Forschung: Wir spülen täglich Gold das WC hinunter
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ForschungWir spülen täglich Gold das WC hinunter

In menschlichen Fäkalien ist die Goldkonzentration höher als in Minen. Geologen wollen nun Edelmetalle aus Klärschlamm gewinnen.

von
cls
Auch ohne goldenes Klo  hier ein 4,8-Millionen-WC in Hongkong  gibts beim Gang aufs Klo Edelmetall.

Auch ohne goldenes Klo hier ein 4,8-Millionen-WC in Hongkong gibts beim Gang aufs Klo Edelmetall.

Kläranlagen sind wahre Goldgruben und erstaunlich reich an Edelmetallen. Wie viel Gold, Silber und Platin genau dort vorhanden ist, haben Forscher des US Geological Survey berechnet. Sie untersuchten in einem Zeitraum von acht Jahren den Anteil von Edelmetallen in Klärschlamm aus Wohngebieten. Die Ergebnisse liegen jetzt dem «Telegraph» vor.

Untersuchte man die gesamten Exkremente der britischen Bevölkerung auf Gold, Silber und andere Metalle wie Palladium oder Kupfer, würde man auf Edelmetalle im Wert von umgerechnet rund 730 Millionen Franken stossen, vermelden die Forscher. Somit spült jeder Brite theoretisch pro Jahr Edelmetall für umgerechnet 11.50 Franken das Klo hinunter.

Mehr Gold als in Minen

Denn die Edelmetall-Konzentration in britischen Fäkalien sei vergleichbar mit der, die man in kommerziellen Minen vorfinde, schreiben die Geologen. Dr. Kathleen Smith vom US Geological Survey sagt: «Wenn wir die schädlichen Metalle im Klärschlamm limitieren können, den wir als Dünger für Böden und Wälder nutzen könnten, und gleichzeitig wertvolle Mineralien gewinnen könnten, wäre das doch eine Win-win-Situation für alle.» Smith und ihr Team wollen daher prüfen, ob der Anteil an technologisch wichtigen Metallen im Klärschlamm gross genug wäre, um aus der Gewinnung ein lohnendes Geschäft zu machen. Interessesant wären vor allem Metalle wie Platin oder Vanadium, die für Smartphones oder PCs verwendet werden.

Edelmetallspuren befänden sich zudem überall: in Kosmetik, Shampoos, Socken und sogar im Essen, so Dr. Smith. Manche Fabrikate enthalten metallische Nanopartikel, um üblen Gerüchen vorzubeugen. Hinzu komme Abrieb von edlem Besteck oder aus medizinischen Produkten. Auch Schmuck wandere ab und zu versehentlich in die Abwasserkanäle.

Hunderte Dollar pro Tonne Klärschlamm

Allerdings ist die Methode recht umstritten. Die Edelmetalle sollen mit Hilfe von Chemikalien vom Klärschlamm getrennt werden. Dass das entstehende Sickerwasser unter Umständen umweltschädlich sein kann, sei kein Problem, sagt Smith. Die Schadstoffe würden nicht aus den Anlagen entweichen, sondern könnten mittels der üblichen Verfahren weiterverarbeitet werden.

Bereits eine andere Studie beschäftigte sich unlängst mit der Ertragsmöglichkeit im Klärschlamm. Der US-Umweltingenieur Paul Westerhoff mass eine Menge an verschiedenen Metallen im Klärschlamm von Grossstädten in den USA. Das Ergebnis: Im Klärschlamm von einer Ein-Millionen-Stadt finden sich Metalle im Gegenwert von bis zu 13 Millionen Dollar. Würde man sich auf die 13 meistvertretenen und wertvollsten Metalle im Klärschlamm von Grossstädten konzentrieren, erhielte man eine Ausbeute von 280 Dollar pro Tonne Klärschlamm, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie geltend machen.

Laut Bericht weist Hauptautor Westerhoff darauf hin, dass es natürlich nicht möglich sei, jedes Körnchen Edelmetall aus dem Schlamm zu extrahieren. Dennoch könne es gerade für Grossstädte lohnend sein, aus einem ansonsten kostenintensiven Entsorgungsproblem einen Ertrag zu erwirtschaften. So habe es die Stadt Sowa in Japan bereits geschafft, dass eine ihrer Kläranlagen, die sich in einer Gegend mit vielen Herstellern von Präzisionsinstrumenten befindet, aus einer Tonne Klärschlamm fast zwei Kilogramm Gold herausholte. Das sei mehr Gold, als es in vielen Minen zu holen gebe.

Das ist im Klärschlamm

Die Klärschlamm-Trockenmasse besteht durchschnittlich aus 45 Prozent organischer Substanz, 5,8 Prozent Calcium, 4,4 Prozent Stickstoff, 2,7 Prozent Phosphor, 0,5 Prozent Magnesium und 0,3 Prozent Kalium, wie die Eawag schreibt.

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