Rapper Clueso: «Wir spülen Scheisse mit Trinkwasser weg»
Publiziert

Rapper Clueso«Wir spülen Scheisse mit Trinkwasser weg»

Der deutsche Musiker Clueso nahm in Äthiopien den Song «Aand Nen – We Are One» zugunsten einer Wasserinitiative auf und spricht nun über seine Reise.

von
sts
1 / 9
«Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist in Äthiopien nichts Alltägliches, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt», nennt Clueso einen Grund für sein Engagement für die Wasserinitiative Viva con Agua.

«Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist in Äthiopien nichts Alltägliches, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt», nennt Clueso einen Grund für sein Engagement für die Wasserinitiative Viva con Agua.

Facebook Clueso / Christoph Köstlin
Der deutsche Rapper, Sänger und Songwriter Clueso reiste nach Äthiopien, um das Lied «Aand Nen - We Are One» aufzunehmen. Der Benefizsong ist seit letzter Woche als Download erhältlich.

Der deutsche Rapper, Sänger und Songwriter Clueso reiste nach Äthiopien, um das Lied «Aand Nen - We Are One» aufzunehmen. Der Benefizsong ist seit letzter Woche als Download erhältlich.

Facebook Clueso / Christoph Köstlin
Simon Wahlers (rechts) ist der Gewinner des Wettbewerbs #CreateTheCover von Adobe. Der Kommunikationsdesign-Student aus Hamburg durfte zusammen mit Clueso nach Äthiopien fliegen und das Cover für den Benefizsong gestalten.

Simon Wahlers (rechts) ist der Gewinner des Wettbewerbs #CreateTheCover von Adobe. Der Kommunikationsdesign-Student aus Hamburg durfte zusammen mit Clueso nach Äthiopien fliegen und das Cover für den Benefizsong gestalten.

Facebook Clueso / Christoph Köstlin

Nicht nur Schweizer Promis engagieren sich für die Umwelt: Der deutsche Rapper, Sänger und Songwriter Clueso nahm in Äthiopien das Lied «Aand Nen – We Are One» zugunsten von Viva con Agua auf. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser in Afrika einsetzt. Simon Wahlers ist der Gewinner des Wettbewerbs #CreateTheCover von Adobe. Der Kommunikationsdesign-Student aus Hamburg durfte zusammen mit Clueso nach Äthiopien fliegen und das Cover für den Benefizsong gestalten. Seit letzter Woche ist das Lied als Download erhältlich.

Clueso, wie viel Äthiopien steckt in «Aand Nen – We Are One» drin?

Clueso: Vor Ort war es schwierig, mit diesen Massen an Eindrücken einen Song zu schreiben. Normalerweise lässt man alles erst ein paar Tage sacken. Manche Sachen müssen sich setzen, das Wasser zieht sich weg und erst dann kommt die Welle. Wir haben im Songtext bewusst versucht, den mahnenden Zeigefinger wegzulassen, aber das war schwierig. Wir wollten die Situation in Äthiopien und unsere Erlebnisse unterschwellig in den Text einbauen. Durch Samuel Yirga steckt sehr viel Äthiopien drin. Er hatte Lust, seine Fusion-Jazz-R&B-Lines einzubauen. Es gibt Ethno-Jazz-Skalen, die im Song auftauchen.

Das Lied wird eindeutig von afrikanischen Rhythmen dominiert.

Clueso: Yirga ist schon Wahnsinn, wie schnell und präzise er spielen kann. Afrikanische Musik hat krasse Rhythmen, mit Takten, die ständig kreuz und quer gehen. Während der Aufnahme war Simon Wahlers dabei und hat die ganzen Impressionen aufgesogen. Das war cool, denn es passiert selten, dass derjenige dabei ist, der später das Cover visuell umsetzt.

Im Vorfeld gab es beim Wettbewerb #CreateTheCover über 200 Einsendungen. Alle wollten mit nach Äthiopien und bei der Entstehung des neuen Songs dabei sein. Wie ist die Wahl auf Simon Wahlers gefallen?

Clueso: Ich binde bei solchen Dingen immer meine besten Freunde ein und habe auch Leute von Viva con Agua gebeten, sich ihre Favoriten rauszusuchen. Dann suchte ich meine raus und legte das mit den anderen zusammen, um die Gemeinsamkeiten zu finden. Da war Simon noch gar nicht dabei (lacht). Ich habe dann nochmal geguckt und nach etwas gesucht, dass nicht so klassisch ist. Das Thema Afrika schwebte ja sowieso über alldem, das sollte natürlich nicht so plakativ rüberkommen. Simon hat das in seinen zwei Entwürfen genauso umgesetzt.

