Aktualisiert 28.07.2016 18:35

Eusebio Di Francesco«Wir sind nicht mehr die Grössten»

Sassuolo Calcio war in der letzten Saison das Überraschungsteam der Serie A. Trainer Eusebio Di Francesco nennt es ein «kleines Märchen».

von
E. Tedesco
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Am Donnerstag steigt der FC Luzern in der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League ins internationale Geschäft ein. Vor dem Hinspiel gegen Sassuolo Calcio sind die Selfies mit den Spielern bei den Kids begehrt.

Am Donnerstag steigt der FC Luzern in der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League ins internationale Geschäft ein. Vor dem Hinspiel gegen Sassuolo Calcio sind die Selfies mit den Spielern bei den Kids begehrt.

Keystone/urs Flueeler
Markus Neumayr hat bereits mit Vaduz Europacup-Luft geschnuppert. Der Deutsche hat sich gut eingelebt und sich auch schon ans turbulente Umfeld rund um den FCL gewöhnt, das ganz anders ist als in Vaduz. «Da hast du nie Unruhe, ausser wenn eine Kuh einen Haufen macht.»

Markus Neumayr hat bereits mit Vaduz Europacup-Luft geschnuppert. Der Deutsche hat sich gut eingelebt und sich auch schon ans turbulente Umfeld rund um den FCL gewöhnt, das ganz anders ist als in Vaduz. «Da hast du nie Unruhe, ausser wenn eine Kuh einen Haufen macht.»

Keystone/urs Flueeler
David Zibung nimmt den vierten Anlauf in die Gruppenphase der Europa League. Zuletzt ist der FCL in der Saison 2014/15 gegen die schottischen Amateure von St. Johnstone ausgeschieden. «Das war wirklich peinlich», erinnert sich der Goalie.

David Zibung nimmt den vierten Anlauf in die Gruppenphase der Europa League. Zuletzt ist der FCL in der Saison 2014/15 gegen die schottischen Amateure von St. Johnstone ausgeschieden. «Das war wirklich peinlich», erinnert sich der Goalie.

Keystone/urs Flueeler

Platz 6 belegte Sassuolo Calcio in der letzten Saison in der Serie A. Noch vor Lazio Rom und dem 18-fachen Meister Milan. Dafür gab es die erstmalige Qualifikation für die Europa League in der Vereinsgeschichte als Belohnung. Trainer Eusebio Di Francesco sagt: «Uns ist ein kleines Märchen gelungen, zumal wir wirtschaftlich eine kleine Nummer sind in Italien.»

85 Millionen Euro beträgt das Budget des Clubs aus der Kleinstadt in der Nähe von Modena. Für italienische Verhältnisse schmal, wenn man bedenkt, dass Juve allein für Superstar Gonzalo Higuaín 90 Millionen Euro Ablöse nach Neapel überweist. Aber viel für Schweizer Verhältnisse: über 70 Millionen mehr, als der Etat des FC Luzern beträgt, und auch mehr als das Doppelte des Budgets des FCB.

Kein einziger Transfer aus dem Ausland

Sassuolo hat keine Superstars. «Unsere Stärke ist das Kollektiv und die Demut, mit der bei uns gearbeitet wird», sagt Di Francesco. Bescheiden ist man auch auf dem Transfermarkt. Sassuolo ist die einzige Mannschaft im europäischen Vergleich, die ohne Transfers aus dem Ausland auskommt. Die drei Ausländer im Team haben zuvor auch schon in Italien gespielt.

Mit Di Francesco hat Sassuolo einen Trainer der neuen Garde. Einen Trendsetter, wie man in Italien über ihn sagt. Der 47-Jährige lässt attraktiven, offensiven Fussball spielen. Und das im Land, wo in erster Linie das Resultat zählt und nach dem Führungstreffer die Angriffsbemühungen meist eingestellt werden. Den Offensivdrang hat Di Francesco von Zdenek Zeman übernommen. Der letztjährige Lugano-Coach war zwischen 1997 und 1999 Di Francescos Trainer bei der AS Roma. Allerdings lässt er nicht auf Teufel komm raus stürmen, wie es Zeman oft tat, sondern legt – wieder typisch italienisch – auch Wert auf gute Defensivarbeit.

Eine Ahnung vom Schweizer Fussball

Di Francesco hat Respekt vor dem Schweizer Fussball, und anders als viele Italiener interessiert er sich auch dafür. Die These, dass Italiener nicht über die Grenzen hinausschauen, verwirft er. «Wir sind vielleicht taktisch gut, aber nicht mehr die Grössten im europäischen Fussball. Ich habe schon eine Ahnung vom Schweizer Fussball – nicht nur, weil wir gegen Luzern spielen. Mein Mentor und ehemaliger Trainer Zdenek Zeman war letztes Jahr Trainer in Lugano, deshalb habe ich den Schweizer Fussball schon vorher verfolgt.»

Und sich wohl auch bei ihm erkundigt, schliesslich hat Lugano die Zentralschweizer letzte Saison aus dem Cup-Halbfinal gekegelt. Zudem hat der Sassuolo-Trainer Luzern im Test gegen Schalke und zuletzt beim Saisonauftakt in Lugano beobachten lassen. «Gegen Schalke waren sie besser als in Lugano», sagt Di Francesco. Die Italiener nehmen Luzern nicht auf die leichte Schulter. «Es gibt im modernen Fussball keine einfachen Gegner mehr. Uns bietet sich eine grosse Chance, und die wollen wir wahrnehmen.» Auf die Frage nach Di Francescos Wunschresultat, antwortet er: «Sempre vincere. Wir wollen immer gewinnen.»

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