Aktualisiert 09.03.2020 07:11

Coronavirus in Italien «Wir stehen vor einer nationalen Notlage»

Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch von Sars-CoV-2 betroffene Land. Die Gesamtzahl der am Coronavirus gestorbenen Menschen liegt bereits bei 366.

von
reuters
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Italien sperrt die Lombardei und 14 andere Gebiete weitgehend ab, darunter die Wirtschaftsmetropole Mailand und der Touristenmagnet Venedig. (8. März 2020)

Italien sperrt die Lombardei und 14 andere Gebiete weitgehend ab, darunter die Wirtschaftsmetropole Mailand und der Touristenmagnet Venedig. (8. März 2020)

Alfredo Falcone
Die Regierung in Rom rief am Sonntag alle einheimischen und ausländischen Touristen zum Verlassen der Quarantäne-Zonen in Norditalien auf. (8. März 2020)

Die Regierung in Rom rief am Sonntag alle einheimischen und ausländischen Touristen zum Verlassen der Quarantäne-Zonen in Norditalien auf. (8. März 2020)

Alfredo Falcone
Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch von Sars-CoV-2 betroffene Land. (8. März 2020)

Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch von Sars-CoV-2 betroffene Land. (8. März 2020)

Reuters/Yara Nardi

Im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie hat die italienische Regierung zu in Europa beispiellosen Massnahmen gegriffen: Rom erliess am Sonntag ein grundsätzliches Ein- und Ausreiseverbot für die mehr als 15 Millionen Einwohner der Regionen im Norden des Landes, zu denen auch die Wirtschaftsmetropole Mailand und der Touristenmagnet Venedig gehören.

Regierungschef Giuseppe Conte erklärte via Twitter, die Abriegelung grosser Teile Norditaliens gelte von Sonntag an bis zum 3. April. Betroffen von den Massnahmen sind die Region Lombardei und 14 Provinzen. Dadurch soll die weitere Ausbreitung der Epidemie eingedämmt werden. Italien ist das in Europa am schwersten vom Ausbruch von Sars-CoV-2 betroffene Land.

«Mit maximalen Vorsichtsmassnahmen bekämpft»

Die Regierung in Rom rief am Sonntag alle einheimischen und ausländischen Touristen zum Verlassen der Quarantäne-Zonen in Norditalien auf. Ausnahmen beim grundsätzlichen Ein- und Ausreiseverbot sind nur aus dringenden beruflichen oder familiären Gründen und in gesundheitlichen Notfällen möglich.

«Wir stehen vor einer nationalen Notlage», sagte Conte am Wochenende. «Wir haben sie von Anfang an mit maximalen Vorsichtsmassnahmen bekämpft», ergänzte der Ministerpräsident. «Wir haben zwei Ziele: Die Ausweitung der Ansteckung einzudämmen und eine Überlastung der Krankenhauseinrichtungen zu vermeiden.»

Verbot von Veranstaltungen

Dabei ordnete die italienische Regierung ein Verbot von kulturellen, sportlichen und religiösen Veranstaltungen an. Museen, Kinos und Theater sollen landesweit geschlossen bleiben. Die Schulen und Universitäten sind bereits seit Donnerstag in ganz Italien geschlossen.

Laut der «Neuen Zürcher Zeitung» hat die Polizei zudem die Kompetenz erhalten, Passanten auf der Strasse anzuhalten und nach Hause zu schicken, falls diese unbegründet draussen unterwegs sind. Patienten in Quarantäne dürfen hingen das Haus gar nicht verlassen. Diese neuen Anordnungen sollen bis zum 3. April gelten. Wer sich nicht daran hält, kann bestraft werden: Bei Zuwiderhandeln drohen bis zu drei Monate Haft oder umgerechnet fast 220 Franken Busse.

Keine Beschränkung für Grenzgänger im Tessin

Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz bleibt für Grenzgängerinnen und Grenzgänger offen. Das kündigte der italienische Aussenminister Luigi Di Maio seinem Amtskollegen Ignazio Cassis in einem Telefongespräch an, wie der Bundesrat am Sonntag mitteilte.

Alle Erwerbstätigen können sich demnach weiterhin fortbewegen, um ihrer Berufstätigkeit nachzugehen, und das sowohl zwischen den italienischen Regionen wie auch zwischen der Schweiz und Italien. Der Fortbestand des Tessiner Gesundheitssystems sollte damit gesichert sein, schreibt der Bundesrat.

Papst hält Gebet von Bibliothek aus

Unterdessen scheint der Schreck über die epidemischen Ausmasse des Coronavirus in Italien auch den Bewohnern des Vatikans in die Glieder gefahren zu sein: So sprach der Papst am Sonntag erstmals nur per Live-Stream zu den Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

Er sei «nah» bei den Kranken und dem medizinischen Personal, das die Menschen betreue, beeilte sich Franziskus zu sagen. Es fühle sich aber «etwas merkwürdig» an, dass er das traditionelle Angelus-Gebet diesmal von seiner Bibliothek aus spreche, sagte er. Die Aufforderung der Mediziner zu mehr Distanz hatte der «oberste Hirte der römisch-katholischen Kirche und Vertreter Christi auf Erden» damit immerhin ernst genommen.

Und auch die Fluggesellschaft Alitalia hat reagiert: Das Unternehmen streicht vom 9. März an alle Flüge vom und zum Flughafen Mailand Malpensa. Über den kleineren Mailänder Flughafen Linate werde es nur noch Inlandsflüge geben, teilt Alitalia mit. Internationale Flüge sollen von Rom Fiumicino aus bedient werden.

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(reuters/20 Minuten/sda)

Corona-Tote in Italien

Die Gesamtzahl der am Coronavirus gestorbenen Menschen in Italien stieg bis am Sonntagabend (8. März 2020) auf 366. Das entspricht einem Anstieg von 133 innerhalb von 24 Stunden. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 7375, wie der Chef des italienischen Zivilschutzes, Angelo Borrelli, mitteilte.

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