Grenze zwischen Polen und Belarus – «Wir sind so hungrig, es gibt kein Wasser und kein Essen hier»
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Grenze zwischen Polen und Belarus«Wir sind so hungrig, es gibt kein Wasser und kein Essen hier»

Mindestens 2000 Migranten sind aktuell an der Grenze zwischen Polen und Belarus bei eisigen Temperaturen gestrandet. Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht.

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Mitglieder einer kurdischen Familie aus dem Irak, die schon 20 Tage im Wald verbracht haben. Das jüngste ihrer Kinder ist erst fünf Monate alt.

Mitglieder einer kurdischen Familie aus dem Irak, die schon 20 Tage im Wald verbracht haben. Das jüngste ihrer Kinder ist erst fünf Monate alt.

AFP
Sie seien von weissrussischen Soldaten geschlagen und mit Hunden bedroht worden, so die kurdische Familie.

Sie seien von weissrussischen Soldaten geschlagen und mit Hunden bedroht worden, so die kurdische Familie.

AFP
Die humanitäre Situation im Grenzgebiet spitzt sich weiter zu.

Die humanitäre Situation im Grenzgebiet spitzt sich weiter zu.

REUTERS

Darum gehts

  • Die Lage an der Grenze zwischen Belarus und Polen bleibt angespannt.

  • Angeblich sind erste Migrantengruppen durch die Grenzbefestigungen gebrochen.

  • Eine politische Lösung des Problems ist nicht in Aussicht.

Die Situation an der Grenze zwischen Belarus und Polen bleibt kritisch. Bei Minustemperaturen, schlechten hygienischen Bedingungen und ohne genügend Nahrung sowie sauberem Trinkwasser sitzen mehrere Tausend Migranten und Migrantinnen fest.

«Nirgendwo werden wir reingelassen», sagte der 33-jährige Iraker Shwan Kurd dem britischen Nachrichtendienst BBC im Videoanruf. Seine Reise führte von Bagdad über die weissrussische Hauptstadt an die mit Stacheldraht befestigte Grenze. Es gebe keinen Ausweg, Polen lasse sie nicht hinein. Jede Nacht fliegen Helikopter über das Gebiet, wodurch an Schlaf kaum zu denken sei. «Wir sind so hungrig. Es gibt kein Wasser und keine Nahrungsmittel hier. Es hat kleine Kinder, alte Frauen und Männer sowie Familien.»

«Am besten wäre es, wir würden die Geflüchteten aufnehmen»

Auf Befehl Lukaschenkos, der als «letzter Diktator Europas» verschrien wird, sollen Menschen aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Libyen und Irak gezielt eingeflogen worden sein, um sie dann in Richtung EU-Grenze zu schleusen. In der Nacht auf Mittwoch sollen nun erstmals Migranten und Migrantinnen die Grenze durchbrochen haben. Bilder von Menschen mit tiefen Schnittwunden an den Handflächen sollen Personen zeigen, die die Stacheldrahtzäune überwinden konnten. Einige der Migranten und Migrantinnen seien nach Belarus zurückgebracht worden, andere seien auf freiem Fuss.

Die Zeitungen von CH Media berichten vom freiwilligen polnischen Helfer Mateusz Janicki, der die schwierige Situation der Geflüchteten zumindest etwas zu lindern versucht. Für ihn ist klar: «Am besten wäre es, wir würden die Geflüchteten aufnehmen. Damit nähmen wir Lukaschenko die Waffe aus der Hand». Der 37-Jährige vergleicht die Krise mit einer Granate, welche sich die Regierungen der beiden Staaten hin- und herwerfen. Sobald eine Seite die Nerven verliere, explodiere sie.

«Ich will ein sicheres und besseres Leben»

Auch der 14-jährige Redost Ahmand aus dem nördlichen Irak (Autonome Region Kurdistan) sitzt mit seinem Vater und seinen drei Brüdern an der polnisch-weissrussischen Grenze fest. Wie «Bild» schreibt, ist der Junge mit seiner Familie über den Irak nach Istanbul und dann weiter über Minsk ins Grenzgebiet gereist. Aktuell befindet er sich im Wald bei Grodno (Belarus) und berichtet, wie er und seine Familie von Polizeigewalt getroffen wurden. Man habe Gewalt und Pfefferspray gegen sie eingesetzt, so der 14-Jährige. Redosts Vater ist aktiver Facebook-Nutzer und dokumentiert die Flucht der Familie in Videos und Bildern.

Da der Junge offenbar einer von wenigen Migranten ist, der Englisch spricht, richtete er schon mehrfach die Anliegen von ihm und seiner Familie an die polnischen Einsatzkräfte. Gegenüber «Bild» sagt er: «Ich will ein sicheres und besseres Leben. Ich will nach Deutschland, ich will nicht nach Grossbritannien, ich will einfach nach Deutschland kommen. Ich liebe die Menschen in Deutschland, ich liebe alles in Deutschland. Aber ich kann nicht kommen, weil die Polizei in Polen uns nicht gehen lässt.»

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(DPA/bre)

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