Self-Track-Pionier: «Wir stehen erst am Anfang dieses Zeitalters»
Aktualisiert

Self-Track-Pionier«Wir stehen erst am Anfang dieses Zeitalters»

Yago Veith ist Self-Tracker aus Überzeugung: Er überwacht seinen Körper mit verschiedensten Messmethoden. Was die Selbstvermesser antreibt, erklärt er im Interview.

von
R. Neumann
Self-Tracker Yago Veith glaubt, dass der Boom der Self-Tracker erst gerade begonnen hat.

Self-Tracker Yago Veith glaubt, dass der Boom der Self-Tracker erst gerade begonnen hat.

Herr Veith, wie gross ist die Self-Tracking-Szene der Schweiz?

Yago Veith: Das ist die grosse Frage. Aber was klar ist: Sie wächst und wächst. In diesem Jahr explodierten die Angebote für Armbänder jeglicher Art. Es gab noch nie so viele auf dem Markt wie jetzt.

Also ist der Trend noch nicht vorbei?

Im Gegenteil, wir stehen erst am Anfang des Zeitalters. In den nächsten Jahren kommen spannende Zeiten auf uns zu.

Klar, dass Sie das als Self-Tracker sagen müssen.

Nein, schauen Sie, was die grossen Unternehmen machen. Apple zum Beispiel hat einen Chip im neusten iPhone eingebaut, der nur als Bewegungssensor funktioniert, also bereits ein Schrittzähler ist. Mit Apps kann man das heute schon nutzen. Warum tut Apple das, wenn Sie nicht auf dem Markt mitspielen wollen? Das heisst, die anderen Player auf dem Markt müssen sich einen Mehrwert überlegen, den sie anbieten können.

Was soll das ständige Messen seines Körpers eigentlich bringen?

Es geht darum, sein eigenes Verhalten zu analysieren und zu verbessern. Also zu schauen, wie man in welchen Bereichen Entwicklungen machen kann. Egal, was man misst: Der Endeffekt ist, dass sich der Self-Tracker mehr bewegt. Und mehr Bewegung verbessert letztlich auch die Gesundheit. Zum Beispiel Schrittmesser: Man sollte 10'000 Schritte pro Tag machen, mit einem Tracker können Sie sehen, wie viel Ihnen dazu fehlt.

Aber nur weil ich sehe, dass ich heute erst 3000 Schritte gemacht habe, holt mich das dann vor dem Fernseher weg?

Vielleicht. Zumindest funktioniert das bei einigen Self-Trackern. Die sehen: Oh, ich habe mich heute noch zu wenig bewegt und laufen noch mal eine Runde um den Block. Oder sie veröffentlichen ihre Ergebnisse auf Social Media.

Warum sollte ich das tun? Um damit anzugeben?

Stolz ist nun mal ein urmenschlicher Instinkt. Aber es geht nicht immer ums Angeben. Für einige kann es einen zusätzlichen Motivationsschub sein, wenn danach zum Beispiel auf Facebook mit Gleichgesinnten über die Resultate diskutiert wird.

Schrittzähler sind das eine, aber warum sollte ich meinen Schlaf überwachen? Meine Blutwerte messen?

Das machen auch nur die extremen Nutzer. Oder Hochleistungssportler. Ich kenne eine Triathletin, die die Analyse ihrer Werte braucht, um herauszufinden, wo sie ein paar Hundertstel schneller werden kann. Aber es stimmt schon, für die grosse Masse ist das nicht interessant.

Hausärzte wehren sich gegen die Entwicklung und sagen, um seine Werte zu analysieren, brauche es Fachwissen.

Klar, dass die nicht Freude daran haben, wenn die moderne Welt ihre Arbeit zum Teil überflüssig macht. Natürlich braucht es einen Arzt, wenn es darum geht, komplexe Diagnosen zu tätigen. Aber um den Puls zu messen und zu überwachen, braucht es heute keinen Arzt mehr.

Ein Kritikpunkt ist, dass die Leute ihre Werte falsch lesen könnten und bei der kleinsten Abweichung sofort zum Onkel Doktor rennen.

Dazu wäre mir kein Fall bekannt. Aber der gleiche Effekt könnte auch Google haben – dort können Sie all Ihre Wehwehchen auch nachschlagen. Und wenn Sie sich per Internet selber diagnostizieren, könnten Sie auch auf die Idee kommen, unnötigerweise zum Arzt zu gehen.

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