Man befeuert mit Lockerung von Isolation/Quarantäne die Ansteckungen. Klingt nach einem Schuss in den FussEin anderer User fordert, «so viele Menschen wie möglich zu boostern, mit Zivilschutz und Militär, Testkapazitäten auszubauen und Schulen mit Luftfiltern und CO2-Sensoren auszubauen».

«Wir haben keine grosse Sicherheit, welcher Weg der erfolgreichste ist und was genau zu tun ist», sagt Yvonne Gilli, Präsidentin der Ärztevereinigung FMH. Wichtig sei weiterhin, dass der Bundesrat sich regelmässig mit Spitalärztinnen und -ärzten austausche, denn sie hätten die tagesaktuelle Entwicklung im Auge. Zudem brauche es eine Lösung nicht nur für die Belegung der Intensivstationen, sondern auch bei den Spitaleinweisungen aufgrund mittelschwerer Erkrankungen.

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