Aktualisiert 08.03.2004 23:45

«Wir sind wütend»

Tausende von Frauen sind am Internationalen Tag der Frau in mehreren Schweizer Städten auf die Strasse gegangen und haben gegen die Diskriminierung der Frau demonstriert.

Mit roten Kleidern, Pfeifkonzerten und Protestreden warben sie für ein Ja zur Mutterschaftsversicherung und die Ablehnung der 11. AHV-Revision.

Der Frauentag stand unter dem Motto «Wir sind wütend». Die Frauen prangerten insbesondere die nach wie vor vorhandene Diskriminierung der Frau am Arbeitsplatz an. Sie forderten gleichen Lohn für gleiche Arbeit, die Anerkennung von Teilzeitarbeit, aber auch die flächendeckende Einführung von Tagesschulen und mehr Kinderkrippen. Wütend zeigten sich die Frauen insbesondere auch über die 11. AHV-Revision. Sie sei eine reine Abbauvorlage, die auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werde. So werde das Rentenalter für die Frau erneut heraufgesetzt und die Witwenrente gekürzt. Wütend zeigten sich die Frauen auch darüber, dass sie seit fast 60 Jahren auf eine Mutterschaftsversicherung warten. In Reden, auf Transparenten und Flyern setzten sich die Frauen für ein Nein zur 11. AHV-Revision und ein Ja zum bezahlten Mutterschaftsurlaub ein.

Bereits am Morgen früh machten Hunderte von Frauen an mehreren Bahnhöfen auf den Frauentag aufmerksam. Eingepackt in rote Mützen, Schals und Jacken verteilten sie Flugblätter und Ballons. «Frauen wacht auf» lautete ihre Botschaft an die Pendlerinnen, der sie mit Weckern, Rasseln und Trillerpfeifen lautstark Nachdruck verliehen. In Zürich wurden die rund 50 protestierenden Frauen vom Sicherheitspersonal der SBB vom Bahnhofsgelände gewiesen, da politische Aktionen auf SBB-Arelen nicht erlaubt ist. Wie Erika Trepp von der Gewerkschaft VHTL auf Anfrage sagte, führten die Frauen vor den Hauptbahnhof-Eingängen ihre Aktion aber weiter.

Am Mittag fanden in mehreren Städten Protestpausen statt. Am Zürcher Paradeplatz machten rund 1.000 Frauen mit Pfeifen und andern Lärminstrumenten ihrer Wut Luft. Am Berner Kornhausplatz waren es rund 800 Frauen. Am Abend sollten in grösseren Städten Kundgebungen und Frauenfeste stattfinden. Die Protestaktionen werden vorab von linken Frauenorganisationen und Gewerkschaften getragen. Aus Anlass des Frauentages reichte die SP eine parlamentarische Initiative, die mehr Frauen im Bundesrat fordert.

Im Gegensatz zu früheren Jahren nahmen an den Veranstaltungen diesmal auch viele jüngere Frauen teil. Ein Grund für ihre Teilnahme war die Empörung über die Bundesratswahlen beziehungsweise die Abwahl von Ruth Metzler. Kurz nach den Bundesratswahlen waren bereits 12.000 Frauen auf die Strasse gegangen. (dapd)

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