Femizid in Winterthur: «Wir sind wütend und tieftraurig» – Unbekannte färben Brunnen rot ein
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Femizid in Winterthur«Wir sind wütend und tieftraurig» – Unbekannte färben Brunnen rot ein

Der Dorfbrunnen in Oberwinterthur wurde kürzlich rot eingefärbt. Unbekannte wollen mit der Aktion die Menschen wachrütteln und auf Femizide aufmerksam machen.

von
Monira Djurdjevic
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In Oberwinterthur wurde der Dorfbrunnen rot eingefärbt. 

In Oberwinterthur wurde der Dorfbrunnen rot eingefärbt.

barrikade.info
Unbekannte wollen mit der Aktion die Menschen wachrütteln und auf Femizide aufmerksam machen. 

Unbekannte wollen mit der Aktion die Menschen wachrütteln und auf Femizide aufmerksam machen.

Die Polizei hat im Februar die 32-jährige Mutter J. S. mit Schussverletzungen tot aufgefunden.

Die Polizei hat im Februar die 32-jährige Mutter J. S. mit Schussverletzungen tot aufgefunden.

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Darum gehts

  • Im Februar war eine Mutter (32) in ihrer Wohnung in Winterthur erschossen worden.

  • Als Reaktion auf das Tötungsdelikt haben Unbekannte in Oberwinterthur den Dorfbrunnen rot eingefärbt.

  • Sie wollen damit auf Femizide, Frauentötungen, hinweisen.

Die 32-jährige Mutter J. S.* wurde im Februar mit Schussverletzungen in einem Mehrfamilienhaus in Winterthur tot aufgefunden. Der 76-jährige S. M.* aus Serbien wurde vor Ort festgenommen. Er ist der Grossvater des 36-jährigen Ehemanns der Getöteten. Der Vater der Getöteten berichtete nach der Tat von Eheproblemen des Paares. «Meine Tochter wollte sich von ihrem Ehemann scheiden lassen.»

Als Reaktion auf das Tötungsdelikt haben Unbekannte nun in Oberwinterthur den Dorfbrunnen rot eingefärbt. Wie es auf der Online-Plattform Barrikade.info heisst, will man mit der Aktion die Menschen wachrütteln. «Wir sind empört, dass unsere Gesellschaft Gewalt an Frauen und FLINT-Personen (Frauen, Lesben, Interpersonen, Nonbinäre Personen und Transpersonen) als Status Quo hinnimmt und unsere Gesetzeslage Betroffenen von sexualisierter und häuslicher Gewalt kaum Rückhalt bietet.»

Es sei bereits der vierte Femizid dieses Jahr in der Schweiz. «Wir sind wütend und tieftraurig, weil wir wissen, dass weitere Femizide folgen werden.»

Ein weltweites Problem

Der Duden definiert Femizid als «tödliche Gewalt gegen eine Frau oder Frauen aufgrund des Geschlechts». Der Begriff stammt ursprünglich aus den USA, wurde aber um die Jahrtausendwende von lateinamerikanischen Aktivistinnen aufgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Lateinamerika alle zwei Stunden eine Frau durch einen Mann getötet wird. Die Definition in der spanischen Sprache geht noch ein Stück weiter als der deutsche Duden: Ein «Feminicidio» bezeichnet die Ermordung einer Frau durch einen Mann wegen «Machismo» oder Frauenfeindlichkeit.

Auch in Buchs SG wurde kürzlich die 22-jährige Mutter L. G.* getötet. Sie hinterlässt ein 1,5-jähriges Kind. Der mutmassliche Täter: ihr Verlobter. N. O.* (24) wurde verhaftet.

Jede Woche erfolgt in der Schweiz ein Tötungsversuch in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Alle zwei Wochen stirbt eine Frau, durchschnittlich sind es 25 Personen pro Jahr, die infolge häuslicher Gewalt ihr Leben verlieren. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik für die Jahre 2009 bis 2018.

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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