Escape Room: Wir sind Journalistinnen und wollen hier raus!
Aktualisiert

Escape RoomWir sind Journalistinnen und wollen hier raus!

Ab sofort kann man sich in Zürich in einem Raum einschliessen lassen. Um rauszukommen, muss man Rätsel lösen. 20 Minuten hats getestet – eine Geschichte des Scheiterns.

von
Maja Sommerhalder

Schaffen es die beiden 20 Minuten Reporterinnen, sich in einer Stunde aus dem Zimmer zu befreien? (Video: Roland Schäfli/Brigitte Büchel)

Keine Fenster, Holzwände, schummriges Kunstlicht. Etwas verloren stehen wir im 15 Quadratmeter grossen Raum. Die Türe wird verriegelt – in den nächsten 60 Minuten müssen wir Rätsel lösen, um hier wieder rauszukommen.

Unser temporäres Verliess befindet sich gleich neben dem Polizeigefängnis im Kasernenareal. Im Gegensatz zu den Häftlingen, die dort sitzen, werden wir bei «Zürichescape» aber nicht bestraft. Vielmehr soll man mit dem neusten Freizeitangebot der Stadt eine spannende Stunde verbringen, wie Vladimira Scheidegger (29), Inhaberin von Zürichescape, sagt.

Ohne Teamarbeit geht es nicht

Das Konzept dahinter heisst «Room Escape» und stammt ursprünglich aus einem Computerspiel. In den 1990er-Jahren wurde es in Japan erstmals in der realen Welt gespielt – in den letzten drei Jahren eroberte es die europäischen Städte. Auch in der Schweiz gibt es bereits einige «Room Escape» – nun ist eines in Zürich hinzugekommen. «Hier gibt es viele, die gerne rätseln und in ihrer Freizeit etwas Aktives machen», sagt Scheidegger, studierte Umweltingenieurin. Ebenfalls eigne sich das Spiel, um den Teamgeist unter Arbeitskollegen zu fördern – denn ohne Zusammenarbeit komme man nicht weiter.

Wie konnten wir nur so blind sein?

Auch meine Arbeitskollegin Eva und ich versuchen fieberhaft, gemeinsam das erste Rätsel zu knacken. Es geht darum, einen ersten Schlüssel zu finden, der uns die Freiheit ein Stück näherbringt. Schlüssel gibt es in diesem Raum viele, nur sind sie alle irgendwo festgemacht. Vielleicht liefern uns die Armbrust, die Plastikäpfel oder die altmodischen Krüge im Raum Hinweise. Wir betrachten sie von allen Seiten – ohne Erfolg. Auch die Zahlen und Buchstaben, die teilweise auf den Gegenständen stehen, ergeben für uns keinen Sinn.

Wertvolle Minuten verstreichen, das Ticken der Uhr wird immer lauter. Viel zu spät fragen wir über unser Funkgerät Scheidegger um Hilfe, die uns nebenan über eine Kamera beobachtet. Sie sagt nur einen Satz – der erste Schlüssel gehört uns. Wie konnten wir nur so blind sein?

Keine Platzangst

Zu viel sei an dieser Stelle nicht verraten, unsere Nachfolger sollen auch etwas zum Knobeln haben. Mit 90 Franken für zwei und 120 Franken für drei bis vier Personen ist die Rätselstunde zwar kein Schnäppchen, unterhaltsam ist sie aber allemal. Auch kommt im «Escape Room» keine Platzangst auf, wie ich vor dem Spiel befürchtet hatte. Zeit dazu haben wir sowieso nicht – denn unsere Flucht ist ziemlich stressig. Leider scheitern wir am Schluss nochmals an einer Aufgabe und schon holt uns ein schrilles Klingeln in die Realität zurück.

Die Stunde ist abgelaufen und wir haben den Schlüssel aller Schlüssel nicht. Glücklicherweise befreit uns Scheidegger – gerne hätten wir das alleine geschafft. Vielleicht sollten wir es in ein paar Monaten im «Family Adventure im Dschungel» versuchen – Vladimira Scheidegger will dann den weltweit ersten «Escape Room» für Kinder eröffnen.

«Zürichescape» befindet sich an der Zeughausstrasse 51. Mehr Infos unter zurichescape.ch

*Inhaberin Vladimira Scheidegger (29).

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