Ex-NSA-Chef: «Wir töten auf Grund von Metadaten»
Aktualisiert

Ex-NSA-Chef«Wir töten auf Grund von Metadaten»

Wer glaubt, er sei sicher, weil Geheimdienste keine konkreten Inhalte lesen, für den hat der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden unangenehme Neuigkeiten. Metadaten sagen alles.

von
pwe

An einem Podium der Johns Hopkins Universität in Baltimore gab sich der ehemalige NSA-Chef und Ex-CIA-Direktor Michael Hayden im April freimütig: «Wir töten Menschen auf Grund von Metadaten.» Das Zitat war eine Ergänzung auf eine Äusserung des ehemaligen NSA-Beraters Stewart Baker: «Metadaten sagen einem absolut alles über irgendjemandes Leben. Wenn man genügend Metadaten hat, braucht man den Inhalt gar nicht mehr zu wissen.»

Der Professor für Recht, David Cole, konstatierte darauf in einem Artikel für die «New York Review of Books»: Das Argument, die Bedrohung der Privatsphäre sei vernachlässigbar, da die NSA ja «nur» Metadaten sammle und nicht tatsächlichen Inhalte von E-Mails und Gesprächen, sei «hochgradig irreführend».

Gesetzesänderung in Beratung

Wer hat mit wem wie häufig, wie lange und von wo aus kommuniziert – diese Daten nennt man Metadaten. Der konkrete Inhalt wird davon nicht erfasst und sei gemäss Baker auch nicht mehr so wichtig. Gerade bei den Abermillionen an Daten sind die Metadaten auch wesentlich einfacher maschinell auswertbar als der konkrete Inhalt eines Telefongesprächs oder E-Mail-Wechsels.

In den USA wird zurzeit eine Gesetzesänderung behandelt, die die Befugnisse der NSA einschränken soll, Metadaten zu sammeln. Statt wie bisher nahezu ohne Kontrolle alle Daten einziehen zu können, sollen Kommunikationsanbieter die Daten lokal speichern und der NSA nur noch gegen Vorlage einer richterlichen Anordnung abgeben. Diese Änderung würde aber nur für die USA gelten – Beschränkungen für die internationale Suche sind auf der Prioritätenliste des US-Parlaments bestenfalls zweitrangig.

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