Tschechien – Nun sucht eine Spezialtruppe der Bergrettung nach Julia (8)
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Deutsch-tschechisches GrenzgebietNun sucht eine Spezialtruppe der Bergrettung die vermisste Julia (8)

Rund 800 Einsatzkräfte suchen im Berggebiet nahe der deutsch-tschechischen Grenze nach der seit Sonntag verschwundenen 8-jährigen Julia. Den Rettern läuft die Zeit davon. Nun kommt eine speziell ausgebildete Truppe aus Bayern zum Einsatz.

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Mehr als 40 Suchhunde nahmen die Spur des vermissten Mädchens auf.

Mehr als 40 Suchhunde nahmen die Spur des vermissten Mädchens auf.

Armin Weigel/dpa
Die Familie des Kindes war am Sonntag in der Gegend wandern, als das Mädchen verschwand.

Die Familie des Kindes war am Sonntag in der Gegend wandern, als das Mädchen verschwand.

Armin Weigel/dpa
Die Polizei sucht auch aus der Luft nach der Vermissten.

Die Polizei sucht auch aus der Luft nach der Vermissten.

Armin Weigel/dpa

Darum gehts

  • Bei einer Wanderung mit ihrer Familie verschwand die achtjährige Julia in einem unwegsamen Waldgebiet.

  • Über 800 Einsatzkräfte und Helikopter suchen nach dem Kind. Neu suchen auch Spezialkräfte nach dem Mädchen.

  • Am Dienstag hat sich nun die Wetterlage verschlechtert.

Dunkelheit und Kälte konnten die Helfer auf der Suche nach dem verschwundenen achtjährigen Mädchen im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tschechien nicht aufhalten. Trotz widriger Umstände durchkämmten die Einsatzkräfte in der Nacht zu Dienstag weiter das bergige und waldige Gelände, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Suchaktion wurde nun auch mit einer Truppe von auf Bergungen im alpinen Gebiet spezialisierten Höhenrettern aus Bayern verstärkt, wie der Bayerische Rundfunk vermeldet.

Hunderte Polizeibeamtinnen und -beamte, Feuerwehrleute und weitere Helferinnen und Helfer durchkämmten den dichten Wald rund um den tschechischen Berg Cerchov (Schwarzkopf), etwa zwei Kilometer von der bayerischen Grenzstadt Waldmünchen entfernt. Stundenlang kreist ein Polizeihelikopter über dem unwegsamen Gelände. Am Dienstag musste er allerdings wegen schlechtem Wetter seine Suchflüge einstellen.

Nach Informationen der tschechischen Nachrichtenagentur CTK beteiligten sich nach dem Verschwinden rund 200 Polizistinnen und Polizisten sowie Feuerwehrleute an der Suchaktion in der Umgebung des Cerchov, der höchsten Erhebung des Oberpfälzer Waldes. Trotz aller Bemühungen blieb das Mädchen verschwunden. Von einem Verbrechen geht die Polizei bislang nicht aus – das Kind habe sich wahrscheinlich verlaufen.

Temperaturen um den Gefrierpunkt

«Es ist ein schwieriges Gelände, ringsherum ist tiefer Wald», sagte die tschechische Polizeisprecherin, Dana Ladmanova. Alle verfügbaren Kräfte seien vor Ort im Einsatz. Bei der Suche helfen auch Försterinnen und Förster und Mitarbeitende des Nationalparks Böhmischer Wald (Sumava), die sich in dem unwegsamen und teils felsigen Terrain auskennen.

Das Mädchen hatte vor seinem Verschwinden mit seinem Bruder und dem Cousin im Wald gespielt, in dem die Familie am Wandern war. Wie die Polizei schilderte, verloren die Eltern dabei die Kinder aus den Augen. Der sechsjährige Sohn und der neunjährige Neffe des Paares wurden schliesslich am frühen Sonntagabend wieder gefunden. Julia blieb verschwunden – und irgendwann wurde es dunkel und sehr kalt. Zur «Bild»-Zeitung sagte Polizeisprecher Florian Beck: «Natürlich sind solche Temperaturen um den Gefrierpunkt gefährlich. Wir tun alles, um Julia lebend zu finden. Jeder hier ist mit ganzem Herzen dabei.»

Am Montagnachmittag seien zeitweise rund 800 Einsatzkräfte aus Bayern und Tschechien an der Suchaktion beteiligt gewesen, so Dominic Stigler vom Polizeipräsidium in Regensburg – darunter Bereitschaftspolizei, Feuerwehr, Bergwacht und Rettungshundestaffel. Mehr als 40 Personensuchhunde nahmen die Spur des vermissten Mädchens auf. «Rund um den Berg wird intensiv nach ihr gesucht», sagt Stigler weiter. Mit einem Foto der Achtjährigen startete das Polizeipräsidium Oberpfalz zudem eine Öffentlichkeitsfahndung.

Wettlauf gegen die Zeit

Die Suche nach Julia wird laut Polizei zu einem Wettlauf gegen die Zeit. «Die Chancen des Mädchens sinken von Stunde zu Stunde», sagte Polizeisprecher Josef Weindl am Dienstag der «Passauer Neuen Presse». Er führte weiter aus: «Ohne Essen und Trinken schafft es ein Kind über zwei Tage. Die Kälte ist das grosse Problem.» In den vergangenen Nächten hätten sich die Temperaturen um den Gefrierpunkt bewegt. Möglicherweise habe das Kind in einer Höhle etwas Schutz gefunden. «Jede Stunde ist wichtig», sagte Weindl der Zeitung.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sicherte der Familie zu, dass ununterbrochen weitergesucht werde, bis das Kind gefunden sei. «Wir setzen alles daran, die Achtjährige schnellstmöglich zu finden, Tag und Nacht», sagte er der «Bild»-Zeitung. Die Familie werde zudem psychologisch betreut und parallel von der Polizei befragt, sagte Polizeisprecher Stigler.

Ob Eltern, Bruder und Cousin ungefähr sagen können, wo sie das Mädchen aus den Augen verloren haben? «Es ist eben ein riesiges Waldgebiet», sagt der Polizeisprecher. «Deshalb ist es für einen Sechs- und einen Neunjährigen natürlich schwierig, das zu lokalisieren.»

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(dpa/roa)

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