Deutschen-Debatte: «Wir tauschen gerne Hess gegen Alena Gerber»
Aktualisiert

Deutschen-Debatte«Wir tauschen gerne Hess gegen Alena Gerber»

Die SVP wettert gegen eine deutsche Moderatorin in der Schweiz — weil diese kein Schweizerdeutsch spricht. Dafür hat Juso-Präsident Wermuth kein Verständnis. Aber auch linke Politiker stimmen in den Chor der Zuwanderungs-Kritiker ein.

von
Lukas Mäder

Die Hatz gegen Deutsche in der Schweiz geht weiter: Die deutsche Moderatorin von usgang.tv, Alena Gerber, solle sich eine Stelle in Deutschland suchen, fordert Erich Hess, Präsident der Jungen SVP (JSVP), und erhält Unterstützung von SVP-Nationalrat Hans Fehr (ZH). Grund für die Tiraden gegen die Deutsche: Sie spricht kein Schweizerdeutsch, obwohl sie in der Schweiz arbeitet (20 Minuten Online berichtete). Damit gerät erneut eine deutsche Moderatorin ins Visier von Mundart-Fanatikern, nachdem die Radio-Energy-Moderatorin Katrin Wilde Ende 2007 aus der Schweiz gemobbt wurde.

Hess glänze nicht mit seinem Hochdeutsch

Die Äusserungen von Hess stossen am linken Rand des Parteispektrums auf Unverständnis: «Diese blödsinnigen Äusserungen sind völlig daneben», sagt Cédric Wermuth, Präsident der Jungsozialisten (Juso). Hess wolle politisches Kapital schlagen aus der Angst der Leute um ihren Job. «Ich würde gerne tauschen: Deutschland kann Hess haben, und wir behalten die junge Dame», sagt Wermuth. Ausschlaggebend sei aber nicht das hübsche Aussehen von Alena Gerber: «Als Moderatorin bringt sie dem Land sicher mehr als Hess mit seiner Politik.» Zudem sei der JSVP-Präsident nicht gerade mit gutem Hochdeutsch aufgefallen, sagt Wermuth, um die fehlenden Mundart-Kenntnissen Gerbers zu kritisieren.

Doch auch aus dem linken Lager sind kritische Stimmen zu hören gegenüber der wachsenden Zuwanderung - und sie meinen meist die Deutschen in der Schweiz. So haben die Grünen Nationalräte Bastien Girod (ZH) und Yvonne Gilli (SG) ein Positionspapier verfasst, dass die negativen Folgen der Zuwanderung auflistet (20 Minuten Online berichtete). Wohnungsnot, Verkehrsstau oder Luftverschmutzung: Schuld daran sei die Zuwanderung. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» forderte Girod vermehrt Stiftungen, die über Wartelisten Wohnungen vergeben: «Mit Wartelisten ist eine gewisse Sesshaftigkeit verbunden, weil man nicht mal rasch eine Wohnung erhält.» Mit dem Phänomen Migration kann Girod offenbar nicht viel anfangen. Er wünscht sich stattdessen eine Sesshaftigkeit wie im 19. Jahrhundert. Für eine Stellungnahme zur aktuellen Diskussion hatte Girod keine Zeit.

Qualitatives Wachstum als Lösung

Die Grünen spielen der SVP in die Hände, findet Juso-Präsident Wermuth: «Es wirkt befremdend, dass die Grünen und rechten Naturschützer einmal mehr eine unheilige Allianz eingehen», sagt er. Probleme wie Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit will er nicht verneinen. Doch Girods Ansatz findet Wermuth falsch: «Die Schweiz braucht qualitatives Wachstum, um die Probleme zu lösen.»

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