Simon Wahlers, wie sind diese Entwürfe entstanden?

Wahlers: Ein Kumpel, der mir immer ganze viele Veranstaltungen und Aktionen per Facebook schickt, schickte mir den Aufruf zum Wettbewerb. Normalerweise ignoriere ich das, aber ihm habe ich natürlich im Nachhinein gedankt. Dann habe ich mich ein paar Abende hingesetzt und wollte die Artworks unbedingt raushauen, bevor ich in die Ferien fahre. Natürlich habe ich auch geguckt, was die anderen so einsenden. Da wurde teilweise viel mit Klischees gearbeitet: Herzen, Afrika, Kinder, Wasser und so weiter. Ich wollte eine andere Richtung einschlagen und mit dem Cover verschiedene Welten aufeinandertreffen lassen.

Eure Reise ging insgesamt über zehn Tage. Welche Momente sind bei dir hängen geblieben?

Clueso: Wie immer im Leben die emotionalen Täler und Berge. Sachen, die mich krass bewegt haben, die man so noch nicht erlebt hat. Man kennt natürlich Bilder von Menschen, die auf der Strasse leben müssen. Ich habe auch in Deutschland viel Armut gesehen, aber nicht in diesem Ausmass. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in Äthiopien noch viel krasser. Da gibt es viele Menschen, die gar nichts mehr haben und nackt in der Sonne auf der Strasse liegen. Solche Szenen fand ich sehr bewegend. Für viele Menschen spielt im Alltag die Musik eine grosse Rolle. Selbst Lärm wird nicht so störend und reizüberflutend wahrgenommen wie etwa in Deutschland. Das hat alles einen anderen Groove. Zwar laut, aber nicht so unangenehm wie hier.

Ihr habt in Äthiopien auch zwei Konzerte gegeben. Inwiefern haben sie sich von den Konzerten unterschieden, die du sonst gibst?

Clueso: Die Leute kennen einen nicht. Ein Konzert war im Goethe-Institut, da waren schon ein paar Deutsche da. Ansonsten war die Wahl der Instrumente definitiv anders. Gash Abera Molla, der auch bei «We Are One» mitgeholfen hat, stand mit einer Laute auf der Bühne und hat die Hütte so was von abgebrannt (lacht). Die Musiker rockten wie in einem Stadion. Die haben Pflanzen ausgerissen und Blumen auf die Bühne geworfen, das war super. Der Groove war einfach super, da steckte irgendwie ein Urinstinkt drin. Du musst dich in Äthiopien nur an die Strasse stellen und in die Hände klatschen, es dauert nicht lange, bis mehr und mehr Leute hinzukommen. Am Ende stehen bis 20 Leute um dich herum und drehen durch. So etwas gibt es in unseren Breitengraden eher selten.

Was hast du für dich persönlich von der Reise mitgenommen?

Clueso: Als wir wieder in Deutschland waren, kam Background-Sänger Norman Sinn von der Toilette zurück und meinte: «Ich spüle gerade meine Schei**e mit Trinkwasser weg!» Das ist zwar sehr krass ausgedrückt, aber der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist in Äthiopien nichts Alltägliches, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt. Wir haben mit 1-Liter-Wasserflaschen geduscht, das war kein Problem. Hier steht man gern mal länger unter der Dusche, weil es so schön ist. Das heisst jetzt nicht, dass ich ab jetzt immer früher aus der Dusche rausgehe, aber mein Bewusstsein hat sich dadurch schon verändert.

#CreateTheCover

Im April hatte Adobe gemeinsam mit Clueso und der gemeinnützigen Organisation Viva con Agua zum Wettbewerb #CreateTheCover aufgerufen. Junge Künstler konnten sich per Einreichung eines Artworks zum Clueso-Song «Love the people» bewerben, um den Sänger bei seiner Reise nach Äthiopien zu begleiten. Innerhalb weniger Tage gab es über 200 Einreichungen. Clueso entschied sich schliesslich für den Entwurf des 30-jährigen Kommunikationsdesign-Studenten Simon Wahlers aus Hamburg. Wenige Tage später ging es nach Afrika. Von Beginn an war Wahlers somit mitten im kreativen Prozess zur Entstehung des Songs «Aand Nen – We Are One», der zusammen mit dem äthiopischen Jazz-Musiker Samuel Jirga sowie den mitreisenden Musikern Norman Sinn und Tim Neuhaus direkt vor Ort aufgenommen wurde.

Deine Meinung