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Flüchtiger Mörder«Wir suchen Tag und Nacht nach dem Mann»

Vom Mörder und Vergewaltiger Jean-Louis B. fehlt weiterhin jede Spur. Die Behörden haben heute über die neuesten Erkenntnisse informiert - zentrale Fragen bleiben aber ungeklärt.

von
Antonio Fumagalli
André Duvillard, der Kommandant der Kantonspolizei Neuchâtel (links) und Regierungsrat Jean Studer an der Pressekonferenz zum Fall des flüchtigen Mörders Jean-Louis B.

André Duvillard, der Kommandant der Kantonspolizei Neuchâtel (links) und Regierungsrat Jean Studer an der Pressekonferenz zum Fall des flüchtigen Mörders Jean-Louis B.

«Die totale Transparenz» versprach der Neuenburger Justizdirektor Jean Studer gleich zu Beginn der Pressekonferenz zum Fall des flüchtigen Mörders und Vergewaltigers Jean-Louis B.. Wie nervös die Behörden angesichts des unrühmlichen Vorfalls sind, zeigte allerdings sein Verhalten vor den Medien: Studer lachte dauernd gequält – und konnte oder wollte entscheidende Punkte zur Flucht des Verwahrten nicht beantworten.

So bleibt beispielsweise offen, wie es möglich war, dass Jean-Louis B. auf dem Ausflug erst eine Aufseherin verletzen und darauf Reissaus nehmen konnte. Für diese Untersuchungen sei der Kanton Waadt zuständig, weil sich die Flucht auf seinem Boden zugetragen habe. Valérie Gianoli, die Vorsteherin des Neuenburger Strafvollzugsbehörde, ergänzte: «Bei Ausflügen sind die Begleiter nie bewaffnet.»

Missverständnisse zwischen den Behörden?

Klar ist hingegen, dass für den Verwahrten – entgegen den ursprünglichen Plänen, die nur zwei «humanitäre Ausflüge» pro Jahr vorsahen – mehrere Spaziergänge ausserhalb der Gefängnismauern organisiert wurden, immer in Begleitung von zwei Aufsehern. So fanden derartige Freigänge im Dezember, Februar und April ohne Zwischenfälle statt. Beim letzten Ausflug am vergangenen Montag kam es dann zur Flucht.

Der Strafvollzug ist in der Schweiz in verschiedene Konkordate aufgeteilt. Der Kanton Neuenburg gehört dabei einem anderen Konkordat als der Kanton Bern an. Offenbar funktionierte dabei die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stellen nicht immer reibungslos: «Es ist noch unklar, ob der Kanton Bern wusste, dass der Ausflug ohne den Einsatz von Handschellen und mit unbewaffneten Begleitern stattfinden wird», sagte Studer. Um solche Fragen zu klären, kündigte der Regierungsrat eine administrative Untersuchung zum Fall an.

Kurz: Viele Fragen bleiben offen – und der Flüchtende geniesst noch immer seine Freiheit. Er hat aber ein ganzes Heer von Polizisten auf seinen Fersen. André Duvillard, Kommandant der Kantonspolizei Neuchâtel: «Wir haben ein grosses Dispositiv im Einsatz. Es sucht Tag und Nacht nach dem Flüchtigen.»

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