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Coronavirus in Altersheimen«Wir testen sogar doppelt so oft wie der Kanton»

Nur zwei Drittel der Baselbieter Altersheime schicken ihr Pflegepersonal zu den freiwilligen Massentests, die der Kanton neu anbietet. Verzichtet ein Drittel der Institutionen wirklich auf systematische Tests?

von
Lukas Hausendorf
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Im Kanton Baselland wird das Personal von Alters- und Pflegeheimen neuen Massentests unterzogen. Diese sind allerdings freiwillig. Am ersten Wochenende wurden 1300 Pflegerinnen und Pfleger getestet.

Im Kanton Baselland wird das Personal von Alters- und Pflegeheimen neuen Massentests unterzogen. Diese sind allerdings freiwillig. Am ersten Wochenende wurden 1300 Pflegerinnen und Pfleger getestet.

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Die Massentests sollen verdeckte Infizierte identifizieren.  Eine asymptomatische Pflegerin steckte 26 Bewohnende eines Altersheims an. 

Die Massentests sollen verdeckte Infizierte identifizieren. Eine asymptomatische Pflegerin steckte 26 Bewohnende eines Altersheims an.

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Zwei Drittel der 178 Corona-Toten im Kanton Baselland gehen auf das Konto von Altersheimen. Das Alterszentrum Rosengarten in Laufen verlor zehn seiner Bewohner an Covid-19.

Zwei Drittel der 178 Corona-Toten im Kanton Baselland gehen auf das Konto von Altersheimen. Das Alterszentrum Rosengarten in Laufen verlor zehn seiner Bewohner an Covid-19.

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Mit Massentests sollen weitere Corona-Ausbrüche in Baselbieter Alters- und Pflegeheimen verhindert werden. Der Kanton hat am vergangenen Wochenende 1300 Pflegerinnen und Pfleger getestet. Ein Drittel der Institutionen verzichtete allerdings auf die Teilnahme am freiwilligen Test, der in zwei Wochen wiederholt wird. Dies, obwohl der Kanton dringend dazu geraten hatte, mitzumachen.

Das erstaunt. Sind doch die Bewohnenden der Alterszentren die vulnerabelste Personengruppe. Und: Zwei Drittel der 178 Baselbieter Coronatoten lebten in einer solchen Institution. Das Interesse, von Pflegeheimen asymptomatisch Infizierte unter dem Pflegepersonal zu identifizieren, müsste also von höchster Priorität sein.

Keine Testverweigerer unter Altersheimen

Die Alterszentren, die auf eine Teilnahme verzichtet hatten, sind nicht glücklich über die Kommunikation des Kantons. Denn sie verzichten mitnichten auf Tests. Im Gegenteil. «Wir haben unser Personal geschult und können sogar selbst testen!», sagt Thomas Giudici, Leiter des Alterszentrums Birsfelden. Die Institution geriet jüngst in Kritik, weil sie die meisten Todesfälle aller Baselbieter Altersheime verzeichnete – bis am Montag waren es 19. «Wir hatten schon zwei komplette Tests und möchten das im Wochenrhythmus wiederholen,», führt er aus. Somit testet das Alterszentrum Birsfelden doppelt so oft wie der Kanton.

Inzwischen haben im AZ Birsfelden 58 Bewohnende die Infektion überstanden. Nur noch eine Bewohnerin und zwei Mitarbeitende sind positiv. Am Montag wurden erneut alle Bewohner und Mitarbeitenden getestet. «Wir haben wahrscheinlich am meisten getestet im ganzen Kanton.», vermutet Giudici.

Ein weiteres Pflegeheim, das nicht am freiwilligen Test partizipierte und von 20 Minuten angefragt wurde, erklärte, dass das Personal schon in einem anderen Testschema drin sei. Man habe ebenfalls viele Infizierte Bewohner verzeichnet und darum schon angefangen, intensiv zu testen.

Asymptomatisches Personal erkennen

Beide Institutionen betonten, dass sie sich stets an die Vorgaben des Kantons gehalten hätten. Demnach habe noch bis in den Herbst hinein gegolten, dass nur bei Symptomen getestet werde. Das Testregime wurde erst geändert, als es eigentlich zu spät war und die ersten Ausbrüche Tatsache waren waren.

Dabei zeigt auch die Erfahrung aus Basel-Stadt, dass die vorsorgliche Testung des Pflegepersonals effektiv ist. In einem Pilotprojekt zwischen Mitte November und Anfang Dezember wurden so bei einem Altersheim sieben Mitarbeitende positiv getestet, die zu diesem Zeitpunkt asymptomatisch waren. Diese Personen können dennoch hoch ansteckend sein. Im Baselbiet wurde der Fall einer Pflegefachfrau bekannt, die Corona-positiv aber symptomfrei zur Arbeit ging und so 26 Bewohner eines Altersheims ansteckte.

Impfstart in beiden Basel

Seit Montag können sich im Kanton Baselland Personen, die 75 Jahre oder älter sind, im Impfzentrum Feldreben in Muttenz impfen lassen. Die ersten 5000 Termine sind bereits ausgebucht (Stand 4. Januar). Ende Janaur wird ein zweites Impzentrum in Lausen aufgebaut und auch in Laufen ist eines in Planung. Neue Impftermine werden immer mindestens 48 Stunden im Voraus auf der Webseite www.bl.ch/impfen bekannt gegeben.

In Basel-Stadt werden ebenfalls laufend neue Impftermine bekannt gegeben. Nebst der Anmeldung via Webseite steht der Kantonsbevölkerung auch die Möglichkeit der telefonischen Anmeldung offen (0800 555 655). Anders als in Baselland können sich in Basel-Stadt in der ersten Phase auch Personen unter 75 Jahren impfen lassen, wenn sie aufgrund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe zählen.

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