09.06.2017 03:42

Tägerwilen TG«Wir Tuner sind keine Raser»

Zum achten Mal findet diesen Samstag in Tägerwilen TG die Tuning Night statt. Der Anlass soll dem Raser-Image der Tuning Szene entgegenwirken.

von
jeb
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Am Samstag (10. Juni 2017) findet zum achten Mal die Tuning Night in Tägerwilen TG statt.

Am Samstag (10. Juni 2017) findet zum achten Mal die Tuning Night in Tägerwilen TG statt.

zVg
Der Anlass steht unter dem Motto ...

Der Anlass steht unter dem Motto ...

... «Tuner gegen Raser».

... «Tuner gegen Raser».

zVg

«Wir möchten mit der Tuning Night ein klares Zeichen gegen die Vorurteile gegenüber Tunern setzen», sagt Marcel Erne aus Oberuzwil, Organisator des Treffens, an dem 800 Aussteller ihre getunten Autos zeigen werden. «Wir sind Liebhaber, die viel Zeit in unsere Autos stecken, wir Tuner sind aber keine Raser.»

Trotzdem würde das in der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen. «Wenn bei einem Unfallauto etwas aussergewöhnliche Felgen dran sind, heisst es gleich, es wäre ein rasender Tuner im Auto gesessen.» Man distanziere sich klar vom Vorurteil der rasenden Tuner.

Dass die Tuner gute Menschen seien, werde am Anlass mit einer Spendenaktion unterstrichen. Die Einnahmen aus den Eintritten der 4500 erwarteten Besucher sowie aus dem Bobbycar-Rennen werden zu Gunsten der Kinderkrebshilfe gespendet. An früheren Treffen gingen die Spenden an die Rega oder Roadcross.

Tuner unternehmen unnötige Fahrten

Die Polizei kann Raser-Vorurteile gegen Tuner nicht bestätigen. Dass Tuner gleichzeitig auch Raser sind, verneint Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Raserdelikte werden von Personen aus allen Schichten und Altersklassen begangen. Auffällig ist einzig, dass vor allem Männer rasen.»

Bei der Kantonspolizei St. Gallen fallen Tuner trotzdem auf. «Vor allem Anfang Sommer wegen unnötiger Fahrten im Innerortsbereich.» Als Beispiel nennt Schneider die sogenannten Bahnhofsrunden, also wenn mehrmals in kurzer Zeit an derselben Stelle, zum Beispiel an einem Bahnhof vorbeigefahren wird. Solche Fahrten oder Lärmbelästigungen sind laut Verkehrsregelverodnung nicht erlaubt (siehe Box). «Unnötige Fahrten innerorts werden bei der Staatsanwaltschaft verzeigt», so Schneider. Diese entscheidet dann, wie der Autofahrer zu bestrafen ist. «Wenn der Lenker bereits eine Vorgeschichte mit ähnlichen Delikten hat, kann es sogar sein, dass das Strassenverkehrsamt den Fahrausweis entzieht», sagt Schneider.

Beiblätter genügen in der Schweiz nicht

Ein weiteres Problem mit Tunern seien Anpassungen an den Autos, die nicht im Fahrzeugausweis eingetragen sind. «In der Schweiz müssen selbst leichte Veränderungen am Fahrzeug, wie etwa spezielle Felgen, technisch überprüft und im Fahrzeugausweis eingetragen werden», erklärt Schneider. Dies im Unterschied etwa zu Deutschland, wo oft Beiblätter vom Hersteller ausreichen, die besagen, dass das Zusatzteil für den entsprechenden Fahrzeugtyp angefertigt wurde. «Beiblätter reichen bei uns meistens nicht aus», so Schneider. Deswegen käme es jedes Jahr zu Verzeigungen im dreistelligen Bereich.

In der Regel können die Änderungen nachträglich beim Strassenverkehrsamt vorgeführt und eingetragen werden. «Stellen wir jedoch fest, dass die Sicherheit nicht gewährleistet ist, wird das Auto stillgelegt und der Fahrer darf damit nicht mehr weiterfahren.» Das geschehe jedoch selten.

Die Tuning Night findet am Samstag ab 14 Uhr auf dem Zecchinel Zentrum in Tägerwilen TG statt. Der Kantonspolizei Thurgau ist bekannt, dass die Veranstaltung stattfindet. Ob deshalb mehr Kontrollen in der Umgebung stattfinden, möchte die Kapo auf Anfrage nicht sagen: «Über geplante Kontrollen machen wir grundsätzlich keine Angaben.»

Verkehrsregelnverordnung (VRV)

Artikel 33:

Fahrzeugführer, Mitfahrende und Hilfspersonen dürfen, namentlich in Wohn- und Erholungsgebieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen. Untersagt sind vor allem:

a) andauerndes, unsachgemässes Benützen des Anlassers und unnötiges Vorwärmen und Laufenlassen des Motors stillstehender Fahrzeuge;

b) hohe Drehzahlen des Motors im Leerlauf, beim Fahren in niedrigen Gängen;

c) zu schnelles Beschleunigen des Fahrzeugs, namentlich beim Anfahren;

d) fortgesetztes unnötiges Herumfahren in Ortschaften;

e) zu schnelles Fahren, namentlich mit metallbereiften Fahrzeugen, beim Mitführen von unbefestigten Ladungen und von Anhängern, beim Befahren von Kurven und Steigungen;

f) unsorgfältiges Beladen und Entladen von Fahrzeugen sowie Mitführen von Kannen und ähnlichen lärmerzeugenden Ladungen ohne Befestigung oder Zwischenlagen;

g) Zuschlagen von Wagentüren, Motorhauben, Kofferdeckeln und dgl.;

h) Störungen durch Radioapparate und andere Tonwiedergabegeräte, die im Fahrzeug eingebaut sind oder mitgeführt werden.

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