29.06.2020 18:42

Berner Stapi über illegalen Rave

«Wir sind von der Party überrascht worden»

Nach der illegalen 20-Stunden-Party bei der Berner Reitschule wurde auch Kritik an der Kantonspolizei laut. Diese sei viel zu spät eingeschritten, so der Vorwurf. Stadtpräsident Alec von Graffenried nimmt Stellung.

Darum gehts

  • Hunderte feierten am Wochenende bei einer illegalen Technoparty bei der Berner Reitschule.
  • Trotz dichtem Gedränge gab es gemäss Aussagen von Besuchern kein Schutzkonzept.
  • Für Kritik sorgt nicht nur das Verhalten von Organisatoren und Teilnehmern, sondern auch jenes der Polizei, welche den Rave erst am Sonntagmorgen beendete.
  • Auch nach Ansicht von Stadtpräsident Alec von Graffenried kam die Intervention zu spät.

Fast einen ganzen Tag dauerte die illegale Berner Technoparty am vergangenen Wochenende, die als Daydance angekündigt war und sich schliesslich bis zum Sonntagmorgen hinzog. Am Samstagabend tummelten sich auf dem Vorplatz der Reitschule Hunderte Besucher, womöglich waren es mehr als tausend. Abstände einhalten: unmöglich. Masken und Kontaktlisten: Fehlanzeige.

Bei vielen Lesern löst die Massenveranstaltung grosses Unverständnis aus. Von «bescheuert und verantwortungslos» ist in der Kommentarspalte die Rede, von einem «Schlag ins Gesicht aller, die sich an die Anweisungen gehalten haben».

Doch nicht nur an den Organisatoren und Teilnehmern wird Kritik laut, sondern auch an der Polizei, die den Rave erst am Sonntagmorgen auflöste. Sie habe dem Treiben zu lange zugesehen und die Meute gewähren lassen, so der Vorwurf. Ein Leser schreibt: «Hundert Lärmklagen und trotzdem 21 Stunden, bis dein Freund und Helfer eingreift – wärs ein lauter Sportwagen und ein einziger Kläger, wäre wohl die Sondereinheit Enzian eingefahren.»

«Party am Nachmittag auflösen wäre einfacher gewesen»

Auch Stadtpräsident Alec von Graffenried verurteilt den illegalen Event: «Eine Party ohne Schutzmassnahmen liegt natürlich nicht drin.» Zugleich räumt er ein, dass die Polizei es versäumt habe, rechtzeitig einzugreifen: «Es war sicher nicht in unserem Interesse, dass die Party so lange am Laufen war. Da sind wir auch etwas überrascht worden.»

Der Gemeinderat müsse nun bei der Polizei abklären, warum diese der Veranstaltung nicht schon am Nachmittag ein Ende bereitet habe, als sie noch spärlich besucht war. Zu berücksichtigen sei sicher auch, dass die Einsatzkräfte aufgrund mehrerer Demonstrationen in der Innenstadt stark absorbiert gewesen seien, so von Graffenried. «Aber klar: Die Party aufzulösen, wäre am Nachmittag einfacher gewesen. Nach Mitternacht, als sie mit mehreren Hundert Personen im Gang war, war das ohne unverhältnismässigen Einsatz nicht mehr möglich.»

Ein Fall wie dieser dürfe sich nicht wiederholen, mahnt der Stadtpräsident: «Wir wollen keine Superspreader-Partys.» Um solche zu verhindern, müsse die Szene genau beobachtet, rechtzeitig interveniert und allenfalls auch mal ein Areal abgesperrt werden. Ein Partyverbot sei derzeit kein Thema: «Man soll Partys machen können, wir wollen nicht einen Sommer ohne Feste. Aber es gibt Schutzkonzepte – und diese gelten für alle.»

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Von Samstag Vormittag bis Sonntag in der Früh fand auf dem Vorplatz der Berner Reithalle ein Rave statt.

Von Samstag Vormittag bis Sonntag in der Früh fand auf dem Vorplatz der Berner Reithalle ein Rave statt.

Leser-Reporter
Ursprünglich war die illegale Party als Dayrave angekündigt.

Ursprünglich war die illegale Party als Dayrave angekündigt.

zvg
Laut Augenzeugen haben einige Tausend Menschen den Event besucht.

Laut Augenzeugen haben einige Tausend Menschen den Event besucht.

Leser-Reporter
(sul)

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153 Kommentare
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Janu

30.06.2020, 14:02

Es wird immer händeringend nach Ausreden gesucht. Am Ende ist niemand mehr für irgendwas verantwortlich. Na dann Gute Nacht.

Sara

30.06.2020, 09:42

Die Veranstalter und die Teilnehmer dieser Party sind verantwortungslos und sollten ermittelt und gebüsst werden! Dies mit einer Geldbusse die schmerzt!

Käumlich

30.06.2020, 09:36

Eine Party ohne Schutzmassnahmen liegt natürlich nicht drin! Nach diesem Spektakel frage ich mich nur, liegt Herr von Graffenried noch drin?