Hotspot Bahnhof Bern: «Wir suchen den Dialog mit den Randständigen»
Aktualisiert

Hotspot Bahnhof Bern«Wir suchen den Dialog mit den Randständigen»

Seit Jahren häufen sich Meldungen über Randständige oder trinkende Jugendliche am Bahnhof Bern. Mit dem Café Florian soll dort nun bald neuer Wind wehen.

von
Benjamin Hostettler

Das Café Florian eröffnet am Bahnhof Bern. (Video: Benjamin Hostettler)

Viele Pendler am Bahnhof Bern kennen die Problematik: Kommt man die Rolltreppe hoch und möchte den Bahnhofplatz überqueren, begegnet man rauchenden, trinkenden und johlenden Menschen, nicht selten begleitet von Lärm aus Musikboxen. Auch Alkoholiker oder Drogenabhängige sind hier oft anzutreffen.

Die noble Confiserie-Kette Sprüngli gab im März dieses Jahres bekannt, den Standort innerhalb des Bahnhofs von dort wegzuverlegen. Auch die SBB selbst erstellte ein neues Konzept, um Randständige und Jugendliche vom Bahnhofeingang fernzuhalten.

Randständige wurden einbezogen

Diesen Freitag versucht nun ein neues Café sein Glück beim Hotspot: Das Florian. Geschäftsleiter Thierry Fuhrer ist aufgeregt: «Die letzten Arbeiten laufen und wir sind zuversichtlich, dass wir zum Wochenende eröffnen können.»

Die Problematik rund um den Bahnhofseingang sei ihm durchaus bewusst. «Genau deshalb war es uns während der Planungs- und Bauphase sehr wichtig, alle Personen und Parteien in unser Projekt einzubeziehen», sagt er. Die Randständigen hätten sich interessiert nach dem Lokal erkundigt. Fuhrer: «Wir haben ihnen klargemacht, dass es ein Miteinander sein soll. Unser Projekt hat nicht die Absicht, die Leute zu vertreiben.»

Fuhrer betont, dass Florian sich für öffentliche Sitzmöglichkeiten ohne Konsumzwang eingesetzt habe. «Um eine Alternative zu bieten, wurden nun auf der Seite Heiliggeist-Kirche fünf Sitzbänke aufgestellt», so Fuhrer. Der Berner betont, dass die Randständigen auch ihre Daseinsberechtigung hätten.

«Ein Lokal behält die räumliche Trennung bei»

20 Minuten hat sich bei den Personen im Bahnhofseingang umgehört. Ein neues Café wird dort begrüsst: «Der Betrieb ist sicherlich belebend für den Platz», meint ein Mann mittleren Alters, der oft dort herumhängt. «Ein Lokal behält aber die räumliche Trennung bei. Quasi nach dem Motto, hier sind die Kunden und dort die Unerwünschten.»

Der Mann fügt hinzu: «Solange man in einer Beiz fünf Franken oder mehr bezahlen muss und ein Bier bei Coop weniger als einen Franken kostet, wird es weiterhin Personen beim Bahnhofseingang geben.»

Spezialitäten aus fernen Ländern

Im Bahnhof Bern gibt es eine breite Auswahl an Kaffee. Obwohl die Konkurrenz gross ist, könne sich das Florian aber abheben, so Fuhrer: «Bei uns werden zwei ausgebildete Baristi arbeiten. Diese bringen ein immenses Know-How mit und unseren Kaffee beziehen wir von Adriano's.»

Nebst den Kaffeespezialitäten kommt im Lokal auch das Essen nicht zu kurz. Fuhrer: «Florian ist viel gereist. Wir bieten deshalb in unserem Caffè Florian neben Schweizer Küche auch Spezialitäten aus der ganzen Welt an, etwa aus Nordafrika.» Dennoch arbeite man fast ausschliesslich mit Produzenten und Lieferanten aus der Region und Stadt Bern zusammen.

Die rund 60 Innenplätze sollen im Sommer durch 60 Aussensitzplätze ergänzt werden. Fuhrer: «Unsere Terrasse soll ein Treffpunkt werden und mithelfen, den Bahnhofseingang attraktiver zu gestalten.»

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