Aktualisiert 01.07.2011 07:56

Elektronik und Maschinen

Wir sind neuer Innovations-Weltmeister

Die Schweiz ist das innovativste Land der Welt. Forschung und Top-Personal sei Dank. Der schwächelnde Euro könnte aber den Spitzenplatz gefährden.

von
Valeska Beck
Schweizer Erfindung: Der 3-D-Scanner für das Digitalisieren menschlicher Gesichter.

Schweizer Erfindung: Der 3-D-Scanner für das Digitalisieren menschlicher Gesichter.

Auf der Rangliste der inno­vativsten Länder hat sich die Schweiz von Platz sieben im Jahr 2009 auf Platz eins vorgekämpft. Das ist das Ergebnis einer Studie der Strategieberatung Booz & Company. Der Spitzenplatz hat für Innovations­experte Beat Hotz-Hart von der Universität Zürich gute Gründe: «Die Schweiz verfügt über hoch qualifizierte Leute, ein günstiges politisches und soziales Umfeld und hohe Forschungsanstrengungen – besonders von Seiten der Unternehmen.»

Führend in Sachen Innovation seien die Elektronik-, Instrumente- und Chemiebranche, aber auch der Maschinen- und Apparatebau und die Informatik. So wurde an der ETH Zürich beispielsweise ein 3-D-Scanner für Disney Research entwickelt, der menschliche Gesichter und deren Mimik dreidimensional für die Anwendung in Ani­mationsfilmen digitalisieren kann.

Doch die Schweiz darf sich laut Hotz-Hart nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. «Es ist wie im Sport: Wir müssen immer weiter trainieren, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.» Sorgen bereitet dem Innovationsexperten derzeit der schwache Euro gegenüber dem Franken. «Wenn dadurch die Margen der exportorientierten Unternehmen weiter schrumpfen, fehlt ihnen das Geld für neue Innovationsprojekte.» Dann drohe die Gefahr, bald von der Konkurrenz überholt zu werden. Der Schweiz am dichtesten auf den Fersen sind laut der Studie Schweden und Singapur. Kri­terien waren stabile politische Verhältnisse, das Ausbildungsniveau oder die Forschungsausgaben.

«Wir müssen Sorge tragen»

Frau Sekanina*, die Schweiz wurde zum Innovationsweltmeister gekürt. Können wir die Korken knallen lassen?

Klara Sekanina: Zum Zurücklehnen besteht kein Grund. Am Anfang jeder Innovation steht ein kreativer Wissenschaftler. Darum muss es gelingen, mehr junge Leute für technische oder naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern.

Was muss die Schweiz noch tun, um ihren Spitzenplatz in ­Zukunft zu verteidigen?

Zu den Standortvorteilen Sorge tragen: die tiefe Regulierungsdichte, eine ausreichende Finanzierung der Forschung und Innovation und ein leistungs­fähiges Netzwerk von Hochschulen.

Wie wichtig sind Innovationen für die Schweiz?

Sehr wichtig. Wer «Me-too»-Produkte herstellt, wird auswechselbar. Nehmen wir die Frankenstärke: Die exportierenden Firmen leiden, aber mit ­innovationsbedingten höheren Margen lassen sich währungsbedingte Mindereinnahmen eher verkraften.

*Klara Sekanina ist Direktorin der Kommission für Technologie und

Innovation (KTI)

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