Mein Traumjob: Wir sind schon rebellisch hier
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Mein TraumjobWir sind schon rebellisch hier

Mit 18 hat Jubaira Bachmann die Schule
geschmissen. Heute ist sie 33 und Chefin der Musiksender MTV und Viva – vor und hinter der Kamera. Eine Selfmade-Karriere.

von
Martin Fischer

Ich denke, ich bin eine ziemlich strenge Chefin. Ich habe meine Linie, was Arbeit und Effizienz betrifft. Aber ich bin fair: Wenn sich jemand reinkniet und viel arbeitet, sage ich auch mal: ‹Weisch was, komm doch morgen ein bisschen später.›

Mein genauer Jobtitel ist Channel Mana­ger MTV und Viva Schweiz. Das heisst, ich bin zuständig für die Fernseh­kanäle MTV und Viva in der Schweiz und habe die Verantwortung für das Sendeprogramm, das Marketing, Musik, On-Air-Design – alles, was es halt braucht für den Sender. Dazu kommt noch das Moderieren von ‹Brand:Neu›: Alle zwei Wochen fliege ich nach Berlin und nehme an einem Tag zwei Sendungen auf.

Bei meinem Job gibt es so viele Baustellen, ich kenne eigentlich kein Daily Busi­ness. Diese Abwechslung ist das Coolste an meiner Arbeit. Ich kümmere mich zum Beispiel mit meinem Marketingverantwortlichen um Medienpartnerschaften oder Inseratekampagnen und wie man die budgetiert. Aber auch um kleinere Sachen wie Ticket­verlo­sungen oder ob unser Logo auf ein Plakat kommt oder nicht. Dann natürlich die Musik: Die Playlist muss wöchentlich angepasst werden, mit neuen Videos, Premieren und Specials. Ich muss eigentlich alles absegnen, was bei MTV und Viva passiert. Und es ist mir auch wichtig, dass ich über alles informiert bin. Denn auch wenn ich vieles nicht selbst mache: Ich trage die Verantwortung.

Ein Stück weit bin ich sicher das Gesicht von MTV Schweiz geworden. Ich glaube, es hilft einem Medium und einer Firma, ein Gesicht zu haben. Das gibt eine Identität, es existiert jemand, der dafür steht. Man kann sicher sagen, dass ich diese Marke lebe und mich mit ihr identifiziere. MTV passt zu mir. Und ich nehme die Marke in Schutz, wenn es sein muss. Etwa, wenn der Vorwurf kommt, dass wir zu wenig Musik bringen. Das stimmt einfach nicht! Wir haben 55 Prozent Musik­anteil, und zu MTV Networks gehören diverse Spartensender, die nur Musik bringen.

Ein Chef kann und sollte den Charakter seiner Firma mitprägen. Jeder Chef hat ja seinen eigenen Geschmack und Führungsstil, und der soll auch einfliessen. Ich mache das zum Beispiel mit der Musikauswahl. Wir setzen lieber auf gute Musik, auch von unbekannteren Künstlern, wie James Blake oder I Blame Coco. Die haben wir schon gespielt, bevor sie in den Radios liefen. Natürlich muss ich auch auf die Charts und kommerziell erfolgreiche Clips achten, aber wir sind schon ein bisschen rebellisch hier. Das passt zu einem Teil von mir, der gern ab und zu eine Fuck-you-Haltung einnimmt.

Ich kann auch mal laut werden und heftig ausrufen. Aber danach ists dann auch schon wieder vom Tisch, schmerzvoll, dafür nur kurz. Heute habe ich sicher mehr Verständnis für Sachen, die nicht ganz so klappen, wie ich es will. Ich schreie nicht mehr so oft ins Telefon wie früher.»

So kommst du rein: Jubairas Karrieretipps.

1. Ehrgeiz

«Es gibt so viele Wege, in die Medien­branche reinzukommen. Da kommt es vor allem auf Ehrgeiz, Eigeninitiative und

Talent an. Ich war schon früh unglaublich ehrgeizig und gab alles. Für das Magazin ‹More› bin ich ein paar Mal auf eigene Kosten nach New York geflogen, um coole Interviews zu kriegen.»

2. Durchsetzen

«Frauenbonus? Fuck that. Das hat mich gar nie interessiert. Du musst dich halt durchsetzen. Punkt. Du musst dich beweisen und besser sein als die anderen.»

3. Interesse

«Es ist nicht unbedingt der grösste Nerd gefragt. Aber ein breites Interesse für

Musik ist wichtig. Auch für die Industrie, die ganzen Labels. Man muss die Kontakte pflegen und mit den Leuten fair umgehen. Die Schweiz ist so klein, da läuft man sich früher oder später wieder über den Weg.»

4. Offenheit

«Geh nie davon aus, dass du alles weisst. Egal, in welchem Bereich. Gesteh Fehler ein. Man kann immer dazulernen und an sich arbeiten. Das nehme ich mir bis heute zu Herzen.»

5. Aussehen

«Wer sagt, das Aussehen zähle nicht:

Bullshit! Zumindest beim Moderieren. Ich hab mal wegen Liebeskummer stark abgenommen – und genau in dieser Zeit habe ich am meisten Aufträge gekriegt. Seit drei Jahren habe ich einen Personal Trainer. Ab 30 konnte ich leider nicht mehr einfach so alles essen. Wer moderieren will, muss sein Aussehen pflegen.»

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