Aktualisiert 27.11.2009 09:07

Iran

«Wir sind schockiert»

Traurige Premiere: Die iranischen Behörden haben die Medaille und das Diplom der Juristin und Menschenrechtlerin Schirin Ebadi für ihren Friedensnobelpreis 2003 beschlagnahmt. Norwegen reagierte empört.

Der Iran hat die Medaille von Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi beschlagnahmt. Dies bestätigte die Anwältin am Donnerstag. Zuvor hatte die norwegische Regierung mitgeteilt, dass die Medaille und auch das dazugehörige Diplom aus dem privaten Safe der Ebadis entwendet worden seien. Aussenminister Jonas Gahr Störe sprach von einem schockierenden Vorfall, wie er sich in dieser Form in der 108-jährigen Geschichte der Auszeichnung noch nie ereignet habe: «Es ist das erste Mal, dass nationale Behörden einen Nobelpreis für Frieden konfisziert haben.»

Das norwegische Aussenministerium bestellte einer Sprecherin zufolge den iranischen Botschafter in Oslo ein, um seinen Protest zu bekunden. Dabei sei auch grosse Besorgnis darüber geäussert worden, dass Ebadis Mann unlängst in Teheran festgenommen und schwer geschlagen worden sei. Anschliessend seien seine Rente und sein Bankkonto eingefroren worden.

Ebadi hat sich als Menschenrechtsanwältin einen Namen gemacht und sich besonders für die Rechte von Frauen und Kindern im Iran eingesetzt. Dafür wurde sie 2003 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nach der umstrittenen Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im vergangenen Juni hat sie an die internationale Gemeinschaft appelliert, sich für Neuwahlen einzusetzen und die Niederschlagung der Proteste zu verurteilen.

Die Konfiszierung gilt als Zeichen dafür, das die Regierung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad immer härter gegen jede abweichende Meinung vorgeht.

Auf Anordnung des Teheraner Revolutionsgerichts hätten die Behörden die Medaille vor drei Wochen aus dem Safe konfisziert, erklärte sie in einem Telefoninterview aus London. Sie hätten auch den Orden der Ehrenlegion und einen Ring beschlagnahmt, den sie in Deutschland erhalten habe, sagte Ebadi. Die Behörden hätten auch ihr Konto eingefroren und verlangten von ihr und ihrem Mann Steuern auf das Preisgeld, obwohl dies im iranischen Steuergesetz nicht vorgesehen sei. Weiter versuchten die Behörden offenbar auch, ihre Wohnung zu beschlagnahmen.

Ebadi kündigte an, sie werde in den Iran zurückkehren, wenn dies nützlich für das Land sei. Sie hatte den Iran einen Tag vor der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni verlassen, um an einer Konferenz in Spanien teilzunehmen. Im Iran wurden seitdem Hunderte Reformanhänger festgenommen. Auch ihr Mann Dschavad Tavassolian, ihr Bruder und ihre Schwester seien bedroht worden.

Norwegens Aussenminister Stre meinte: «Es geschieht zum ersten Mal, dass ein Staat den Friedensnobelpreis beschlagnahmt. Wir sind schockiert und haben nicht das geringste Verständnis dafür.» Neben der Medaille und dem Diplom hatte Ebadi 2003 in Oslo auch die Dotierung des Nobelpreises von zehn Millionen Kronen (1,8 Millionen Franken) in Empfang genommen.

(sda/dapd)

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