Zürich : «Wir Taxifahrenden leben in Armut» – Taxifahrer protestiert vor Stadthaus
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Zürich «Wir Taxifahrenden leben in Armut» – Taxifahrer protestiert vor Stadthaus

Der Taxifahrer Mehmet Kaya fordert seit 16 Tagen, dass die Stadt gegen Uber vorgehen soll.  Der Zürcher Taxiverband distanziert sich von der Aktion. 

von
Michelle Ineichen

Seit über zwei Wochen protestiert der Taxifahrer Mehmet Kaya vor dem Zürcher Stadthaus. 

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Darum gehts

«Ich demonstriere jetzt seit 16 Tagen vor dem Stadthaus», sagt der Taxifahrer Mehmet Kaya. «Ich warte darauf, dass mir Stadtpräsidentin Mauch endlich Gehör schenkt.» Der 56-Jährige kritisiert, dass die Stadt Taxifahrende und Uber-Angestellte unterschiedlich behandelt. «Alle sollen den gleichen Vorschriften unterliegen und die gleiche Unterstützung erhalten», so Kaya. «Es muss etwas gemacht werden, denn wir Taxifahrenden leben in Armut.» 

Beim Präsidialdepartement hat man Kenntnis von der Protestaktion. «Der Taxifahrer hat sein Anliegen wiederholt an die Stadtpräsidentin herangetragen. Frau Mauchs Beauftragter für Bevölkerungsanliegen hat ihm brieflich und in einem persönlichen Gespräch im Stadthaus erklärt, dass ihm die Stadtpräsidentin keine direkte Hilfe anbieten kann», sagt Sprecherin Katharina Weber. 

Kaya plant trotz Wegweisung Weiterführung des Protests

«Gestern kam die Stadtpolizei zu mir, während ich wie gewohnt protestierte», berichtet Kaya. Die Beamten hätten seinen Ausweis kontrolliert. «Danach sagten sie, dass sie mich verhaften, wenn ich morgen wieder hier protestiere», so Kaya. Er plane jedoch, auch morgen wieder vor dem Stadthaus zu erscheinen. 

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt auf Anfrage den Einsatz. «Wir haben den Mann mündlich für 24 Stunden vom Stadthaus weggewiesen», sagt Pascal Siegenthaler, Sprecher der Stadtpolizei. «Sollte er seinen Protest innert dieser Frist wieder aufnehmen, muss er mit einer Verzeigung rechnen.»  

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Der 56-Jährige Mehmet Kaya protestiert seit fast zwei Wochen vor dem Zürcher Stadthaus. 

Der 56-Jährige Mehmet Kaya protestiert seit fast zwei Wochen vor dem Zürcher Stadthaus. 

20min/Shila Ochsner
Mit selbstgebastelten Plakaten will er auf sein Anliegen aufmerksam machen. 

Mit selbstgebastelten Plakaten will er auf sein Anliegen aufmerksam machen. 

20min/sos
Kaya kritisiert, dass die Stadt Taxifahrende und Uber-Angestellte unterschiedlich behandelt. 

Kaya kritisiert, dass die Stadt Taxifahrende und Uber-Angestellte unterschiedlich behandelt. 

20min/sos


«Taxifahrer haben mit schwindenden Umsätzen zu kämpfen»

Der Präsident des Zürcher Taxiverbands, Georgios Botonakis, bestätigt auf Anfrage, dass ihm Kaya seit mehreren Jahren bekannt ist. Es stimme, dass Zürcher Taxifahrerinnen und Taxifahrer seit mehreren Jahren mit schwindenden Umsätzen zu kämpfen hätten. Durch das Aufkommen von digitalen Anbietern wie Uber sei das Geschäft noch schwieriger geworden. «Aus Verzweiflung haben sich viele Taxifahrerinnen und Taxifahrer mittlerweile auch dort registriert, auch wenn die Fahrten kaum profitabel sind», sagt Botonakis. Dennoch übt er Kritik: «Wir distanzieren uns ausdrücklich von dieser Protestaktion.»

«Dieser Einzelfall war uns bislang nicht bekannt», sagt Uber-Sprecherin Luisa Elster. Viele Zürcher Taxifahrerinnen und Taxifahrer nutzten aber Uber zusätzlich zum klassischen Taxigeschäft, um ihren Umsatz zu erhöhen.

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